Methodik

Mechanismen im Mandantengespräch

Es ist so selbstverständlich: Reden und zuhören. Wenn der Anwalt mit seinem Mandanten spricht, muss die Kommunikation aber nicht immer klappen. In einer Welt, in der immer häufiger digital kommuniziert wird oder Mitarbeiter den Anwalt abschirmen, wird das „Gespräch“ des Mandanten mit seinen Anwalt zu etwas Besonderem. Die Autorin verrät, was Anwälte beachten sollten, damit der Mandant sich verstanden fühlt und gibt Tipps zur Arbeit an der eigenen Gesprächsführung.

I. Kommunikation – mal schlecht, mal gut

Der Anwaltsberuf ist bekanntlich ein Vertrauensberuf. Das bedeutet, dass Mandanten die Kompetenzen, die Tätigkeiten und das Können des Anwalts aufgrund mangelnder rechtlicher Expertise nicht bewerten können. Was Mandanten maßgeblich bewerten, ist, wie Anwältinnen und Anwälte ihre Kompetenzen, ihre Tätigkeiten und ihr Können kommunikativ präsentieren. Wer um die Aufmerksamkeit von Mandanten mit vielen anderen konkurriert, weiß um den Stellenwert der Gesprächsführung für den Anwaltsberuf. Und mehr noch: Das Gespräch mit dem Mandanten wird vor allem dann zum Alleinstellungsmerkmal der Anwälte, wenn sie mehr und mehr auch mit medialen Dienstleistungen konkurrieren müssen.

Nicht zu Unrecht ist die Gesprächsführung eine der im Deutschen Richtergesetz für das juristische Studium verankerten Schlüsselqualifikationen. Nicht aber erst seitdem gehört die Gesprächsführung zum alltäglichen Handwerkszeug der Juristen, denn im Rahmen der Mandatsbearbeitung spielt sie eine zentrale Rolle. Hier werden zentrale Weichen für die Vertrauensbildung, die Zusammenarbeit und damit die Zufriedenheit des/der MandantIn gelegt.

Warum relativ vergleichbare Mandantengespräche teilweise verschieden verlaufen oder das eine oder andere Vorgehen mal erfolgreich und mal nicht erfolgreich ist, ist als Beteiligter nicht immer genau zu erklären. Und nach so manchem Gespräch schleicht sich der Eindruck an, dass es irgendwie schlecht – oder gut – gelaufen ist. Die Gründe aber bleiben oft verborgen. Dass man Gespräche, noch dazu eigene, ad hoc nicht leicht bewerten kann, liegt daran, dass man viele Aufgaben gleichzeitig bewältigen muss und sich das Gespräch dabei fortlaufend zwischen den Beteiligten weiterentwickelt. Es gibt im Gegensatz zum Schreiben von Texten kein Redigieren, kein probeweises Formulieren ganzer Abschnitte, kein Umstellen von Gesprächsteilen. Gespräche sind flüchtig. Die Aufmerksamkeit in Gesprächen ist in der Regel geschult darauf, den thematischen Verlauf zu erfassen und weniger das sprachliche Handeln. Das sprachliche Handeln aber ist maßgeblich für den Gesprächsverlauf und seine Dynamiken verantwortlich.

Diese Gesprächsdynamiken und Handlungsstrukturen können mittels wissenschaftlicher Analyseinstrumente bestimmt werden und so vor allem überhaupt der bewussten Wahrnehmung zunächst einmal zugeführt werden. Dieser Beitrag zeigt einige exemplarische Ergebnisse und wie diese in der Mandatsarbeit genutzt werden können.

II. Gesprächsforschung – methodengeleitet Klarheit schaffen

Gründe, der beruflichen Gesprächsführung (mehr) Aufmerksamkeit zu schenken und sie nicht in der Kategorie ‚Sprechen kann man einfach seit dem Spracherwerb‘ allzu steifmütterlich zu behandeln, gibt es also genug. Ein erster Schritt dabei ist schon, sich bewusst zu machen, wie viel und welcher Art die mündliche Kommunikation an einem durchschnittlichen Tag im beruflichen Alltag einnimmt, wer in der Regel die Adressaten sind und welche kommunikativen Aufgaben dabei anfallen. Möchte man es genauer wissen und sucht einen methodischen Zugang zur (eigenen) Gesprächsführung, so hilft die wissenschaftliche Disziplin der Gesprächslinguistik (auch: Gesprächsforschung) weiter.


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