Legal Tech

Wie Kanzleien und der DAV Legal Tech heute nutzen

Baum-Gebilde

Alle reden von Legal Tech, manche probieren die neuen Möglich­keiten aus. Dazu gehören Kanzleien, aber auch der DAV. Wie das Wissen heute, morgen neu aufbe­reitet sein wird.

Von etablierten Juristen entwi­ckelte Softwa­re­pro­dukte sind längst auf dem Markt. Großkanzleien, aber auch Unter­nehmen oder juris­tische Verbände arbeiten seit Jahren intern an softwa­re­ba­sierten Produkten und stellen Ihren Mandanten und Kollegen die ersten Ergeb­nisse zur Verfügung. Ein Trend der Großen? Mitnichten: Ein Blick in die Entwick­lungs­pro­zesse aktueller Legal Tech-Angebote zeigt, dass auch mittelständische Kanzleien sich hier etwas abgucken können - und in Zukunft wohl auch müssen. Eine struk­tu­rierte und lösungs­ori­en­tierte Heran­ge­hens­weise ist hier der Schlüssel.

Bei der internen Entwicklung können verschiedene Aspekte im Fokus stehen: Etwa die Optimierung eigener Arbeitspro­zesse, die Erwei­terung des Produkt­spek­trums oder das gezielte Erreichen der eigenen Zielgruppe. Das Tool zur Fremd­per­so­nal­ein­satzprüfung von CMS, die angelernte Review-Software von Fresh­fields oder das Anwalts­blatt-Honor­artool des Deutschen Anwalt­vereins zeigen beispielhaft, was bei Planung und Umsetzung eines internen Legal Tech-Projektes wichtig und möglich ist.

Selbst­op­ti­mierung durch Legal Tech

Großkanzleien stehen oft vor der Heraus­for­derung, besonders kurzfristig und flexibel auf die Bedürfnisse ihrer Mandanten eingehen zu müssen. Ohne den Einsatz von Techno­logien ließe sich diesem Anspruch bei umfang­reichen Mandaten kaum noch gerecht werden. „Innovative neue Techno­logien tragen dazu bei, dass wir in vielen Bereichen unserer Arbeit Effizienz, Genau­igkeit und Geschwin­digkeit weiter erhöhen können“, sagt Laura Knoke (Associate bei Fresh­fields Bruckhaus Deringer) dem Anwalts­blatt.

Zur schnel­leren Mandats­be­ar­beitung nutzt und trainiert die Kanzlei die Software „Kira“, welche wesent­liche Infor­ma­tionen aus maschi­nen­les­baren Datensätzen wie etwa Verträgen, E-Mails und Klage­schriften heraus­lesen kann. So können im Ergebnis beispiels­weise kritische Klauseln in Tabel­lenform ausge­geben werden. Um die gewünschten Infor­ma­tionen im einzelnen Mandat zu erhalten, muss die Software jedoch mit relevanten Daten­bei­spielen „angelernt“ werden. „In der Planung ist insbe­sondere die Zeit zu beachten, die das Antrai­nieren eines Tools auf indivi­duelle Bedürfnisse benötigt, ohne dass in dieser Zeit schon Ergeb­nisse geliefert werden können“, erläutert Knoke.

Wichtig seien auch passende Schnitt­stellen, die die Weiter­ver­ar­beitung der Ergeb­nisse ermöglichten. Denn auch schon die Ausgabe konso­li­dierter Ergeb­nisse spare Zeit im weiteren Prozess. Besonders bei umfang­reichen Prüfungen ergebe sich laut Knoke ein weiterer Vorteil: „Dadurch, dass wir zu jedem gegebenen Zeitpunkt Zwischen­er­geb­nisse generieren, ist der Prüfungs­prozess sehr effizient steuerbar und wir erkennen noch schneller, wenn es irgendwo hakt.“

Aber auch für kleinere Kanzleien und weniger umfang­reiche Mandate kann angelernte Software helfen, wichtige Infor­ma­tionen aus Datensätzen zu filtern und Inkon­sis­tenzen aufzu­zeigen.  Die Voraus­set­zungen, um das Potential von Legal Tech auszuschöpfen, dürften sich von denen einer Großkanzlei zumindest nicht unter­scheiden: „Man braucht den Mut zum Auspro­bieren und die Bereit­schaft, sich mit den bereits einge­setzten Softwarelösungen zu beschäftigen.“

Die Prüfung in Mandan­tenhand geben

Eine Effizienzsteigerung ist aber auch durch Produkte möglich, die den Mandanten direkt an die Hand gegeben werden. CMS Hasche Siegle bietet das IT-basierte Tool FPE (Fremdpersonaleinsatz) zur Einzelfallprüfung an. Dieses führt den Mandanten durch eine Datenabfrage und liefert eine Einschätzung, ob Aufträge des Mandanten als Werk- oder Dienstvertrag vergeben werden können. Der Mandant kann die Prüfung mit dem Tool selbst vornehmen und in uneindeutigen Fällen die Kanzlei konsultieren.


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