Verschlüsselte Kommu­ni­kation

Vom Ende her gedacht

Ab 2018 gibt es die Nutzungs­pflicht für das beA: Kanzleien sollten jetzt überlegen, wie sie verschlüsselt auch mit Mandanten kommu­ni­zieren. Wie kann auch hier das Anwalts­ge­heimnis besser geschützt werden? Dafür gibt es sogar recht simple Wege.

In Zeiten von NSA und Edward Snowden denken immer mehr Mandanten darüber nach, wie ihre Kommu­ni­kation im Netz abgesi­chert werden kann. Anwältinnen und Anwälten stehen hier verschiedene Systeme zur Verfügung. Auch das beA bietet Möglich­keiten, die jetzt erst vielen klar werden.

„Der Schutz der Mandan­ten­daten gehört ja zum Arbeits­auftrag eines Rechts­an­walts“, sagt Sven Adam. Er ist Rechts­anwalt mit den Schwer­punkten Sozial- und Straf­recht in Göttingen. „Doch E-Mails sind einfach unglaublich leicht mitzu­lesen. Das können sogar Privat­per­sonen. Ich versuche deshalb, meine Mandanten dafür zu sensi­bi­li­sieren, Verschlüsselungs­technik zu nutzen.“ Das klappt natürlich nicht bei allen. Ältere Mandanten, die der Rechts­anwalt zum Beispiel in sozial­recht­lichen Fragen vertritt, haben manchmal nicht einmal eine E-Mail-Adresse. Studen­tische Mandanten sind da schon etwas techni­kaf­finer. Insgesamt ist bei Rechts­anwalt Adam etwa ein Viertel der E-Mail-Kommu­ni­kation verschlüsselt.

Sicherheit bei der Kommu­ni­kation wird von immer mehr Mandanten einge­fordert. Gerade Unter­nehmen haben eine zuneh­mende Sensi­bilität entwi­ckelt, was den Umgang mit Daten und Dokumenten betrifft. Aber auch Privat­per­sonen sehen die Themen Daten­si­cherheit und Privatsphäre mit anderen Augen. Dennoch wird Verschlüsselungs­technik bei der digitalen Kommu­ni­kation in der Beziehung von Rechtsanwälten und Mandanten immer noch nicht so genutzt, wie es eigentlich zu erwarten wäre. Rechtsanwälte wie Sven Adam sind immer noch eine deutliche Minderheit.

Die Verschlüsselung sei noch nicht im Arbeit­salltag der Rechtsanwälte angekommen, sagt Sebastian Reiling, der in der DAV-Geschäftsführung das Thema beA betreut. Viele Rechtsanwälte weisen gegenüber ihren Mandanten auf die Risiken der E-Mail-Kommu­ni­kation hin. Wenn dennoch ein Austausch per E-Mail erfolgen soll, lassen sie sich dieses vom Mandanten bestätigen. Es ist weitver­brei­tetes Modell.

Mit dem Mandanten verschlüsselt über das beA kommunizieren

Das besondere elektro­nische Anwalts­postfach (beA) könnte einen neuen Impuls setzen, doch noch einmal über verschlüsselte Kommu­ni­kation nachzu­denken. Denn das beA hat einen wichtigen Vorteil: Jeder Anwalt ist mit der Zulassung regis­triert und muss das System ab 2018 ohnehin nutzen. Nachrichten sind im beA Ende-zu-Ende verschlüsselt. Wer die Nachrichten unterwegs abfangen würde, hätte nur unleser­lichen Daten­salat. Die Verbindung ist also sehr sicher. Kommu­ni­kation ist zwischen Rechtsanwälten und mit Gerichten und Behörden möglich, die ins System einge­bunden sind. Die Mandan­ten­kom­mu­ni­kation stand beim beA bis heute nicht an erster Stelle. Doch tatsächlich ist es möglich, über das System mit Mandanten Nachrichten auszut­au­schen, wenn diese ein EGVP-Bürgerpostfach einrichten. Dafür muss der Mandant einen Client instal­lieren, also ein separates E-Mail-Programm. Bis 2017 ist das der EGVP-Classic-Client. Schon heute können aber auch Dritt­pro­dukte wie das kostenlose Programm „Gover­nikus Commu­ni­cator Justiz Edition“ genutzt werden. Vom Prinzip her wäre das eine Lösung aus einem Guss.

Und: Dieser Kommu­ni­ka­ti­ons­kanal ist auf jeden Fall sicherer als die gewöhnliche Mail, also eine echte Option für die Anwalt­spraxis. Doch die Grenzen sollten Kanzleien kennen, sagt Sebastian Reiling aus der DAV-Geschäftsführung: „Grundsätzlich wäre das für beide Seiten ein einfacher und sicherer Kommu­ni­ka­ti­ons­kanal. Aller­dings krankt die Durchführung an einem Defizit: Jeder Bürger kann sich ohne Prüfung seiner Identität ein eigenes Postfach einrichten und ein eigenes Zerti­fikat erzeugen.“ Bei allen anderen Teilnehmern am elektro­ni­schen Rechts­verkehr wird die Identität garan­tiert. Weil darüber typischer­weise recht­liche relevante Kommu­ni­kation statt­findet, sei das auch sinnvoll, sagt Sebastian Reiling. In Sachen Identität ist das EGVP-Bürgerpostfach also nicht besser als eine Mail-Adresse. Das sollten Anwältinnen und Anwälte wissen.


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