Anwaltsmarkt

Auf dem Anwalts­markt dominieren selbständige Rechtsanwälte

Die Selbständigkeit ist für Anwälte auf dem Anwalts­markt nach wie vor die Norm. Die Berufsausübung als angestellter Anwalt stellt hingegen die Ausnahme dar. Das zeigen Zahlen des Soldan Instituts.

Die Anwalt­schaft ist vielfältiger geworden. Die Formen anwalt­licher Berufsausübung sind breit gefächert. Was sich nicht geändert hat: Die unter­neh­me­rische Tätigkeit bildet nach wie vor den Schwer­punkt der anwalt­lichen Berufstätigkeit. Die Selbständigkeit ist für Anwälte auf dem Anwalts­markt nach wie vor die Norm. Das belegen Forschungs­er­geb­nisse einer Studie des Soldan Instituts zu Anwalts­kanz­leien. Acht von zehn der befragten Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte gaben an, Allein- oder Miteigentümer der Kanzlei zu sein, in der sie tätig sind (81 Prozent). Hingegen stellt die angestellte Anwältin oder der angestellte Anwalt nahezu eine Ausnah­me­er­scheinung dar (14 Prozent). Fünf Prozent der Befragten arbeiten zudem als freie Mitar­beiter. Im Rahmen der Studie wurden nur tatsächlich auf dem Anwalts­markt tätige Kanzleien befragt. Das erklärt, warum Syndi­kusanwälte keine Rolle spielen. Das Soldan Institut hatte bereits früher ermittelt, dass Syndi­kusanwälte kein nennens­wertes Mandats­auf­kommen in der eigenen Kanzlei haben.

Fachanwälte sind häufig unternehmerisch tätige Rechtsanwälte

Die Studie hat aber auch untersucht, welche Faktoren Einfluss auf den Erwerbsstatus des Rechtsanwalts in der Kanzlei haben. Hier spielen insbesondere das Alter, die Berufszugehörigkeit und das Geschlecht eine signifikante Rolle. Bei Anwälten, die seit 20 bis 30 Jahren in der Kanzlei tätig sind, liegt der Anteil der Partner beziehungsweise Miteigentümer bei 95 Prozent. Hingegen sind nur knapp die Hälfte (48 Prozent) der befragten Anwälte mit einer Tätigkeitsdauer unter zehn Jahren selbständig. Es hat sich auch gezeigt, dass der Fachanwaltsstatus entscheidend ist. Fachanwälte sind mit 85 Prozent häufiger selbständige als angestellte Anwälte (78 Prozent).

Aber auch das ist inter­essant: 32 Prozent der Anwälte üben ihren Beruf als Einzelkämpfer und damit auch als Einzel­un­ter­nehmer aus. Dagegen haben sich 68 Prozent für eine gemeinsame Berufsausübung mit anderen Anwälten – sei es in einer Sozietät, sei es in einer Einzel­kanzlei mit anwalt­lichem Personal entschieden.

Mehr Einzelunternehmer im Sozial-, Familien- oder Strafrecht

Aufgeschlüsselt nach Rechts­ge­bieten ergibt sich, dass Anwälte mit einem Tätigkeits­schwer­punkt in den Bereichen Sozial-, Familien- oder Straf­recht überdurch­schnittlich häufig in Einzel­kanz­leien tätig sind. Während­dessen sind in den Rechts­ge­bieten Bank- und Kapital­markt­recht, das Recht des geistigen Eigentums, das Öffent­liche Wirtschafts­ver­wal­tungs­recht und das Insol­venz­recht Anwälte aus Einzel­kanz­leien unterrepräsentiert.


Die Ergebnisse der Studie hat das Anwaltsblatt im Mai-Heft (AnwBl 2017, 522) veröffentlicht.


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