Porträt

Sport­recht: Kämpferin auf hochsen­siblem Terrain

Es gehöre viel dazu, um in einem der größten Wirtschafts­zweige ein guter Berater und fähiger Rechts­bei­stand zu sein. Der Sport­rechts­anwalt müsse eine Bandbreite an Fähigkeiten besitzen: „Das staat­liche Recht muss auf die Beson­der­heiten im Sport angewandt werden, was eine Menge Wissen in  unter­schied­lichen Rechts­ge­bieten erfordert, aber auch Erfah­rungen im Sport, im Vereins­leben und Kennt­nisse der neben dem staat­lichen Recht nahezu unüberschaubar vielen Vereins- und Sport­re­gel­werke“, sagt sie. „Das unter­scheidet diese Fachan­walt­schaft so sehr von den klassi­schen, wo es grundsätzlich nur um ein Rechts­gebiet geht“. Auch seien Sprachen und Inter­na­tio­nalität sehr wichtig, denn der Sport mache nicht an der Grenze halt, die inter­na­tio­nalen Sport­re­gel­werke gälten auch in Deutschland. Es ist ihr wichtig zu erwähnen, dass sie mehrere Sprachen spricht. Vieles ist ihr wichtig. Manchmal wirkt sie beim Erzählen fast atemlos. Auch Emotio­nalität spielt eine Rolle, man sei als Anwalt für Sport­recht schließlich auch Psychologe, Mediator, Zuhörer und Begleiter.

Jakob hält viele Vorträge zu Europa-, Vertrags-, Arbeits- und Versi­che­rungs­recht, aber sie bekommt auch zahlreiche Mandats-Anfragen von Vereinen, Verbänden, Ligen, Athleten, Trainern, Managern, Vorständen. Wirtschafts­un­ter­nehmen mit Bezug zum Sport brauchen Beratung, Hersteller und Vertreiber von Sport­ar­tikeln, Sponsoren oder Medien. Es ist kompli­ziert: viele Rechts­fragen wurzeln im privaten Recht der Sport­vereine und -verbände, die wiederum eigene Satzungen und Ordnungen haben. Den größten Überblick verschaffen ihr dabei Fragen, die sich wie ein roter Faden durch ihr Leben ziehen: Was sind Fairness und Gerech­tigkeit? Was ist ein gut verwal­teter Staat? Wie sieht echte Recht­spre­chung aus? Als sie 2011 ihre Kanzlei gründet, wählt sie einen Werbe­claim, der ihr Gebiet so gut wie möglich umfassen soll: „Mit Recht im Sport – Beratung & Management“. Ihre Kanzlei ist Ort des Rückzugs, der ihr Zeit gibt, die Fälle  aufzu­ar­beiten. Zum direkten Gespräch fährt sie gern selbst zu ihren Klienten. „Die haben im Alltags­geschäft kaum Zeit, weiß ich aus Erfahrung“. Sie reist zu Vereinen oder Einzel­sportlern. Mit fast 100.000 Vereinen ist Sport das größte gesell­schaft­liche Subsystem in Deutschland. Er ist ein wesent­licher Motor der Volks­wirt­schaft, dessen Dimension die Europäische Union auf drei Prozent des Welthandels schätzt.

Die Verfah­rensflut im Sport­recht beläuft sich auf jährlich etwa 400.000, deutlich mehr als die Anzahl der Verfahren vor Arbeits- und Verwal­tungs­ge­richten. Anne Jakob braucht keinen Social Media-Auftritt, um an Mandate zu kommen. Die Szene der Sport­rechtler ist noch klein, denn bisher war es für viele angehende Anwältinnen und Anwälte nicht attraktiv genug, im Sport­recht zu arbeiten. Das Sport­recht galt als schil­lerndes Rechts­gebiet, was sich auch daran zeigt, dass in der Satzungs­ver­sammlung die Arbeits­ge­mein­schaft Sport­recht lang und viel Überzeu­gungs­arbeit leisten musste. Anne Jakob war der Ruf des Sport­rechts egal.


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