Porträt

Prof. Müggenborg: Anwälte können viel, aber nicht alles

Als erfolgreicher und etablierter Umweltrechtler hätte Hans-Jürgen Müggenborg einfach so seine Mandate abarbeiten können. Doch der Rechtsanwalt lernt, dass seine Mandanten nicht nur seinen Rechtsrat, sondern auch den Rat von Ingenieuren, Chemikern oder Wirtschaftspsychologen benötigen.

1981–1988
Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Trier, Erstes Staatsexamen (1985), Zweites Staatsexamen (1998).
1988–1990
Assistent Prof. Dr. Michael Kloepfer (Institut für Umwelt- und Technikrecht der Universität Trier).
1990
Zulassung als Rechtsanwalt in Frankfurt am Main.
1990–1998
Rechtsanwalt in Halle/Saale (bis 1996), in Duisburg und in Köln.
Seit 1998
Selbstständiger Rechtsanwalt in Aachen, Schwerpunkt Umwelt- und Technikrecht, Verwaltungsrecht, Fachanwalt für Verwaltungsrecht (1996), Lehrbeauftragter für Umweltstrafrecht und Industrieparkrecht an der Universität Kassel (2000), Lehrbeauftragter für Umweltzivil- und Umweltstrafrecht an der RWTH Aachen (2004),
Promotion (2007), Ernennung zum Honorarprofessor der RWTH Aachen (2010).
Seit 1993
Mitglied im DAV-Umweltrechtsausschuss (1993, seit 2014 Vorsitzender), Gründungsmitglied und Vorstand der Arbeitsgemeinschaft für Verwaltungsrecht Mitteldeutschland im DAV (seit 1995), Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft für Verwaltungsrecht Nordrhein-Westfalen im DAV.

 

 

 

In den Achtzigern entdeckt Deutschland die Umwelt als Schutzgut – und Hans-Jürgen Müggenborg sein Lebensthema. Die Chemie­riesen im Osten werden nach der Wende seine Feuer­taufe. Seitdem ist er dem Thema treu geblieben – und erfindet sich als Anwalt doch immer wieder neu. Von Anfang an dabei gewesen zu sein, das behaupten hinterher viele. Erst recht, wenn aus dem Anfang später etwas Großes wird. Oder ein Geschäft. Oder beides. Die Formu­lierung „Ein Mann der ersten Stunde“ aber passt zu Hans-Jürgen Müggenborg auch deswegen so gut, weil sie auch im Wortsinn zutrifft. Als der junge Professor Michael Kloepfer an der Universität Trier 1984 die deutsch­landweit erste Vorlesung zum Umwelt­recht hält, sitzt Hans-Jürgen Müggenborg aufmerksam in seinem Hörsaal.

„Das Thema hat mich sofort in Beschlag genommen“, sagt Müggenborg heute über diesen Moment. Kloepfer trägt seinem Studenten auf, einen Part eines möglichen Umwelt­ge­setz­buches zu entwerfen. Müggenborg stürzt sich in die Arbeit und erregt mit einem sehr guten Ergebnis die Aufmerk­samkeit seines Lehrers. Was dann folgt, erzählt einiges über die Karriere und das Wesen des Rechts­an­walts, der Hans-Jürgen Müggenborg im Lauf der Jahrzehnte wurde. Er ist heute promo­viert, Professor an zwei Universitäten, als Vortrags­rei­sender omnipräsent, als Gutachter geschätzt, als Anwalt zur Genüge manda­tiert und ganz nebenbei noch Vorsit­zender des Umwelt­rechts­aus­schusses des Deutschen Anwalt­vereins. Doch zunächst wir der junge Jurist Kloepfers Assistent am Institut für Umwelt- und Technik­recht in Trier. „Da habe ich eine Menge gelernt und wichtige Bezie­hungen geknüpft.“ Als er nach seiner Assis­ten­tenzeit in Trier eine Chance sucht, vermittelt ihn ein Kontakt aus dem Umkreis des Instituts an eine Düsseldorfer Sozietät, die den jungen frisch zugelas­senen Anwalt nach Halle schickt, drei Wochen nach Inkraft­treten des Einigungs­ver­trags im Oktober 1990. Da ist sie, Müggenborgs Gelegenheit.

Der Osten wird für ihn zum Karriere-Beschleu­niger, die neuen, manchmal unübersicht­lichen Verhältnisse schrecken den Mann mit dem rheini­schen Einschlag nicht nur nicht ab, sie begeistern ihn eher. Das Impro­vi­sierenmüssen mit den nur sechs Telefon­lei­tungen von Ost nach West amüsiert ihn.  „Dann müssen wir uns eben kurz fassen!“ Müggenborg beklagt sich nicht, Müggenborg macht einfach. Als er mit Kollegen im „Haus des Lehrers“ in Halle seinen ersten Vortrag zum Umwelt-recht hält, ist die Nachfrage riesig, Wieder­ho­lungs­termine sind nötig. Für die Chemie­kom­binate der damals noch neuen Bundesländer galt mit dem Einigungs­vertrag über Nacht westdeut­sches Recht – mit oft nur kurzen Übergangs­fristen. „Ich war Berufsanfänger und hatte es sofort mit den Vertretern  riesiger Kombinate zu tun“, sagt Müggenborg heute, „in Frankfurt hätte ich für Mandate dieser Dimension Jahre warten müssen.“


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