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Große BRAK-Statistik: Die Anwalt­schaft wird weiblicher

Die Anwalt­schaft wird weiblicher. Bei den ausschließlich als „Syndi­kus­rechts­anwalt“ zugelas­senen Anwältinnen und Anwälte überwiegt sogar der Anteil der Frauen. Und: Mehr als ein Viertel aller Anwältinnen und Anwälte haben mindestens einen Fachan­walts­titel (43.419).

Die Bundes­rechts­an­walts­kammer (BRAK) hat mit der großen Mitglie­der­sta­tistik weitere statische Zahlen zur deutschen Anwalt­schaft vorgelegt. Veröffent­licht sind sie in der „Großen Mitglie­der­sta­tistik“ für 2017. Wichtigste Erkenntnis: Die Anwalt­schaft wird weiblicher, der Frauen­anteil in der Gesamt­an­walt­schaft ist von 33,97 Prozent (Anfang 2016) auf 34,37 Prozent zum 1. Januar 2017 gestiegen. In der Gruppe der ausschließlich als „Syndi­kus­rechts­anwalt“ zugelas­senen Anwältinnen und Anwälten sind sogar mehr als die Hälfte Frauen (54,23 Prozent). Bei den Anwältinnen und Anwälten mit Doppel­zu­lassung als „Syndi­kus­rechts­anwalt“ und „Rechts­anwalt“ liegt der Frauen­anteil immerhin (noch oder schon) bei 42,83 Prozent. Durch das Syndi­kus­gesetz ist es seit 2016 erstmals möglich, ausschließlich für die anwalt­liche Tätigkeit in einem Unter­nehmen als „Syndi­kus­rechtsanwältin“ oder als „Syndi­kus­rechts­anwalt“ zugelassen zu werden.

Auch mehr Anwaltsnotarinnen

Spannend ist auch ein Blick zu den Anwalts­no­taren. Zum Stichtag 1. Januar 2017 gab es 5.570 Anwalts­no­ta­rinnen und Anwalts­notare. Die Zahl ist gegenüber dem Vorjahr weiter gesunken (5.602). Auffällig hingegen ist ein Anstieg der Zahl der Anwalts­no­ta­rinnen. Nämlich von 775 im Jahr 2016 auf 833 im Jahr 2017.

PartG und Anwalts-GmbH: Trend zur Beschränkung der Haftung

Auch bei den Anwalts­ge­sell­schaften hat sich einiges getan: Die Partner­schafts­ge­sell­schaft (PartG) zeichnet sich nach wie vor durch große Beliebtheit aus. 2017 zählte die BRAK insgesamt 5.332 PartG (im Vorjahr: 4.001). Von ihnen hatten 1.814 von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, ihre Berufs­haftung weiter­gehend als PartGmbB zu beschränken (2016: 1.402 PartGmbB). Die meisten Partner­schafts­ge­sell­schaften wurden in Berlin (1.367) und München (699) gegründet. Auch die Zahl der zugelas­senen Anwalts-GmbHs ist gestiegen: von 760 in 2016 auf 825 in 2017. Als LLP waren 155 Kanzleien zugelassen. Es gab darüber hinaus 932 ausländische Rechtsanwälte.

Unterwegs als Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und vereidigter Buchprüfer

Von den Anwältinnen und Anwälten hatten 2.151 zugleich eine Zulassung als Steuerberater,  639 als Wirtschaftsprüfer und 402 als vereidigte Buchprüfer. Siehe hierzu auch die Erhebungen des Soldan Instituts, wonach 19 Prozent der Anwältinnen und Anwälte einen Zweiberuf ausüben.

Mehr als ein Viertel der Anwältinnen und Anwälte sind Fachanwälte

Die BRAK hat aber auch neue Zahlen zu den Fachan­walt­schaften in der Fachan­walts­sta­tistik vorgelegt. Etwas mehr als ein Viertel der zugelas­senen Anwälte und Anwältinnen haben mindestens einen Fachan­walts­titel. Die BRAK hat mitge­teilt, dass der Anteil der Fachanwälte an der Gesamtzahl der zugelas­senen Anwälte 26,41 Prozent beträgt (Press­e­in­for­mation Nr. 8 vom 7. Juni 2017). Damit haben 43.419 Anwältinnen und Anwälte (darunter 13.402 Anwältinnen) einen oder bis zu drei Fachan­walts­titel erworben. Nach Angaben der BRAK betrage die Gesamtzahl der erwor­benen Fachan­walt­schaften nunmehr 53.677. Das ist im Vergleich zum Vorjahr nur sehr kleines Plus im zweistel­ligen Bereich.  

Auf der Beliebt­heits­skala ganz oben stehen nach wie vor die Fachan­walt­schaften für Arbeits­recht und Famili­en­recht. Dabei bleibt die Fachan­walt­schaft für das Famili­en­recht ganz klar eine Frauendomäne. Wohin­gegen die Fachan­walt­schaft für Bau- und Archi­tek­ten­recht von den Männern dominiert wird. Spitzen­reiter bei den Fachan­walt­schaften bleibt das Arbeits­recht. Hier gibt es 10.370 Fachanwälte und Fachanwältinnen. Fast genauso beliebt: die Fachan­walt­schaft für Famili­en­recht mit 9.516 Fachanwälten und Fachanwältinnen. Auf den Plätzen drei und vier liegen die Fachan­walt­schaften für Steuer­recht (4.944) und für Verkehrs­recht (3.814). Dicht gefolgt von den Fachan­walt­schaften für Miet- und Wohnrecht (3.479) und für Straf­recht (3.448). Mit Abstand verzeichnet nach wie vor die Fachan­walt­schaft für Famili­en­recht den größten Frauen­anteil (57,53 Prozent). Fachanwältinnen sind auch in den Fachan­walt­schaften für Sozial­recht (43,19 Prozent) und Medizin­recht (39,66 Prozent) stark vertreten. Die wenigsten Frauen gibt es prozentual bei den Fachanwälten für Bau- und Archi­tek­ten­recht (13,88 Prozent) und Agrar­recht (14,19).

Zahl der niedergelassenen Anwältinnen und Anwälte sinkt

Erst vor kurzem hatte die BRAK ihre „Kleine Mitgliederstatistik“ für 2017 vorgestellt. Darin enthalten waren erstmals auch konkrete Zahlen zur Gruppe der Syndikusrechtsanwältinnen und Syndikusrechtsanwälte (9.695, davon 957 ohne Doppelzulassung, also ohne niedergelassene Kanzlei). Die Statistik zeigte zudem, dass es weniger niedergelassene Anwältinnen und Anwälten gibt. Zum 1. Januar 2017 waren insgesamt 163.449 niedergelassene Anwältinnen und Anwälte registriert. Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang um 330 Kammermitglieder mit Kanzlei. Auch spannend: Es gibt eine relevante Größe von 957 Syndikusrechtsanwälten, die keine niedergelassene Kanzlei betreiben, sich also für eine Zulassung als reiner Syndikusrechtsanwalt entschieden haben. Das Anwaltsblatt hatte ausführlich darüber berichtet.

Die Statistiken hat die BRAK unter www.brak.de veröffentlicht.

 


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