Zahlen zur Anwalt­schaft

The future is female! Empirische Forschung zum Anwalts­markt

Frauenpower - Die Anwaltschaft ist zunehmend weiblicher.

Es ist mittlerweile Tradition geworden: Prof. Dr. Matthias Kilian (Direktor des Soldan Instituts) präsentierte auch auf dem diesjährigen Anwaltstag in Leipzig die aktuellen Zahlen zur Anwaltschaft.

Er begann mit einem Highlight: Die Anwalt­schaft wird weiblich! Im Jahr 2017 wurden mit 52 Prozent erstmals mehr Frauen als Männer zugelassen. Der Frauen­anteil insgesamt liegt derzeit bei 35 Prozent. Dabei arbeiten 42 % der Rechtsanwältinnen in Teilzeit – wenn sie mehr als zwei Kinder haben, sind es sogar 62 Prozent. Bei den männlichen Kollegen sind es nur 16 Prozent bzw. bei 21 Prozent.

Der geschlechts­s­pe­zi­fische Wandel hat Folgen

Kilian benannte als Folgen des geschlechts­s­pe­zi­fi­schen Wandel unter anderem das überpro­por­tionale Wachstum der Syndi­kus­an­walt­schaft. Letztlich erwartet er auch die Abnahme von Fachan­walts­titel und Zusatz­qua­li­fi­ka­tionen. Nach Kilian müssen sich insbe­sondere größere Kanzleien auf eine Verlang­samung des Wachstums einstellen. Denn: Weibliche Kolle­ginnen sind überwiegend im Arbeits- und Famili­en­recht tätig. Im Umkehrschluss besteht im Wirtschafts- und Handels­recht eine starke männliche Prägung. In diesen Rechts­ge­bieten kann sich zunehmend die Nachwuchs­ge­winnung erschweren.

Auffallend ist bei alledem der nach wie vor beste­hende „gender pay gap“: Im Jahr 2015 lag der Stunden­ver­dienst bei Anwältinnen bei 22,25 Euro; bei den männlichen Kollegen hingegen bei 31,32 Euro.

Leichtes Wachstum der Anwalt­schaft

Laut BRAK-Statistik waren zum 1. Januar 2019 166.370 Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte zugelassen. Das bedeutet ein Wachstum von 0,31 Prozent zum Vorjahr (165.854). Hierbei sind 8,5 Prozent der Kolle­ginnen und Kollegen als Syndi­kus­rechts­anwalt und Rechts­anwalt zugelassen, die Anzahl der „Nur“- Anwälte (inklusive Altsyndizi) beläuft sich auf 89,9%. Wie im letzten Jahr liegt die Zahl der markt­teil­neh­menden Nur-Rechtsanwälte (abzüglich der im Ausland, und der in Teilzeit Tätigen) bei maximal 100.000.

Freude bei Nachwuchs?

Positive Neuig­keiten gibt es vom Nachwuchs: Die Zahlen der Studie­renden steigen wieder. Zu denken gibt aller­dings, dass diese Entwicklung nicht zu mehr Referen­daren und Absol­venten des Asses­sor­ex­amens führt. Dies ließe den Rückschluss zu, dass eine Umori­en­tierung zu einem späten Zeitpunkt der juris­ti­schen Ausbildung erfolgt.

Kilian stellte ferner fest, dass die Anstellung weiterhin ein typischer „transi­tional job“ bei Berufs­ein­steigern ist. Entweder führt er nach einigen Jahren in die Selbstständigkeit oder zum Ausscheiden aus der Anwalt­schaft.

Aktuelle Stunde: Anwalts­dichte auf dem Land

In der aktuellen Stunde ging Kilian auf die „Landanwälte“ ein. Die Zahlen sprechen Bände: 29 Prozent der Anwälte „versorgen“ 60 Prozent der Bevölkerung. Und sie zeigen: Der Zugang zum Recht, wie auch Frau Kindermann in ihrer Eröffnungsrede des Anwaltstags 2019 betonte, muss gefördert werden (siehe auch AnwBl 2019, S. 368) Nicht zuletzt um das Vertrauen in den Rechts­staat zu stärken.

Kilian schloss seinen Vortrag mit einer freudigen Nachricht für DAV-Mitglieder: Sie verein­barten im Schnitt höhere Stundensätze in 2018 als den durch­schnitt­lichen Satz von 196 Euro.


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