Urheberrecht

Hitlers „Mein Kampf“ auf der Bühne

Das Buch entmy­sti­fi­zieren, das will auch Rimini Protokoll mit der Theateraufführung von „Mein Kampf“. Die Uraufführung und drei weitere Aufführungen inWeimar waren ein Erfolg. Dann spielte Rimini Protokoll in Graz beim steiri­schen Herbst, anschließend in den Münchener Kammer­spielen, in Zürich und im Natio­naltheater Mannheim. Im Januar wird es auch in Berlin zu sehen sein. Die Reaktionen im Publikum waren meist positiv. Es wurde jedoch auch die Frage gestellt, ob man Hitlers Hetzschrift überhaupt eine Bühne bieten sollte. Helgard Haug von Rimini Protokoll hat damit kein Problem, im Gegenteil: „Das ist ein Muss, finde ich. Also wir geben auch nicht der Hetzschrift die Bühne, es ist ja jetzt nicht so, dass wir sagen, alle mal kommen zum Mein-Kampf-Lesezirkel, sondern wir geben ja sozusagen der Frage nach dem Umgang mit dem Buch und dem Umgang des Umgangs, der geben wir eine Bühne.“

Rimini Protokoll hat für seine Arbeit bereits viel Anerkennung erhalten und wurde – auch inter­na­tional – mit Preisen ausge­zeichnet. FürHortensia Völckers, künstle­rische Direk­torin der Kultur­stiftung des Bundes, sind sie „Erfinder“ einer neuen Theaterform, eines Theaters mit „Experten des Lebens“. Schon mehrfach hat die Kultur­stiftung die innovative Gruppe, die seit 2002 unter dem Label Rimini Protokoll agiert, gefördert. Auch das aktuelle Projekt wurde von der inter­dis­ziplinären Jury der Stiftung ausgewählt. Hortensia Völckers: „Es ist nicht zuletzt die Fähigkeit von Rimini Protokoll, Themen zu finden und sie originell und überzeugend umzusetzen. Das setzt eine tolle Recherche-Arbeit voraus. ,Mein Kampf‘ ist dafür sicher ein gutes Beispiel. Da haben sie ein gutes Gespür gehabt für die Mischung aus Aktualität und Brisanz, die das Ende des Urheber­schutzes von ,Mein Kampf‘ in diesem Jahr mit sich bringt.“ Unterstützung erfährt die Theater­gruppe auch von der Stiftung „Contra Rechts­ex­tre­mismus – eine Stiftung des Deutschen Anwalt­vereins“.

Anna Gilsbach hat sich inzwi­schen als Rechtsanwältin selbständig gemacht, in einer Partner­schaft, die hauptsächlich im Sozial­recht arbeitet. Die Zeit beim DAV als Referentin für Menschen­rechte war für sie ein guter Einstieg in das Berufs­leben. Aber dann wollte sie lieber in die praktische Anwaltstätigkeit wechseln. „Ich freue mich jetzt auch, dass ich wieder mit dem Gesetz da sitze und überlege, wie kann ich das hinkriegen und Argumente suchen und unterstützende Literatur und Gerichts­ent­schei­dungen, also das ist schon ganz gut.“ Nebenbei immer wieder auf der Bühne zu stehen, ist für sie eine große Heraus­for­derung. Die Theater­arbeit nimmt viel Zeit und Kraft in Anspruch, die sie auch beim Aufbau ihrer Kanzlei und für die Betreuung ihrer Mandanten brauchen könnte. Dennoch möchte sie die Erfah­rungen mit Rimini Protokoll und der Aufführung von „Mein Kampf“ nicht missen.

 

Annette Wilmes, Berlin

Die Autorin ist freie Journalistin.

 

 


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