Anwältinnen für ihren Einsatz geehrt – wir schauen nicht weg!

Der Maria-Otto-Preis wird seit 2010 an Rechtsanwältinnen verliehen, die sich in Beruf, Justiz, Politik und Gesellschaft besonders ausgezeichnet haben.

Mit dem Maria-Otto-Preis ehrt der DAV seit dem Jahr 2010 Anwältinnen, die sich in besonderem Maße in Beruf, Justiz, Politik und Gesellschaft verdient gemacht haben und eine besondere Vorbildfunktion für Anwältinnen und Anwälte innehaben. Im April 2016 hat der DAV diesen Preis zum fünften Mal feierlich verliehen und zwei Anwältinnen ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise für ihre Mandanten engagieren.

Benannt ist der Anwältinnenpreis der Deutschen Anwaltschaft nach Rechtsanwältin Dr. Maria Otto. Sie wurde nach ihrem langen hartnäckigem Betreiben 1922 durch das Bayerische Staatsministerium der Justiz als erste deutsche Anwältin in München zugelassen und praktizierte bis 1977 (siehe zu ihrem Werdegang: Ramge, AnwBl 2010, 315). Auch in diesem Jahr kamen zur Preisverleihung in der Mendelssohn-Remise am Gendarmenmarkt in Berlin zahlreiche Gäste aus Anwaltschaft, Politik und Gesellschaft.

Die Preisträgerinnen

Der DAV hat den Preis in diesem Jahr an die Rechtsanwältinnen Regina Götz und Undine Weyers verliehen. Sie sind Fachanwältinnen für Straf­recht und arbeiten gemeinsam in einer Berliner Sozietät. Die Preisträgerinnen unterstützen insbe­sondere Opfer politisch motivierter, rechts­ex­tre­mis­ti­scher Gewalt­taten sowie Opfer von Sexual­de­likten. Anlass für ihre Arbeit in diesen Gebieten sind Mandate, die sie bereits in ihren ersten Berufs­jahren stark geprägt und ihnen gezeigt haben, dass gerade hier Handeln und nicht Wegsehen angebracht ist. Götz vertrat zu Beispiel im Fall der sog. „Hetzjagd in Guben“ im Jahr 1999 die Verwandte des Opfers als Nebenklägerin. Beide Preisträgerinnen engagieren sich zudem für die Stärkung der Rechte misshan­delter Frauen in der Berliner Initiative gegen häusliche Gewalt (BIG e. V.).

In den vergan­genen Jahren wandten sich die beiden Anwältinnen mit zahlreichen Fällen aus ihrer beruf­lichen Praxis an die im Jahre 2001 gegründete DAV-Stiftung Contra Rechts­ex­tre­mismus.

In den Fällen ging es überwiegend um Taten, in denen Menschen allein wegen ihrer Herkunft Opfer geworden sind. Die Stiftung übernimmt die Kosten für die Rechts­be­ratung und Rechts­ver­tretung von Opfern politisch motivieter Straf­taten, sofern diese bedrüftig sind. Seit ihrer Gründung konnte die durch Spenden und Zuweisung von Geldauf­lagen in Straf­ver­fahren finan­zierte Stiftung bereits in über 400 Fällen unterstützen.

 

 


Harte Realität statt Elfenbeinturm

Diesen Einsatz ehrte der DAV nun mit dem Maria-Otto-Preis. In seiner Laudatio würdigte DAV-Präsident Ulrich Schel­lenberg den „mutigen und coura­gierten Einsatz auf einem Gebiet, welches nicht der juris­tische Elfen­beinturm ist, sondern die harte Realität wider­spiegelt.“ Es sei ihm ein beson­deres Anliegen, die Anwalts­kol­le­ginnen für ihr „heraus­ra­gendes Engagement“ gerade in einer Zeit zu ehren, in welcher der deutsche freiheit­liche Rechts­staat vor einer großen Heraus­for­derung stehe. Der Deutsche Anwalt­verein sehe es als gesamt­ge­sell­schaft­liche Aufgabe an, mit aller Entschlos­senheit gegen politisch motivierte Straf­taten vorzu­gehen. Er stehe für Toleranz und Achtung der Menschenwürde. Auch der DAV werde weiterhin entschlossen gegen Rassismus vorgehen. Auch er schaue nicht weg!

In ihrer Dankesrede haben die Anwältinnen eindrucksvoll aus ihrem beruf­lichen Alltag als Straf­ver­tei­di­ge­rinnen und Neben­kla­ge­ver­tre­te­rinnen von Opfern rechts­ex­tre­mis­ti­scher Gewalt und über die prakti­schen Probleme der Straf­barkeit sexueller Übergriffe auf Frauen berichtet. Damit wurde ein Bereich der anwalt­lichen Tätigkeit beleuchtet, der selten im Rampen­licht steht. Die Anwältinnen werden ihre Arbeit fortsetzen.

 


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