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Pro-bono-Arbeit: Zum Wohle der Allge­meinheit

Auch der Deutsche Anwaltverein betreibt zusammen mit dem Rat der Europäischen Anwaltschaften (CCBE) auf der griechischen Insel Lesbos eine „law clinic“, die die Flüchtlinge dort mit kostenlosem Rechtsrat versorgt. „Die Flüchtlingskrise hat der Pro-bono-Tätigkeit einen enormen Impuls gegeben“, sagt Peter Braun, Partner der Kanzlei Dentons und Vorstandssprecher von Pro Bono.

Besonders engagiert sind übrigens nicht diejenigen, die sich auf der Suche nach dem Sinn des Arbeitslebens in die Pro-bono-Arbeit flüchten, um nicht länger dröge Vertragstexte glätten zu müssen. Oft sind es immer die gleichen, die in den späten Abendstunden nach ihrer Großfusion auch noch den Antrag für ihre Lieblings-NGO beackern. Die meiste gemeinnützige Arbeit, so hört man immer wieder, leisten die Steuerrechtler in den Kanzleien, sie kommen mitunter auf mehrere Hundert Pro-Bono-Stunden im Jahr. Meist geht es um die Gründung von gemeinnützigen Vereinen, bei der viel zu berücksichtigen ist. Nichtregierungsorganisationen sind die Hauptauftraggeber für diese Arbeit, schon um den Kollegen von der Einzelkanzlei um die Ecke nicht ins Gehege zu kommen. Ob Amnesty International, Welthungerhilfe oder Transparancy International – für sie fertigen die Anwälte umfangreiche rechtsvergleichende Gutachten, bauen komplizierte grenzüberschreitende Organisationsstrukturen oder bieten ganz handfeste Unterstützung: Linklaters zum Beispiel überlässt der Nichregierungsorganisation Ashoka Räume in seinem Münchner Büro.

Wer wirklich pro bono arbeitet, nimmt kein Geld

Der kleine Mann, die kleine Frau auf der Straße hat jedoch – anders als in Amerika – nicht viel von der Pro-bono-Tätigkeit der teuren Anwälte. Das hat System. „Viele Anfragen müssen wir von vorneherein ablehnen, weil die Mandanten anderweitig Rechtsrat bekommen würden“, sagt Mathias Fischer von Latham & Watkins. Wenn ratsuchende Bürger bei ihm anrufen, und das passiert häufig, muss er sie oft erst einmal an die Gerichte oder an die Rechtsberatungsstellen verweisen. PKH-Fälle selbst sucht man in den großen Wirtschaftskanzleien vergebens. Dort verbietet es sich, für Pro-bono-Arbeit überhaupt Geld zu nehmen, selbst Kleckerbeträge. Die Begründung liegt auf der Hand: Weil man ansonsten in den Wettbewerb eingreifen würde, und dafür hüten sich die Elite-Advokaten wohlweislich.

Womit wir bei einem Problem wären, das sich nur in einem Land mit einem soliden PKH-System wie in Deutschland stellt. Denn der Staat zahlt zwar, aber er zahlt nicht sonderlich viel. Und so kann es vorkommen, dass der Anwalt ein komplexes sozialrechtliches Problem für einen Lohn von 80 Euro beackern muss, und schon aus rein finanziellen Gründen nicht immer mit Verve in die Rechtsberatung stürzen kann.


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