Deutscher Anwaltstag 2018

Aus Fehlern lernen: Fehler­kultur bei Anwältinnen und Anwälten

Mandanten wollen den Anwalt hören, nicht lesen

„Reden, reden, reden.“ Das gab Monika Nöhre, Schlich­terin der deutschen Rechts­an­walt­schaft, den Anwältinnen und Anwälten auf den Weg. Die 7.200 Fälle der Schlich­tungs­stelle seit 2009 zeigten, dass im schief­ge­lau­fenen Mandat meist die Kommu­ni­kation schlecht sei. Anwälte seien häufig in einer passiven Rolle. Gestritten werde über Regress­fragen, aber vor allem über die Anwaltsvergütung. Sie warb dafür, dass Anwältinnen und Anwälte bei Konflikten mit dem Mandanten von sich den Gang zur Schlich­tungs­stelle vorschlagen. Anwälte sollten aktiver werden. „Der Mandant will seinen Anwalt hören, nicht lesen“, sagte Nöhre.

Innovation aus der Anwaltschaft: Risikomanagement

Höhepunkt der Schwer­punkt­ver­an­staltung war dann Martin Diller, Rechts­anwalt bei Gleiss Lutz in Stuttgart, lange Managing-Partner der Kanzlei und heute noch für das Risiko­ma­na­gement zuständig. Er stellte einen ganzheit­lichen Ansatz des anwalt­lichen Risiko­ma­na­ge­ments vor. Anwältinnen und Anwälte sollten für ihre Kanzlei die Risiken ermitteln. Wie wahrscheinlich sind sie? Welche Auswir­kungen hätten sie? Wie kann ich sie minimieren? Dann zeige sich schnell, dass die Angst vor Haftungsfällen häufig größer als angemessen sei, während die Gefahr des Ausein­an­der­fallens einer Kanzlei vielleicht unterschätzt werde. Die größten Auswir­kungen habe heute aber der Reputa­ti­ons­verlust für eine Kanzlei durch unethi­sches Handeln – gerade auch, weil dieses Risiko nicht zu versi­chern sei. Diller betonte, dass die unseriösen Mandate meist sehr seriös angefangen hätten. Es sei für eine Kanzlei eine Heraus­for­derung zu erkennen, wann ein Mandat in den unethi­schen Bereich abdrifte – erst recht, wenn das Mandat finan­ziell lukrativ sei.

Viele Veranstaltungen rund um den Fehler: Der Anwaltstag war kein Fehler

Nach Legal Tech 2017 in Essen und dem Straf­rechts­schwer­punkt 2016 in Berlin ging es bei diesem Deutschen Anwaltstag in Mannheim um ein Thema aus der Mitte des anwalt­lichen Arbeit­salltags. Der Mensch macht Fehler, kann Risiken schwer beurteilen und muss mit seinen Unzulänglich­keiten leben. Das Thema „Fehler­kultur“ kam bei den Teilneh­me­rinnen und Teilnehmern richtig gut an. Denn innovative Anwältinnen und Anwälte spüren im Markt: Allein vom Nimbus der Anwalts­zu­lassung lässt sich nicht mehr zehren. Die Mandanten erwarten gute Rechts­dienst­leistung zu einem guten Preis. Und da gehört heutzutage auch eine gelebte Fehler­kultur dazu – da wird dann sogar ein Fehler einmal verziehen.

 

 


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