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Kanzlei­verkauf – i-Tüpfelchen bei der Alters­vor­sorge

Die Kanzlei reicht längst nicht mehr für die Altersvorsorge - sie ist eher das i-Tüpfelchen für den Ruhestand.

Viele Rechtsanwälte planen den Verkauf ihrer Kanzlei als Absicherung für ihren Ruhestand ein. Doch können sich die Anwälte nicht darauf verlassen, dass sie einen guten Preis erzielen. Ob eine Kanzlei verkäuflich ist, hängt von vielen Bedingungen ab.

Letzt­endlich geht es um das Lebenswerk. Viele Anwälte haben ihre Kanzlei über Jahre hinweg aufgebaut. Sie kennen ihre Mandanten, haben vielleicht schon deren Kinder vertreten und manchmal sogar die Enkel. Sie haben ein Team geformt, ReFas und ReNos ausge­bildet und immer wieder versucht, Prozesse in der Kanzlei zu verbessern. Doch irgendwann ist es Zeit zu gehen und sich aus dem Geschäft heraus­zu­ziehen. Ideal wäre ein Verkauf an einen Nachfolger, um damit die nächsten Jahre im Ruhestand zu finan­zieren. Doch der Verkauf hat leider seine Tücken.

„Der Kanzlei­verkauf als Alters­vor­sorge ist keine gute Idee“, sagt Michael Loch, Geschäftsführer der Unter­neh­mens­ver­mittlung Ulrich Glawe GmbH. „Grundsätzlich sollte die Kanzlei während ihres Betriebs so viel abwerfen, dass man gut davon leben und sich absichern kann. Der Verkauf sollte eher das i-Tüpfelchen sein, on Top.“ Wenn Anwälte das Geld aus dem Verkauf unbedingt bräuchten, verbessere das die Vermittlung nicht unbedingt. Dann würden schnell utopische Preise verlangt, die am Markt nicht durch­setzbar sind. „Wer nicht darauf angewiesen ist, kann entspannter agieren und schauen, welches Konzept, welcher Käufer am besten zu ihm passt.“ Ob eine Kanzlei verkauft werden kann, hängt davon ab, ob ein nachhal­tiger Umsatz erwirt­schaftet, die Mandan­ten­be­zie­hungen stabil sind, der Ruf sehr gut und die Struk­turen auch für die Zukunft gut aufge­stellt sind. Es ist auch eine Frage, wieweit die Kanzlei übertragbar ist, also wie viel an der Person des Anwalts hängt, der verkaufen will.

Was zählt: Digita­li­sierung und dauer­hafte Mandan­ten­struktur

„Tatsächlich kann es Kanzleien geben, die nicht vermit­telbar sind“, stellt Michael Loch klar. Es gebe ein klares Stadt-Land-Gefälle. Kleine ländliche Kanzleien mit Genera­listen als Inhabern, die vielleicht noch hinter der Digita­li­sierung her hinken, seien gar nicht oder nur schwer verkäuflich. „Da geht es den Rechtsanwälten wie den Landärzten, die ja auch nur schwer Nachfolger finden“, sagt Michael Loch. Ein wenig anders sehe es aus bei spezia­li­sierten Kanzleien in den Metro­polen, die eine dauer­haften Mandan­ten­struktur haben. „Kanzleien, die beispiels­weise auf Verkehrs­sachen spezia­li­siert sind und eventuell noch mit einer Versi­cherung zusam­men­ar­beiten.“

Je größer eine Kanzlei ist, desto weniger ist sie abhängig von ihrem Inhaber. Und wird dadurch für Käufer inter­essanter. Diese unter­scheiden sich stark, je nachdem wie hoch der Umsatz der Kanzlei ist. Bei einem Umsatz von 300.000 Euro sind es andere Käufer als bei einem Umsatz von drei Millionen Euro. Während in dem einen Fall eher Einzelkämpfer einsteigen sind es im zweiten Fall Sozietäten, die sich strate­gisch vergrößern wollen.

Von der Größe der Kanzlei hängt auch ab, ob ein eher schlei­chender Übergang möglich ist, bei dem der alte Inhaber immer noch mitar­beitet, oder es einen schnellen Bruch gibt. Gerade kleinere Kanzleien erwirt­schaften manchmal nicht genug, um das Einkommen des alten Inhabers noch mitzu­fi­nan­zieren. Zudem muss aus den Einnahmen der Kanzlei in der Regel der Kaufpreis für die Kanzlei finan­ziert werden. Entspre­chend gibt es eher bei größeren Übernahmen die Möglichkeit, dass der alte Inhaber eine Zeit lang weiter mitar­beitet. Zum Teil ist dies auch gewollt, da sich die überneh­mende Kanzlei mit dem Kauf auch Know-how anschafft.

Auch Rechtsanwältin Sabine Ecker, Leitende Beraterin Rechts­an­walts­markt bei der Datev eG bestätigt, dass sich Anwalts­kanz­leien immer schwerer verkaufen las- Report 586 AnwBl 11 / 2019 sen. Als Absicherung für den Ruhestand würde sich der Kanzlei­verkauf kaum bis gar nicht mehr eignen. Für Sabine Ecker hat es unter anderem mit der immer stärkeren Diffe­ren­zierung innerhalb der Anwalt­schaft zu tun. „Schaut man sich die Entwicklung in der Anwalt­schaft an, so zeigt sich der immer größer werdende Anteil der spezia­li­sierten Rechtsanwälte.

 


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