Anwaltszukunft

Karriere als Rechtsanwältin – warum die Frauen wegbleiben

Frauenquote in Anwaltskanzleien – zumindest auf Zeit

Markus Hartung, Direktor des Bucerius Center of the Legal Profession (CLP) an der Bucerius Law School in Hamburg, bemühte sich in seinem Vortrag über „Das Anwältinnenproblem… Wege aus dem Dilemma“ Lösungsansätze aufzuzeigen. Seinen vieldiskutierten Beitrag in der NJW zum Ausgangspunkt nehmend, arbeitete er heraus, dass das klassische Geschäftsmodell einer Großkanzlei auf eine hohe zeitliche Flexibilität bei Transaktionen im operativen Geschäft ausgerichtet sei. Die billable hour als inputbasierter Gradmesser für die Produktivität und Wertschöpfung eines Berufsträgers sowie starre Aufstiegsmodelle, machten es daher besonders schwer, die Tätigkeit in einer Großkanzlei mit einer selbstbestimmten Familienplanung zu vereinbaren. Gleichzeitig stünden Großkanzleien jedoch aufgrund des langfristig schrumpfenden Talentpools und womöglich auch des künftig zunehmenden Fokus auf diversity awareness in Unternehmen unter Druck, Frauen als Arbeitnehmer zu gewinnen. Auch unter Berücksichtigung der gestiegenen Ansprüche junger Berufseinsteiger riet Markus Hartung Kanzleien daher, Leistung outputbasiert zu messen und flexible Arbeits- und Aufstiegsmodelle nicht nur zu bewerben, sondern aktiv und glaubhaft vorzuleben. Insbesondere sei jedoch eine grundsätzliche Änderung von Strukturen und Prozessen nötig, um ein offeneres Arbeitsumfeld zu schaffen. Für nachhaltige Veränderungen könne auch eine sogenannte Quote vorübergehend nötig sein.

Gleichberechtigung – vom freien Willen und Gleichheitsillusionen

Dass das Thema der Tagung von grundsätzlicher Bedeutung ist, zeigte der wertvolle Beitrag der Soziologin Prof. Dr. Cornelia Koppetsch von der Technischen Universität Darmstadt. Ihr Referat zum Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf? Gleichheitsillusionen und häusliche Arbeitsteilung im Milieuvergleich“ illustrierte, dass trotz der Fortschritte der letzten 20 Jahre nicht von der Loslösung von tradierten Beziehungsmodellen gesprochen werden könne. Während dieses Phänomen in von Tradition geprägten Milieus wenig überrasche, sei dies jedoch gerade auch in Haushalten mit progressivem Selbstbild keine Seltenheit. So sei eine Tendenz dahingehend zu erkennen, dass Paare nach außen eine paritätische Arbeitsteilung im häuslichen Bereich ausstrahlten und beide Partner wie selbstverständlich davon ausgingen, dass zwischen ihnen Gleichheit bestehe, in der Beziehung jedoch faktisch eine klassische Aufgabenteilung herrsche. Beide Partner würden konstant versuchen, die faktische Aufgabenteilung als das Resultat freier Entscheidungen zu rechtfertigen und so einen „Gleichheitsmythos“ aufrechterhalten. Wie soziologische Studien belegten, sei dieser Mechanismus fortlaufender Perpetuierung verdeckter Rollenbildung auch im Berufsleben zu beobachten, was dazu führe, dass Frauen und Männern von vornherein bestimmte Eigenschaften zugeschrieben oder abgesprochen würden.

Wie die Wirklichkeit aussieht …

Am Nachmittag folgte eine lebendige Podiums­dis­kussion. Sie wurde von Rechtsanwältin Dr. Doris Geiers­berger (Geiers­berger Glas & Partner) geleitet. Die Disku­tanten waren Prof. Dr. Daniela Seeliger (Linklaters), Dr. Alexander Schwarz (Gleiss Lutz), Anke Müller-Jacobsen (Ignor & Partner), Sabine Wildfeuer (Redeker/Sellner/Dahs und Vorsit­zende des Berliner Landes­ver­bandes des Deutschen Juris­tin­nen­bundes). Während Schwarz die Verweil­dauer von Frauen und die von seiner Sozietät verfolgten Lösungsansätze zum Ausgleich des Geschlech­te­run­gleich­ge­wichts vorstellte, schil­derten die Referen­tinnen ihre Erfah­rungen aus der anwalt­lichen Praxis.


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