Jura-Slam 2018

Jura rockt – Doppelsieg beim Finale des „DAV Jura-Slams“

Finale des DAV Jura-Slam 2018 in legendären Kreuzberger SO36.

Wenn der Deutsche Anwaltverein eine Veranstaltung im legendären Kreuzberger Punk-Rock-Club SO36 macht, wirkt das zunächst wie eine gewagte Mischung: Traditionelles Anarcho-Parkett macht die Bühne frei für staubige, elitäre Materie? Weit gefehlt! Wie spannend, frisch und humorvoll rechtliche Themen sein können, bewies der juristische Nachwuchs bereits zum 3. Mal beim Finale des „DAV Jura-Slams“ eindrucksvoll.

Wer schon mal bei Science-, Musik- oder Poetry-Slams war, erkannte das übliche Prozedere: Alle Teilneh­menden haben jeweils 10 Minuten Zeit, um auf spannende, lustige oder kreative Weise ein Thema zu präsentieren, in diesem Fall ein juris­ti­sches. Am Ende entscheidet das Publikum – im SO36 rund 300 eher junge Menschen – durch mehr oder weniger starken Applaus, wer dabei am besten überzeugt und enter­taint hat.

 

Der „DAV Jura-Slam“ ist Spiel­wiese und Arena für den juris­ti­schen Nachwuchs – ob von der Uni, aus dem Referen­dariat oder aus der Anwalt­schaft (bei einer Altershöchstgrenze von 40 Jahren). Dieses Jahr kamen alle Final­beiträge aus dem Kreis der Studen­ten­schaft. Die Vorent­scheide waren im Sommer und Herbst in allen Ecken der Republik gefallen: Im Finale in der Haupt­stadt standen Franziska Höschen (Münster), Max Sabel (Bielefeld), Theodor Lammich (Freiburg), Henrik Wichmann (Hannover) und Hannes Monsees (Jena).

Von Poesie bis zum Märchen – vom Gutachtenstil bis zu den guten Sitten

Inhaltlich und stilis­tisch hätten die Beiträge unter­schied­licher kaum sein können:

  • Der erste Kandidat, Hannes aus Jena präsentierte einen Slam mit dem Titel „Von Kamelen, Prostituierten und den guten Sitten“. Er widmete sich unter anderem den Vorurteilen, die der Anwaltschaft entgegengebracht werden – bediente dabei jedoch selbst so viele, dass er einen eher schweren Start hatte.
     
  • Es folgte Theodor aus Freiburg, der in seiner Vorstellung die Wandlung vom Slammer zum Märchenonkel vollzog: So amüsant und juristisch war „Schneewittchen“ alias „Die schöne Schönfelder“ wohl noch nie, auch wenn man für den speziellen Humor das eine oder andere Semester Jura schon hinter sich gebracht haben sollte. Der Applaus ließ erahnen, dass hier ein deutlicher Favorit auf der Bühne stand. 

  • Der dritte Auftritt kam von Henrik aus Hannover. Unter dem Titel „Iudex non calculat“ zeigte er beispielhaft, dass man die Mathematik – egal wie verhasst – auch als Jurist einfach nicht loswird. 

  • Mit Franzi aus Münster stand danach die einzige Frau auf der Bühne. In Form eines klassischen Poetry Slams (mit beeindruckendem Double-Time-Part) brachte sie dem Publikum das leidliche Thema „Gutachtenstil“ am Beispiel eines klassischen Strafrechtsfalles nahe – und erntete für ihr Gesamtkunstwerk aus Inhalt und Vortragsstil ebenfalls großen Applaus.

  • Der letzte auf der geschichtsträchtigen Bühne des SO36 war Max aus Bielefeld. Auch er bediente sich poetisch-rappenden Stilelementen, um sein Thema zu präsentieren: die Mühen und das Leid des juristischen Studiums.
Haarscharfes Ergebnis sorgte für Verwirrung

Debat­tier­meister und Moderator Peter Croonen­broeck stand bei der Endab­stimmung plötzlich vor ungeahnten Heraus­for­de­rungen: Recht deutlich hatten sich Theodor aus Freiburg, Franzi aus Münster und Max aus Bielefeld als Top 3 heraus­kris­tal­li­siert. Nach einer weiteren Applaus-Runde, deren Lautstärke von der Bühne aus per Handy-App gemessen wurde, kürte er Franzi zur Gewin­nerin. Jedoch meldeten sich nach der Veran­staltung mehrere Zuschauer, um unabhängig vonein­ander Einspruch gegen das Ergebnis einzu­legen. Ihrem Eindruck zufolge wäre die Lautstärke des Applauses im mittleren und hinteren Saalbe­reich eher zugunsten des zunächst zweit­plat­zierten Theodor ausge­fallen.

Der Deutsche Anwalt­verein nahm sich die Kritik zu Herzen und entschied nachträglich auf Doppelsieg: Theodor und Franzi teilen sich somit verdien­termaßen den ersten Platz beim „DAV Jura-Slam“ 2018. Eine Fortsetzung des „DAV Jura-Slams“ ist für 2019 geplant. Er baut eine Brücke zwischen Anwältinnen und Anwälten zum Nachwuchs.

 


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