Porträt

Rechtsanwältin und Notarin: Ruth Nobel

Die Anwaltschaft mag überlaufen sein. Im Anwaltsnotariat dageben haben vor allem Anwältinnen gute Chancen. Unter den knapp 5.500 Anwaltsnotarinnen und Anwaltsnotaren gibt es nur gut 900 Frauen.

1981
geboren in Herdecke (Ruhr)

2010
zur Rechtsanwaltschaft zugelassen. Sie studierte Rechtswissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum, Schwerpunkt Arbeitsrecht. Referendariat beim Landgericht Bochum.

Seit 2012
Gnadenanwältin beim Landgericht Bochum (auf Vorschlag des Bochumer Anwalt- und Notarvereins)

2013
Fachanwältin für Sozialrecht

2017
Fachanwältin für Familienrecht

Seit Mai 2017
Vorsitzende des Geschäftsführenden Ausschusses des Forums Junge Anwaltschaft des Deutschen Anwaltvereins (DAV) und  Regionalbeauftragte für den Landgerichtsbezirk Bochum

Seit September 2017
Notarin für den Bezirk des Oberlandesgerichts Hamm unter Zuweisung des Amtssitzes in Bochum

 

 

Seit September 2017 gehört die Anwältin Ruth Nobel (37) aus Bochum als Anwalts­no­tarin dazu. Über einen Mangel an Mandanten kann Rechtsanwältin und Notarin Ruth Nobel nicht klagen. Dass sie heute nicht mehr akqui­rieren muss, liegt aber nicht nur an ihrem Fleiß.

Die Frau sitzt da, gekrümmt und unscheinbar, als wolle sie im Stuhl verschwinden. Ihre Scheidung steht an und sie will ihren Anspruch auf Unterhalt durch­setzen. Während sie immer tiefer sinkt, richtet sich die Anwältin ihr gegenüber auf. Sie sagt ihr klar und deutlich, was nun zu tun ist. Sie solle Stärke zeigen! Sie habe Rechte! Ruth Nobel ist noch eine junge Referen­darin, als sie diese Szene erlebt. Sie speichert alles ab, was die Famili­en­recht­lerin sagt. Wie sie etwas betont, welche Körperhaltung sie einnimmt. „Die Anwältin hat der Frau in ganz kurzer Zeit Mut gemacht“, erinnert sie sich, „Die verließ erhobenen Hauptes die Kanzlei“. Das war so ein Schlüsselmoment. Einer, der Ruth Nobel viel darüber verriet, wie man Mandanten Stärke verleiht.

Schlüsselmo­mente wie dieser ziehen sich wie ein roter Faden durch das Leben von Ruth Nobel. In ihrer Kanzlei unweit des Bochumer Haupt­bahnhofs, arbeitet sie als Fachanwältin für Sozial- sowie für Famili­en­recht und als Notarin. Mit dieser Kombi­nation ist sie in ihren jungen Jahren so etwas wie eine Orchidee unter Anwälten. Sie hat sich durch eine Reihe von Prüfungen gequält, um dahin zu kommen, wo sie ist. Das schwie­rigste war, zu lernen mit Mandanten umzugehen, sagt sie. Das sei ein lebens­langes Studium.

Vor fünf Jahren mietete sie sich mit einem befreun­deten Anwalt und Mentor in ihre heutige Kanzlei ein. Bunte Stühle und Möbel setzten Farbak­zente in den schlichten Räumlich­keiten. In Nobels Büro hängt ein abstraktes Gemälde des Künstlers Mark Rothko, das farblich zum Bücherbord passt. Eine Rechts­an­walts-, eine Notar­fachan­ge­stellte und eine Kraft für die Buchhaltung unterstützen die beiden. Mit ihren gerade mal 37 Jahren hat Ruth Nobel eine Blitz­kar­riere hingelegt. Gefühlt, sagt sie, war das eine Ewigkeit.

Heute profi­tiert sie von ihrer Doppel­funktion als neutrale Notarin und partei­ische Anwältin. Als Notarin hat sie in Bochum fast ein Monopol, weil sie eine von nur zweien in der Stadt ist. Als Rechtsanwältin ist sie erfolg­reich, weil sie früh genetz­werkt hat. „Ich bekomme noch heute Mandate aus einer Kanzlei für Sozial­recht, für die ich als Studentin gejobbt habe“, sagt sie. Aber den größten Teil ihrer Aufträge verdankt sie der Abwicklung einer Anwalts­kanzlei im Alter von nur 29 Jahren. Von etwa 800 Mandaten, die es damals abzuwi­ckeln galt, hat sie 85 Prozent mit in die eigene Kanzlei genommen.

Ihr Erfolgs­ge­heimnis ist eine Kombi­nation aus Fleiß, Ehrgeiz und Willensstärke. Viel wichtiger als all das ist es aber, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, sagt sie. 2011 zum Beispiel, als die Rechts­an­walts­kammer ihr ein Abwick­lungs-mandat in Bochum vermit­telte. Ein Anwalt ist krank­heits­be­dingt nicht mehr in der Lage, seine Kanzlei für Sozial­recht fortzuführen. Er schafft es nicht, die vielen Mandate abzuwi­ckeln. Ruth Nobel ist damals 29, noch Existenzgründerin und bekommt auf einen Schlag die Möglichkeit, seine gut laufenden Geschäfte zu übernehmen. „Das war meine Chance“, erinnert sie sich. „Aber hätte ich gewusst, was da auf mich zukommt, hätte ich dankend abgelehnt“. Die Kanzlei findet die ordnungs­lie­bende Anwältin in einem chaoti­schen Zustand. Sie muss 800 Mandate abwickeln. Sieben Tage die Woche kämpft sie sich durch Akten und Schriftsätze – nebenbei arbeitet sie noch Fälle für ihre eigene Kanzlei ab. „Mein Schlaf war in dieser Zeit nicht gerade erholsam“, erinnert sie sich. Familie, Freunde und Bekannte gewöhnen sich daran, dass sie nur noch zu den nötigsten Festen erscheint.


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