Anwaltsrecht

Berufsrecht 2020 – Was steht auf dem Wunschzettel?

"Berufsrecht 2020"

Das Berufsrecht der Zukunft 2020 – wie sieht es aus? Wenn es nach den Referenten der Jahrestagung des Instituts für Anwaltsrecht der Kölner Universität geht, zumindest anders als heute. Immer wieder wurde gefordert, dass die Regulierung des Anwaltsmarkts die Wirklichkeit in den Blick nehmen sollte und die Selbstverwaltung transparenter werden müsse. Gute Ideen für Reformen wurden am 9. Dezember 2016 viele präsentiert. Die Tagung war wie in den Vorjahren wieder vom Anwaltsblatt unterstützt worden. Im Rahmen der Konferenz wurde diesmal auch der Soldan Kanzleigründerpreis verliehen, der von Soldan, DAV, BRAK und FAZ getragen wird.

Moderator Prof. Dr.  Dr. h.c. Hanns Prütting (Direktor des Kölner Instituts für Anwaltsrecht, Universität zu Köln) wies auf die Ambivalenz des Themas „Berufsrecht 2020“ hin. Auf der einen Seite gebe es Reformen: Das Syndikusgesetz sei Anfang 2016 in Kraft getreten und der Gesetzgeber wolle nun die „kleine BRAO-Reform“ beschließen. Zudem habe 2016 das Bundesverfassungsgericht den Weg frei für die erste Partnerschaftsgesellschaft von Anwälten mit Ärzten und Apothekern gemacht (BVerfG AnwBl 2016, 261).  Auf der anderen Seite sähen die Praktiker, dass vieles im Berufsrecht nicht mehr passe. So werde inzwischen sogar über ein Berufsrecht für Insolvenzverwalter genauso wie über Regeln für Schiedsrichter in Schiedsverfahren diskutiert. Das „Berufsrecht 2020“ biete noch genügend zum Regeln, so sein Fazit.

 

Legal Tech früher: die Schreibmaschine

Der erste Teil der Veranstaltung diente eigentlich der Bestandsaufnahme, machte dann aber schnell deutlich, wie schnell sich die Wirklichkeit des Rechtsdienstleistungsmarktes gerade verändert. Das Berufsrecht stamme aus einer Zeit als es rund 4.000 Anwälte gegeben habe, berichtete Prof. Dr.  Matthias Kilian (Universität zu Köln, Direktor des Soldan Instituts). Spezialisierungen und Zweigniederlassungen kannte man nicht, als 1879 die Rechtsanwaltsordnung in Kraft trat. Legal Tech beschränkte sich auf die Schreibmaschine. Zwar stelle sich heute die Gegenwart ganz anders dar, der Stammbaum der Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) lasse sich aber trotz vieler Modernisierungen nicht verleugnen. Kilian vermisste ein konzeptionelles Nachdenken der Rechtspolitik über das Berufsrecht. Noch immer entwickle sich das Anwaltsrecht am stärksten durch die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts. Anders im Ausland. Nach den Reformen in England und Wales mit der Zulassung von interprofessionellen Sozietäten und Fremdkapital in der so genannten Alternative Business Structure (ABS) werde momentan bereits die nächste Reformstufe vorbereitet, so Kilian. Er stellte sehr detailliert die im Ausland diskutierten Regulierungsmodelle vor, anknüpfend an der Sozietät, an den Risiken oder an der konkreten Dienstleistung. In England und Wales kristallisiere sich immer stärker heraus, dass die Dienstleistung als solche reguliert werden solle, um günstigen Anbietern den Zugang zum Markt zu erleichtern. Deutlich wurde aber auch, dass ein zukunftsorientiertes Berufsrecht kaum den einzelnen Berufsträger – so wie jetzt in der BRAO – in den Blick nehme werde. Das Fazit von Kilian: „Man steht staunend vor den Überlegungen in England und Wales. Die dort geführte Diskussion führt dazu, dass wir uns in Deutschland positionieren müssen.“

 


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