Fachanwalt für Opfer­rechte

Es ist höchste Zeit, um die Lücke zu schließen

Nach dem Anschlag vom Berliner Breit­scheidt­platz stellte sich erneut die Frage, wie unser Rechts­system mit Opfern von Gewalt­taten umgeht. Der Fachanwalt für Opfer­rechte wäre eine Antwort.

Als sich Ende 2017 der Anschlag vom Berliner Breit­scheidt­platz jährte, stand wieder einmal die Frage im Fokus, wie unser Rechts­system mit Opfern von Gewalt­taten umgeht. Opfer und Angehörige des Anschlages schrieben in einem offenen Brief eindringlich von ihrer Ohnmacht, sich in einer physi­schen und psychi­schen Ausnah­me­si­tuation existen­zi­ellen Fragen stellen zu müssen und mit kaum durch­schau­baren Anspruchs­grund­lagen unter­schied­lichster Entschädigungs­quellen allein gelassen zu werden. Ändern muss sich hier zweierlei: Die recht­lichen Entschädigungs­regeln, aber natürlich auch die recht­liche Betreuung von Opfern.

 

Kein Opfer will vier Spezialisten aufsuchen und jedes Mal erneut das Erlebte schildern (müssen).

 

Die Anwalt­schaft stünde bereit, hier noch besser und vor allem wahrnehm­barer ihren Teil beizu­tragen. Sie braucht dafür aber eines: Den Fachanwalt für Opfer­rechte. Seine Einführung wird nicht nur innerhalb der Anwalt­schaft gefordert. Auch die Geschädigten und die Opfer­hilfs­or­ga­ni­sa­tionen formu­lieren den Bedarf an spezia­li­sierter anwalt­licher Leistung. Die Politik, in Gestalt der Justiz­mi­nis­ter­kon­ferenz, hat die Schaffung eines Fachan­walts für Opfer­rechte ebenfalls lange schon dringend empfohlen. Man braucht kein Prophet zu sein, um zu wissen, was passiert, wenn die Anwalt­schaft weiter untätig bleibt: Die Bedarfslücke wird früher oder später von anderen Berufen geschlossen werden. Alles spricht daher für eine neue Fachan­walt­schaft. Überle­gungen, ein solcher Schritt führe zu einem Konflikt mit beste­henden Fachan­walt­schaften, sind unbegründet. Denn bei einer Opfer­ver­tretung sind typischer Weise lediglich Teil- und Nischen­be­reiche anderer Rechts­ge­biete betroffen: Aus dem Sozial­recht das Opferentschädigungs­recht, aus dem Famili­en­recht das Gewalt­schutz­ver­fahren, aus dem Straf­recht die Neben­kla­ge­ver­tretung und darüber hinaus das Adhäsions­ver­fahren.

Kein Opfer will aber vier Spezia­listen aufsuchen und zudem jedes Mal erneut das Erlebte schildern (müssen). Es will und braucht die fachan­walt­liche Begleitung aus einer Hand. Und diese gibt es bislang nicht. Oder kennen Sie als Fachanwalt für Famili­en­recht oder Straf­recht die facet­ten­reiche Recht­spre­chung des Bundes­so­zi­al­ge­richts zu den mitunter höchst strit­tigen Fragen des Opferentschädigungs­ge­setzes? Oder sind Sie als Fachanwältin für Sozial­recht in der Lage, als versierte Nebenklägerver­tre­terin aufzu­treten? Ein Fachanwalt für Opfer­rechte würde es Kolle­ginnen und Kollegen ermöglichen, ein solches Spezi­al­wissen und -können im Markt zu zeigen. Mit der Bündelung verschie­dener Ansprüche bei einem Lebens­sach­verhalt wird die Bearbeitung der Teilbe­reiche wirtschaft­licher und das Vorhalten und der Ausbau von Spezi­al­wissen belohnt. Alle profi­tieren: Die Anwalt­schaft und nicht zuletzt die Mandanten. Es ist höchste Zeit, die Lücke zu schließen. Sonst werden es andere tun.

 


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