Anwaltsethik

Seit 2012 eine Frage pro Monat: Was meinen die Leser­innen und Leser?

Leserzuschriften auf die Ethikfragen eine Zwischenbilanz nach fünf Jahren

Die Frage nach dem ethisch richtigen Anwaltshandeln stellt sich im Alltag: bei der Akquise, im Mandat oder im Kanzleimanagement. Eine konkrete Frage hat der Ausschuss Anwaltsethik und Anwaltskultur seit fünf Jahren monatlich in jedem Anwaltsblatt gestellt. Die Antworten auf die Ethikfragen der vergangen Monate fasst Ausschussmitglied Ingeborg Rakete-Dombek zusammen (in Anschluss an Streck, AnwBl 2013, 900).

Bis heute besteht keine Einigkeit darüber, ob eine „Verschrift­li­chung“ eines Ethik - kodex gewünscht ist, oder nicht. Jeden­falls ist eine Kodifi­zierung bisher nicht erfolgt. „Ethische Werte sollten in der Kinder­stube gelernt und dann … gelebt werden.“ meint Rechtsanwältin Dr. Daniela Range-Ditz (Rastatt), einer umfang­reichen Regulierung bedürfe es daher nicht. Dennoch kann und muss man über anwalt­liche Berufs­ethik sprechen. Deshalb disku­tiert der Ausschuss Anwalt­sethik und Anwalts­kultur mit den Leser­innen und Lesern des Anwalts­blattes. In jeder Ausgabe schildern wir Fälle, die zu dieser Diskussion anregen sollen. Regelmäßig erhalten wir Leser­zu­schriften. „Schön, dass es Sie gibt!“ sagt uns Rechts­anwalt Dr. Hans-Eckhard Tribess (Lübeck), der es für wünschenswert hält, wenn Kolle­ginnen und Kollegen im Anwalts­blatt auch auf unsere Fragen zur Ethik stoßen. Das ermuntert uns. Die Diskus­si­ons­freude könnte zwar noch zunehmen, immerhin bleibt aber keiner der dort geschil­derten Fälle ohne jede Reaktion.

Ethik – Leserinnen und Leser zeigen Selbstbewusstsein

Auffällig an der Diskussion ist, dass – obwohl es keine einheit­liche oder genaue Definition von Ethik gibt – dennoch von den Lesern voraus­ge­setzt wird, dass es sie gibt und gleich­zeitig jeder der Leser­brief­schreiber genau weiß, worum es sich dabei handelt. Obwohl „Ethik“ eine Disziplin der Philo­sophie ist, die moralische Prinzipien, Werte, Tugenden etc. unter­sucht und oft auch formu­liert und begründet, gehen die Stellung­nahmen der Leser­zu­schriften von festen Regeln aus, die teilweise auch berufs­rechtlich begründet werden. Eigentlich geht es aber „nur“ um Moral. Moral bezeichnet zunächst faktische Handlungs­muster, Konven­tionen, Regeln oder Prinzipien bestimmter Individuen oder Gruppen. Daneben hat das Wort „Moral“ aber auch einen bewer­tenden Charakter, wenn man zum Beispiel Moral und Unmoral unter­scheidet.

Moral für Anwälte oder Anwalts­moral ist daher tatsächlich eine Handlungs­re­gelung, die für die Anwalt­schaft leitend ist oder das Verhalten der Anwalt­schaft bewerten kann. Das sehen auch die Zuschriften durchaus richtig. Klarzu­stellen ist, dass unter der anwalt­lichen Berufs­ethik bezie­hungs­weise Anwalts­moral, wie sie auch von unseren Lesern und Leser­innen disku­tiert wird, eine Verhal­tens­re­gelung oder Verhal­tens­emp­fehlung verstanden wird, die unterhalb der Schwelle des Rechts liegt. Derartige Verhal­tens­regeln unterhalb des Rechts haben wir viele. Wir kennen Takt, Sitte, Anstand, alles Regelungen, die unser Verhalten in unserer Gesell­schaft in gewisser Weise regeln, ohne dass ein Verstoß gegen diese Regeln vom Staat sanktio­niert würde. Mit den Fällen, die wir veröffent­lichen, soll genau dieses Handeln unterhalb der Schwelle einer Rüge oder Strafe zur Diskussion gestellt werden.

Dieses – anwalt­liche – Verhalten wollen wir in der Diskussion halten. Oft hört man von Kolle­ginnen oder Kollegen pauschale Urteile, wie, dass die jungen Anwälte keinerlei Benehmen mehr hätten, unkol­legial und zum Teil auch frech und unverschämt seien oder „immer wieder während der Verhandlung den Blick auf ihr Smart­phone richten“ (Rechts­anwalt Dr. Hans-Eckhard Tribess, Lübeck). Ebenso gibt es aber auch Kritik an Richtern, die sich unange­messen gegenüber Anwälten verhalten oder herab­set­zende Äußerungen der Gegen­seite im Termin nicht unter­binden.


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