Deutscher Anwalt­verein

Edith Kindermann neue Präsidentin des Deutschen Anwalt­vereins

Der Deutsche Anwaltverein wird erstmals von einer Anwältin geführt: Der DAV-Vorstand wählte Rechtsanwältin und Notarin Edith Kindermann am 21. März 2019 zur Präsidentin.

In der außerordentlichen Vorstandssitzung am 21. März 2019 setzte sie sich gegen Rechtsanwältin und Notarin Dr. Claudia Seibel durch. Kindermann folgt damit Rechtsanwalt und Notar Ulrich Schellenberg, der das Amt nach fast vier Jahren zum 1. März 2019 niedergelegt hatte (siehe Anwaltsblatt-Meldung). Der DAV-Vorstand wählte auch ein neues Präsidium: Neu in das Präsidium wurden aus dem Vorstand Rechtsanwältin Dr. Vanessa Pickenpack und Rechtsanwalt Martin Schafhausen gewählt. Im Amt bestätigt wurden Dr. Claudia Seibel, Rechtsanwältin Pia Eckertz-Tybussek, Rechtsanwalt Dr. Friedwald Lübbert und Rechtsanwalt und Notar Herbert P. Schons. Außerdem gehören dem Präsidium nach der Satzung die ehemaligen Präsidenten Rechtsanwalt Prof. Dr. Wolfgang Ewer und Rechtsanwalt und Notar Ulrich Schellenberg an.

Rechts­rahmen für zuneh­mende Digita­li­sierung

Die neue Präsidentin Edith Kindermann hat das Amt mit der Wahl angetreten und sofort die Leitung der DAV-Vorstands­sitzung übernommen. In der Vorstel­lungs­runde im Vorstand nannte Kindermann als Schwer­punkte ihrer Präsident­schaft die kurzfristige RVG-Anpassung, die Umsetzung der notwen­digen Reform des anwalt­lichen Berufs­rechts und die Klärung des Rechts­rahmens für die zuneh­mende Digita­li­sierung. Ferner forderte sie, den Zugang zum Recht auch in der Fläche zu bewahren. Inner­ver­bandlich will sie den Austausch mit den Anwalt­ver­einen, den Landesverbände und den Auslands­ver­einen verstärken und sie in ihrer Arbeit vor Ort unterstützen, damit diese ihre Mitglieder besser in der täglichen Berufsausübung unterstützen können. Die Anwalts­no­tarin Edith Kindermann gehört dem DAV-Vorstand seit 2009 an und war seit 2011 DAV-Vizepräsidentin.

Edith Kindermann ist 56 Jahre alt und seit 1992 Rechtsanwältin. Sie absol­vierte von 1981 bis 1988 die einstufige Juris­ten­aus­bildung an der Universität Bielefeld und arbeitete vor dem Start in den Anwalts­beruf als wissen­schaft­liche Mitar­bei­terin am Lehrstuhl für Handels- und Steuer­recht sowie am Institut für Anwalts-und Notar­recht der Universität Bielefeld. 1999 wurde sie Fachanwältin für Famili­en­recht, seit 2007 ist sie auch Notarin. Neben dem Famili­en­recht liegen ihre Schwer­punkte im anwalt­lichen Haftungs-, Berufs- und Vergütungs­recht.

Ihr ehren­amt­liches Engagement begann im Vorstand des Bremi­schen Anwalts­vereins (Mitglied dort seit 1998). Sie ist unter anderem seit 2005 Vorsit­zende des DAV-Ausschusses RVG und Gerichts­kosten (der für das 2004 in Kraft getretene RVG einge­richtet wurde), seit 2011 Mitglied im Ausschuss Versi­che­rungs­recht, hat sich in vielen Arbeits­ge­mein­schaften im DAV engagiert, referiert regelmäßig auf Verbands­ver­an­staltung und hat stets für die Allge­meinanwälte ein offenes Ohr, die für die Aufrecht­er­haltung der Rechts­pflege in der Fläche so wichtig sind. Der Satzungs­ver­sammlung der Bundes­rechts­an­walts­kammer gehört sie seit 1999 an. Seit 2012 war Kindermann Heraus­ge­berin des Anwalts­blatts, als erste Anwältin in diesem Kreis.

Die Anwalt­schaft wird weiblicher

Die Geschichte des DAV seit 1871 ist vor allem eine Geschichte von Anwälten, umso bedeut­samer ist die erstmalige Wahl einer Anwältin in das Präsiden­tenamt. Die erste Rechtsanwältin wurde mit Maria Otto 1922 zugelassen. Mit der Auflösung und Gleich­schaltung des DAV 1933 in Folge der Naziherr­schaft wurde Frauen der Weg in die Anwalt­schaft nicht leichter gemacht. Die Zahl der Frauen in der Anwalt­schaft wuchs nach dem Krieg nur langsam. Inzwi­schen liegt der Anteil der Anwältinnen in der Anwalt­schaft bei 33,81 Prozent, in der Gruppe der Syndi­kus­rechtsanwältinnnen und -anwälte bei 54,69 Prozent (Stand 1. Januar 2018). Der Anteil der Frauen in den Anwalt­ver­einen liegt bei gut 30 Prozent (DAV-Tätigkeits­be­richt 2017/2018), in den Gremien des DAV inzwi­schen aber deutlich über 33 Prozent. Bei den Absol­ven­ten­zahlen des zweiten Staats­examen haben die Frauen inzwi­schen die Männer überholt: 56,4 Prozent waren 2016 Frauen. Bei den Studie­ren­den­zahlen im Fach Rechts­wis­sen­schaften lag 2017 der Anteil der Frauen bei 55,79 Prozent.

Die Meldung wurde am 21. März 2019 um 14.25 um die Ergebnisse der Wahlen zum neuen Präsidium des Deutschen Anwaltvereins ergänzt.


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