Interview

Eva Becker: Mehr Geld verdienen im Famili­en­recht

Unternehmertum ist gefragt, wenn gute anwaltliche Leistung auch wirtschaftlichen Erfolg bringen soll. Selbstständige wissen das. Doch was heißt das für eine Anwältin oder einen Anwalt konkret? Funktioniert das auch im Familienrecht? Wie unternehmerisch muss ein Organ der Rechtspflege sein? Das Anwaltsblatt fragte Rechtsanwältin Eva Becker, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Familienrecht im Deutschen Anwaltverein.

Eva Becker ist Rechtsanwältin und Fachanwältin für Famili­en­recht. Sie hat Rechts­wis­sen­schaften in Regensburg, Freiburg und Lausanne studiert und das Referen­dariat in Berlin absol­viert. 1993 wurde sie Rechtsanwältin, seit 2000 ist Eva Becker Fachanwältin für Famili­en­recht. Sie ist Vorsit­zende des Geschäftsführenden Ausschusses der Arbeits­ge­mein­schaft Famili­en­recht im Deutschen Anwalt­verein, Mitglied der Arbeits­gruppe Famili­en­recht des Rates der Europäischen Anwalt­schaften in Brüssel und Lehrbe­auf­tragte an der Humboldt-Universität zu Berlin.

 

 
Was zeichnet heute die erfolgreiche Anwältin, den erfolgreichen Anwalt im Familienrecht aus?

Dass die Kolle­ginnen und Kollegen verstehen, die Mandate auch unter dem Blick­winkel der Kosten, die ihnen persönlich entstehen und des Gewinns, den sie erzielen wollen, zu bearbeiten. Im Famili­en­recht sind Anwälte grundsätzlich geneigt, ihr Helfer­syndrom auszu­leben. Sie laufen immer Gefahr, dafür nicht das Angemessene zu verlangen – nämlich eine Vergütung, die dem Aufwand entspricht.


Aber erfüllen sie nicht so genau die Erwartungen, die ihre Mandanten an ihre Familienanwältin oder ihren Familienanwalt haben?

Ja, das ist eine schöne Sache. Alleine von dem Erfüllen von Erwar­tungen können Sie als Anwalt oder Anwältin nicht überleben.


Was bedeutet das dann für die Familienanwältin oder den Familienanwalt?

Sie müssen sich Gedanken darüber machen, wie sie finan­ziell ihre selbstständige Tätigkeit, aber auch in abhängiger Beschäftigung ihre Arbeit struk­tu­rieren, welche Vergütung sie dafür fordern wollen oder brauchen, um damit auch am Ende glücklich zu werden mit ihrer Arbeit.

 

„Der Markt ist da, und er will bedient werden“, sagt Eva Becker. Das Familienrecht sei ein sicheres Rechtsgebiet – sowohl für Allgemeinanwälte als auch für Fachanwälte. „Auch von diesen Mandaten gibt es genug.“

 

Mandanten sind ein knappes Gut, wie sie finden?

So knapp ist das Gut der Mandanten im Famili­en­recht gar nicht. Denn gehei­ratet und zusam­men­gelebt wird immer, genauso wie man sich regelmäßig wieder trennt. Die Zahlen sind praktisch stabil, sowohl die der Eheschließungen, aber auch die der Schei­dungen. Der Markt ist da, und er will bedient werden. Das ist im Zeitalter des mobil überall verfügbaren Internets gar nicht mehr so schwer. Eine moderne Kanzlei-Website mit aktuellen Infor­ma­tionen vermittelt Kompetenz. Hinzu kommt: Die Spezia­li­sierung in der Anwalt­schaft führt dazu, dass viele Kollegen das Famili­en­recht nicht mehr betreuen. Sie ahnen, dass das Famili­en­recht kein leichtes Gebiet ist, in dem sie viele haftungsträchtige Fehler machen können. Sie geben famili­en­recht­liche Fälle gerne an einen Kollegen, der davon mehr versteht. Und natürlich sind viele persönliche Kontakte auch im Legal-Tech-Zeitalter noch immer Mandats­bringer.


Familienrecht haben früher eigentlich alle Anwältinnen oder Anwälte gemacht. Wie hat sich der Markt in den vergangenen Jahren gewandelt?

Nach meinem Eindruck hat sich der Markt in der Fläche nur geringfügig verändert. Es gibt dort noch immer Allge­meinanwälte, die alles mitmachen – und das ist auch völlig in Ordnung. Die nach außen gezeigten Spezia­li­sie­rungen finden sich eher in mittleren und größeren Städten. Wo die Spezia­li­sierung ein Thema ist, kommen die komple­xeren Fälle zu den Fachanwälten im Famili­en­recht. Auch von diesen Mandaten gibt es genug.


Hat die Einzelanwältin, der Einzelanwalt noch eine Chance?

Unbedingt. Wenn dem nicht so wäre, dann würde dem Gebiet des Famili­en­rechts einer bahnbre­chenden Veränderung kurz bevor­stehen. Im Famili­en­recht haben Sie eine ganz hohe Anzahl von Einzelanwälten. Warum das im Ergebnis so ist, ist gar nicht so leicht zu erklären. Vielleicht hat es – und das ist eine selbst­kri­tische Einschätzung – auch damit zu tun, dass im Famili­en­recht die Antriebs­feder der Tätigkeit in der Regel nicht der Umstand ist, dass ich reich werden möchte mit meiner Arbeit – um das mal positiv auszudrücken. Das Geldver­dienen ist eine Antriebs­feder, aber nicht die maßgebliche. Das ist eigentlich sehr bedau­erlich, weil jeder für seine Arbeit angemes­senes Geld verdienen möchte. Im Famili­en­recht trifft man häufig helfende Menschen an, also Menschen, die gerne, bereit­willig, freigiebig helfen, und auf der anderen Seite haben Sie Abnehmer, meist Verbraucher, die das Geld nicht so bereit­willig geben.


Wird es in zehn Jahren noch Familienrechtler ohne Fachanwaltstitel geben?


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