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Ohne geht es nicht

„Anwälte sollten sich grundsätzlich mehr Gedanken über Personalführung machen“, sagt Kilian. Das habe schließlich auch ganz handfeste ökonomische Impli­ka­tionen. Ist das Klima in der Kanzlei schlecht, sind Renos deutlich wechsel­wil­liger und verlassen schneller die Kanzlei, die Fehltage steigen. Es geht auch darum, die Renos in der Kanzlei zu halten. Denn die Konkurrenz mit Versi­che­rungen, Banken oder Inkasso-Unter­nehmen, aber auch der Justiz, ist stark. „Im Durch­schnitt sind die Renos in der Kanzlei deutlich jünger als die anderen Mitar­beiter. Das spricht dafür, dass sie häufig schon sehr früh die Kanzlei wieder verlassen“, sagt Kilian.

Es scheint, als müsse unter anderem bei den Rahmen­be­din­gungen angesetzt werden, unter denen die Renos und Refas arbeiten, um den Beruf attrak­tiver zu machen. „Schulabgänger stellen sich bei der Berufswahl drei Fragen: Ist der Beruf schick, hat er ein gutes Ansehen? Ist der Verdienst gut? Was kann ich später damit machen?“ meint Dr. Christoph Möllers, Rechts­anwalt bei der SNP Schlawien Partner­schaft mbB und Mitglied im Ausschuss Berufs­bildung der BRAK. Bei diesen Punkten liege der Beruf gegenüber anderen Ausbil­dungs­be­rufen im Hinter­treffen.

Das Image sei recht verstaubt, das Ausbil­dungs­gehalt tradi­tionell sehr niedrig. Noch vor wenigen Jahren gab es in manchen Kammer­be­zirken gerade mal 280 Euro im ersten Lehrjahr. Und lange galt die Ausbildung als beruf­liche Sackgasse. „Langsam setzt aller­dings ein Paradig­men­wechsel ein“, sagt Möllers. Zuerst einmal sei das Ausbil­dungs­gehalt besser geworden, im Durch­schnitt liegt es heute im ersten Lehrjahr bei zwischen 500 und 800 Euro. Zudem sei die Reno- oder Refa-Ausbildung gerade auch nach der Novel­lierung der Ausbil­dungs­ver­ordnung 2015 eine gute Grundlage, sich auch in anderen Branchen weiter zu entwi­ckeln. „Das muss nur besser darge­stellt werden“, sagt Möllers.

Weniger, aber besser ausge­bildete Renos nötig

Die geringen Ausbil­dungs­zahlen sind nur die eine Seite der Medaille. Nicht jeder Rechts­anwalt findet bei Renos und Refas die Quali­fi­ka­tionen, die er wirklich benötigt. Nach Angaben des Soldan-Instituts macht die foren­sische Arbeit bei Rechtsanwälten im Durch­schnitt nur noch rund ein Viertel der Arbeitszeit aus. Über den Rest der Zeit wird außergerichtlich gearbeitet. Damit sind Kompe­tenzen wie Kosten­recht und Zwangs­voll­stre­ckung weniger gefragt. Das führt dazu, dass sich 38 Prozent der Rechtsanwälte sogar vorstellen können, mit anders ausge­bil­deten oder sogar ungelernten Personen zusam­men­zu­ar­beiten. Aller­dings beschäftigen nur rund acht Prozent der Rechtsanwälte ausschließlich fachfremde Personen. In den meisten Kanzleien dominiert eine Mischung aus Fachper­sonal und anderem Personal.

Die Kritik an den Ausbil­dungs­in­halten ist nicht neu. Im August 2015 ist die Re-NoPat-Ausbil­dungs­ver­ordnung refor­miert worden, um den neuen Anfor­de­rungen im Kanzlei­alltag gerecht zu werden. Verstärkt wurde der Aspekt der Mandan­ten­be­treuung und etwa des elektro­ni­schen Rechts­ver­kehrs. Der Versuch, ein neues Berufsfeld des Legal Assistant zu etablieren, der vor allem den Anfor­de­rungen von Großkanzleien entge­gen­kommt, also weniger RVG und mehr Due Dilli­gence und M&A, verlief aller­dings im Sande.

Legal Assistants oder auch Paralegals haben in den USA oder auch in der Schweiz in der Regel ein abgeschlos­senes Bachelor-Studium. Sie betreiben juris­tische Recherche, entwerfen Dokumente und sichten Akten. Dies sind Tätigkeiten, die heute in Kanzleien zum Beispiel von Wirtschafts­ju­risten übernommen werden. Tatsächlich zeigt sich, dass sich gerade in den größeren Kanzleien die Berufe immer weiter auffächern. Von Reno und Refa über den Rechts­fachwirt bis hin zu Wirtschafts­ju­risten mit Bachelor. Gerade für kleine und mittlere Kanzleien bietet sich aller­dings immer noch die Reno oder die Refa als Haupt­fach­kraft an.


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