Verkehrsrecht

Reha-Management – wenn es richtig läuft, hilft es dem Anwalt

Rehadienste helfen Unfallopfern dabei, wieder zurück ins Leben zu finden. Bezahlt werden sie von den Versicherern. Damit trotz der wirtschaftlichen Abhängigkeit alles im Sinne des Geschädigten läuft, hat die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht im DAV ein System für die Anerkennung solcher Dienste entwickelt.

Wie geht es weiter? Das ist eine der wichtigsten Fragen, die Unfallopfer ihren Anwalt fragen. Natürlich ist es nicht die Aufgabe des Anwalts, dem Mandanten dabei zu helfen, dass er beruflich und sozial wieder am Leben teilnehmen kann. „Aber die Frage wird gestellt“, sagt Christian Janeczek, im Geschäftsführenden Ausschuss der AG Verkehrsrecht im DAV Ansprechpartner der Reha-Dienste. „Sie zu lösen, ist mit Zeit und Aufwand verbunden. Da ist es gut, dass es mit professionellen Reha-Diensten noch jemand anderen gibt, der Antworten geben kann.“

Rehadienstleister werden von der Versicherung des Schädigers bezahlt, um dafür zu sorgen, dass die Rehabilitation des Geschädigten optimal verläuft. Mit allen Kosten, die dabei auflaufen. Wenn zum Beispiel zusätzlich Ärzte gebraucht werden, die Spezialisten auf ihrem Gebiet sind. Wenn Umbauten in der Wohnung nötig sind. Wenn ein Arbeitsplatz behindertengerecht eingerichtet werden soll.

Die Rechnung ist einfach: Je früher der Geschädigte wieder in der Lage ist, zu arbeiten und sich selbst um seine täglichen Dinge zu kümmern, desto weniger muss die Versicherung an Entschädigung zahlen. Die kann bei einer lebenslangen Rente schon einmal im siebenstelligen Bereich liegen. Die Kosten für den Dienstleister und die besonderen Reha-Maßnahmen sind also gut investiert. Der Ansatz lohnt sich für beide Seiten. Denn auch der Geschädigte profitiert davon, dass er wieder integriert ist und am sozialen Leben teilnehmen kann, berichtet Janeczek. Die AG hat es sich zur Aufgabe gemacht, genaue Regeln festzulegen, an die sich diese Dienstleister halten müssen. Denn das System hat einen Haken: Die wirtschaftliche Abhängigkeit der Dienstleister von den Versicherungen. „Das ist ein riesiges Problem“, erklärt Janeczek. Rehaberater würden von dem persönlichen Kontakt zu den Schadensbearbeitern in der Versicherung leben. Gleichzeitig entsteht zwischen Anbieter und Geschädigtem ein Vertrauensverhältnis. „Das könnte der Versicherer ausnutzen.“

Damit das nicht passiert, hat die AG einen Code-of-Conduct verfasst. Hier ist klar formuliert, was Anbieter gewährleisten müssen, damit alles sauber läuft. Unter anderem muss der Dienstleister personell und organisatorisch vom Haftpflichtversicherer unabhängig sein. Er muss weisungsfrei und neutral sein. Er hat sich der Einflussnahme oder Beurteilung auf die Regulierung des Schadens zum Grund oder zur Höhe der Ansprüche zu enthalten. Und er muss einen Beirat installieren, in dem drei Experten aus Medizin, Recht, Arbeits- und Sozialwesen vertreten sind. Der Vertreter des Bereiches Recht wird von der AG Verkehrsrecht entsandt. Nach dem Code-of-Conduct können die Rehadienste im Prozess nicht als Zeugen geladen werden. Sie dürfen den Geschädigten auch nicht zu kostengünstigeren Maßnahmen drängen. Der Dienst entscheidet unabhängig, was sinnvoll ist.

„Im Code-of-Conduct sind Grundsätze formuliert, die wir als fundamental für die Zusammenarbeit mit den Rehadiensten halten“, sagt Bettina Bachmann, Geschäftsführerin des DAV und zuständig für die AG Verkehrsrecht. „Die Kontrolle durch einen Beirat und die Einsicht etwa in Beschwerdeakten sind sehr wichtig. Deshalb werden nur die Rehadienste anerkannt, die einen solchen Beirat haben.“

Die Anerkennung ist auch als eine Art Gütesiegel gedacht. „Gerade Anwälte, die noch nie einen größeren Personenschaden reguliert haben, haben die Angst, von der Versicherung über den Tisch gezogen zu werden“, erläutert die Geschäftsführerin. Schließlich werde der Dienstleister ja von der Versicherung bezahlt. „Die Anerkennung zeigt, mit wem man gemäß dem Code-of-Conduct zusammen arbeiten kann. Diese Dienste sind keinen Weisungen unterworfen.“


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