Legal Tech ist Chance für kleinere Kanzleien

Die Botschaft des 68. Deutschen Anwaltstags: Legal Tech bietet gerade kleineren Kanzleien die Chance, überregional zu akquirieren ‒ wenn sie innovativ sind. Zugleich wurde auf dem Anwaltskongress deutlich: Auch bei der Regulierung des Internets und der digitalen Transformation sind Anwältinnen und Anwälte unverzichtbar.

Das Jahrestreffen der deutschen Anwaltschaft ist vorbei: Drei Tage lang – vom 24. bis 26. Mai 2017 – trafen sich mehr als 1.700 Teilnehmer auf dem 68. Deutschen Anwaltstag, um wieder einmal über die Zukunft der Anwaltschaft zu diskutieren. Hatte der Deutsche Anwaltverein 2013 auf dem 64. Deutschen Anwaltstag in Düsseldorf seine von der Prognos AG erstellte Zukunftsstudie vorgestellt, ging es jetzt in Essen um „Innovationen und Legal Tech“. Denn der vor vier Jahren prognostizierte Wandel läuft vermutlich schneller ab als damals erwartet ‒ wie viel Bewegung im Markt für Rechtsdienstleistungen ist, belegte der Deutsche Anwaltstag (siehe auch die DAV-Pressemitteilung).


Legal Tech: Keine Bedrohung für Kanzleien – mit Innovationen antworten

Der Anwaltskongress zeigte eine neugierige, offene und wandelbare Anwaltschaft. Legal Tech bietet gerade auch kleineren Kanzleien die Chance, maßgeschneiderte Angebote überregional anzubieten – wenn sie innovativ sind. In der Start-up-Corner auf der Fachmesse „AdvoTec“ zeigten Unternehmensgründer, wie sie sich die moderne Akquise im Internet und die effiziente Mandatsabwicklung vorstellen. Auffällig dabei: Viele Start-ups sind aus Kanzleien heraus gegründet worden – Ideengeber und Antreiber sind Anwältinnen und Anwälte, die ihr Know-how in neuartigen Dienstleistungen vermarkten wollen. In der Eröffnungsveranstaltung hatte DAV-Präsident Rechtsanwalt und Notar Ulrich Schellenberg die Anwaltschaft bereits aufgefordert, sich auf ihre Stärken zu besinnen. Der digitale Wandel sei keine Bedrohung von Geschäftsmodellen, wenn Legal Tech genutzt werde, um die Dienstleistungen der Kanzleien noch passgenauer auf die Bedürfnisse der Mandanten auszurichten. Wie das aussehen könnte, schilderte Rechtsanwalt Prof. Peter Bräutigam von der Sozietät Noerr aus München für das Wirtschaftsrecht. Aus Mandantennähe und -bindung müsste Mandantenloyalität werden, sagte er in der Schwerpunktveranstaltung am Freitag (26. Mai 2017). Der „embedded lawyer“ gestalte die Digitalisierungsprozesse von Projektbeginn an. Er sei kein rechtlicher Bedenkenträger, sondern zeige rechtliche Gestaltungslösungen auf.

Dieter Kempf: Den digitalen Wandel gestalten

Vor falscher Zurückhaltung und vor Verzagtheit warnte auch Dieter Kempf die Anwaltschaft in der Eröffnungsveranstaltung. Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) betonte, dass Deutschland die Chance der „digitalen Transformation“ nicht verschlafen dürfe, denn sonst nutzen sie andere. Am Markt gewinne der Anbieter, der das nutzerfreundlichste Produkt anbiete ‒ nicht der mit dem Besten. Außerdem forderte er bei der Regulierung des Datenschutzes einen Wandel: Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung mit dem Grundsatz der Datensparsamkeit passe nicht in ein Zeitalter des Datenreichtums. „Der Gedanke der Datensparsamkeit muss von einem Grundsatz der Datensouveränität abgelöst werden", sagte Kempf.


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