Anwaltsmarkt

Mehr als 80 Prozent ohne Zweit­beruf

Unter den Anwälten, die eine Nebentätigkeit ausüben, ergibt sich im Hinblick auf Einzelkanzleien ein interessanter Befund: Eine weitere berufliche Tätigkeit üben 24 Prozent der Anwälte aus Einzelkanzleien aus (gegenüber 16 Prozent der Anwälte aus anderen Kanzleitypen), einen nicht juristischen Zweitberuf 15 Prozent (gegenüber 6 bis 8 Prozent bei den anderen Kanzleitypen). Ein ähnliches Bild ergibt sich bei einer Differenzierung nach der Zahl der Rechtsanwälte in der Kanzlei. In Kanzleien, in denen nur ein Rechtsanwalt tätig ist, üben 26 Prozent eine weitere berufliche Tätigkeit aus, in Kanzleien mit zwei bis fünf Anwälten sind es nur 18 Prozent, in Kanzleien mit 6 und mehr Anwälten 17 Prozent. Auch im Hinblick auf nicht-juristische Zweitberufe ist der höchste Anteil (15 Prozent) bei Kanzleien mit nur einem Rechtsanwalt zu finden.
Bei den komplementären Zweitberufen (Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Notar, Mediator) gibt es keine statistisch signifikanten Unterschiede in Abhängigkeit von der Kanzleigröße. Wenig überraschend ist, dass unter den Anwälten mit einem persönlichen Umsatz unter 50.000 Euro der Anteil derer, die einer weiteren beruflichen Tätigkeit nachgehen, am höchsten ist (35 Prozent). Hier wird die andere berufliche Tätigkeit überwiegend finanzielle Gründe haben. Interessant ist, dass der Anteil bei solchen Anwälten am geringsten ist (15 Prozent), die einen persönlichen Umsatz von 100.000 bis unter 200.000 Euro haben, bei einem höheren Verdienst steigen die Werte wieder leicht an (bis zu 21 Prozent). Auch nicht-juristische Zweitberufe überwiegen deutlich bei Anwälten, die einen Umsatz unter 50.000 Euro haben (25 Prozent). Bei den komplementären Zweitberufen ergibt sich ein anderes Bild: Unter den Anwälten, die einen persönlichen Umsatz von 300.000 Euro und mehr haben, ist der Anteil am höchsten und liegt deutlich über dem Durchschnitt (17 Prozent) von 11 Prozent.
Unter Miteigentümern und Partnern ist der Anteil an Anwälten, die eine weitere berufliche Tätigkeit ausüben, fast dreimal so hoch (22 Prozent) wie bei angestellten Anwälten (8 Prozent) und freien Mitarbeitern (9 Prozent). Auch bei den nicht-juristischen Zweitberufen ist der höchste Anteil (11 Prozent) unter den Miteigentümern und Partnern zu finden. Wenig überrascht, dass unter den Anwälten, die in vollzeitferner Teilzeit arbeiten (unter 30 Stunden), der höchste Anteil (33 Prozent) an Anwälten besteht, die einer weiteren beruflichen Tätigkeit nachgehen, ähnlich ist es bei den nicht-juristischen Zweitberufen (22 Prozent). Betrachtet man die Berufserfahrung zeigt sich, dass Anwälte mit einer Berufserfahrung von 30 bis unter 40 Jahren beziehungsweise in einem Alter von 60 Jahren und älter am häufigsten eine weitere berufliche Tätigkeit ausüben, am geringsten ist der Anteil unter den Anwälten mit weniger als zehn Jahren Berufserfahrung. Ein ähnlicher Befund ergibt sich bei den komplementären Zweitberufen.

 

IV. Rechtsgebietsspezifische Betrachtung

Eine weitere beruf­liche Tätigkeit, der – siehe oben – 19 Prozent aller Rechtsanwälte nachgehen, üben besonders häufig Rechtsanwälte mit Tätigkeits­schwer­punkten im Bilanz- und Steuer­recht (49 Prozent), im Medizin­recht, Erbrecht und  Gesell­schafts­recht (25 bzw. 26 Prozent) sowie im Sozial­recht (21 Prozent) aus. Aller­dings handelt es sich häufig um „komplementäre“ Tätigkeiten als Notar, Steuer­be­rater oder Mediator, nicht um zweit­be­ruf­liche, außerhalb der Kanzlei ausgeübte Tätigkeiten. Lässt man solche Tätigkeiten, die zugleich einen sozietätsfähigen Beruf im Sinne von § 59 a Abs. 1 BRAO darstellen, außer Betracht, ergibt sich freilich ein abwei­chendes Bild, das zeigt, dass bestimmte Tätigkeits­schwer­punkte häufiger mit einer juris­ti­schen (Zweit-)Tätigkeit als Steuer­be­rater, Wirtschaftsprüfer oder Notar einher­gehen.

 

V. Zusammenfassung


Zurück