Anwaltsethik

Seit 2012 eine Frage pro Monat: Was meinen die Leser­innen und Leser?

Wie drückt sich aber anwalt­liches Ethos in der alltäglichen Arbeit tatsächlich aus? Was ist es also, was ein seriöser, anständiger Anwalt tut und was er nicht tut. Wir bleiben mit unseren Fällen und Beispielen ausschließlich beim beruf­lichen Tun, eine Unanständigkeit im privaten Bereich inter­es­siert dabei weniger, obwohl sie durchaus Auswir­kungen auf den beruf­lichen Ruf des Einzelnen haben kann, wie die Reaktion der Öffent­lichkeit auf das (private) Handeln des vorletzten Bundespräsidenten gezeigt hat.

Die Zuschriften der Leser zeigen ein erfreulich großes Selbst­be­wusstsein, sogar eine erheb­liche Selbst­si­cherheit bei der Beant­wortung unserer gestellten Fragen. Ob die Antworten richtig oder falsch sind, ist dabei nicht unser Kriterium, weil es kein geschrie­benes Recht gibt, gegen das verstoßen werden könnte. Tatsächlich versuchen aber viele, die Fragen zunächst rechtlich zu lösen, was gelegentlich ebenso hilfreich sein kann, beispiels­weise bei der Frage nach einer Zeugen­be­ein­flussung der Hinweis auf die Straf­barkeit wegen einer Anstiftung zur Falschaussage.

Rechtsanwalt Ernst Josef Lutz, Miesbach

Zuverlässiger sozialer Kompass: „Das tut man nicht!“

Wer Sinn für den Anwalts­beruf hat, vermeidet hoffentlich Situa­tionen, die ihn in einen – völlig unnötigen – Konflikt mit seiner beruf­lichen Umwelt bringen. Der Einzelne muss den Grad seiner Empfind­lichkeit in der von ethischen Regeln freien Umgebung zunächst mit sich selbst ausmachen. Er muss diese eigenen Grenzen seiner beruf­lichen Freiheit jeden Tag mit sich selbst neu aushandeln. Offenbar liefert die beruf­liche Umgebung aber durchaus auch einen zuverlässigen sozialen Kompass für das, was geht – und für das, was nicht geht. Der alte Spruch: „Das tut man nicht!“, den jeder von uns aus seiner Kindheit kennt, taucht in Varianten häufig auf. Oder auch: „Das geht gar nicht.“ (Rechts­anwalt Andreas Schie­ferbein, Ingol­stadt). Aller­dings äußert der Kollege Ludwig Zimmermann (Potsdam) folgende Bedenken: „Ethik können sich meines Erachtens nur Rechtsanwälte leisten, die über einen guten und vor allem solventen Mandan­ten­stamm verfügen und sich auch hier ein wenig Luxus leisten können.“ Tatsächlich? Ist das so? Die Leser­briefe zeigen aber durchaus, dass die Auffassung, notfalls ein Mandat nieder zu legen oder gar nicht erst anzunehmen, wenn „Unsitt­liches“ an uns heran­ge­tragen wird, durchaus häufig die „Notbremse“ ist, bevor man sich zu einem unethi­schen Verhalten drängen lässt. Eine Anwalt­schaft, die sich ihrer Werte sicher ist, hat weniger Zweifel an ihrem beruflich-ethischen Handeln. Sie hätte sich über ihre Normen und Konven­tionen ausrei­chend verständigt. Sie kann deshalb auch selbst­sicher sein. Wandeln wird sie sich innerhalb dieser morali­schen Normen aber dennoch. Wir werden diesen Prozess weiterhin durch unsere Rubrik „Anwälte fragen nach Ethik“ begleiten und hoffen auf viele weitere – selbst­si­chere – Antworten.

Rechtsanwältin und Notarin Ingeborg Rakete-Dombek, Berlin

Anwaltsgebühren

Viele versuchen die Fragen, zunächst rechtlich zu lösen. Das kann hilfreich sein, so bei der Frage nach einem überdeut­lichen „Gebührenin­teresse“ des Anwalts: Es handele sich um „kein Ethik­problem. Wir haben unsere Mandanten vor Schaden zu bewahren. Selbst­verständlich sind unnötige Anwalts­kosten ein Schaden.“ (Rechtsanwältin Gudrun Stuth, Berlin). Jedes Verhalten „welches ausschließlich von Gebührenin­ter­essen motiviert ist, ist nicht zu billigen.“

Rechtsanwalt Andreas Liebers, Heidelberg

Strafverfahren

Die Antworten offen­baren besonders auf dem Gebiet der straf­recht­lichen Tätigkeit, dass der Anwalt die Verfah­rens­rechte im Interesse seines Mandanten offensiv nutzen soll, auch wenn dies anderen nicht gefallen sollte. Man müsse sich eben auch unbeliebt machen können. Das gehöre nun einmal dazu.


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