„Legal Tech“ ist der Tod der eierlegenden Wollmilchsau

Die Digitalisierungswelle erfasst die Rechtsbranche – wo Anwältinnen und Anwälte ihren Platz finden werden

 

Das Bild verzaubert noch immer Anwältinnen und Anwälte. Sie sind Interessenvertreter, fühlen sich gleichwohl als Organ der Rechtspflege, üben einen Vertrauensberuf aus, der auf ihrer fachlichen Kompetenz und dem persönlichen Kontakt zu Mandanten beruht. Warum sollte man sie ersetzen wollen? Doch die Revolution ist längst im Gange. Im Schnittbereich von Recht und IT entstehen neue Angebote für den Rechtsdienstleistungsmarkt. Wenn sie billiger, präziser und schneller sind, warum sollten Mandanten sie ignorieren? Was es mit dem neuen Trend „Legal Tech“ auf sich hat, fragte das Anwaltsblatt Michael Grupp vom Start-up Lexalgo und Michael Friedmann, Mit-Erfinder von „frag-einen-anwalt.de“ und Geschäftsführer der QNC GmbH.

 

Das Trendwort in der Anwaltsszene ist „Legal Tech“. Wie erläutern Sie einem erfolgreichen Anwalt von 55 Jahren, Platzhirsch bei seinem Landgericht, was „Legal Tech“ ist?

Friedmann: Das ist gar nicht so spektakulär. Im Grunde genommen verbirgt sich hinter „Legal Tech“ die technische Unterstützung der anwaltlichen Arbeit. Sie kann in mehreren Bereichen erfolgen: Das können die Mandatsabläufe in der Kanzlei, die Recherche oder auch die Beschaffung von Mandaten sein.

Grupp: Genau. „Legal Tech“ ist quasi die technologische Komponente der Branche und der Begriff kommt von „Fintech“ oder „Medtech“. So gibt es eben auch „Legal Tech“. Im engeren Sinne ist es das, was früher Rechtsinformatik genannt wurde, also mit dem Herzstück der Rechtsabbildung durch Algorithmen. Heute werden quasi alle Bereiche des E-Commerce dazu gezählt, also auch eine E-Commerce-Plattform wie „frag-einen-anwalt.de“. Es ist ein Modewort – definitiv.

Wie würden Sie denn „Legal Tech“ einer 29-jährigen Volljuristin erläutern, die auf dem Weg in die Anwaltschaft ist?

Grupp: Die Veränderungen im Anwaltsberuf sind in der Tat eine Frage der Perspektive. Es gibt diesen Witz über Wahrnehmung von Innovationen: Wenn man sie bis zum 20. Lebensjahr erlebt, werden sie Bestand-Teil des eigenen Lebens, zwischen 20 und 40 kann man mit ihnen wahrscheinlich Karriere machen und nach 40 widersprechen sie der natürlichen Ordnung der Dinge – und gehören verboten. Wer heute jung ist, für den ist „Legal Tech“ vor allem eine berufliche Chance. Wenn wir den Aspekt der Entwicklung von Produkten ausklammern, können wir fragen: Was hat denn Tech und Jura heute miteinander zu tun? Tech und Jura haben heutzutage sehr viel mehr Verbindungen als noch vor 10 Jahren. In vielen Rechtsbereichen gibt es Tech-Fragen, vom Datenschutz bis zur IT als Unternehmenswert, von denen man im juristischen Studium wahrscheinlich nichts gehört hat.

Friedmann: In meinen Bewerbungsgesprächen mit Endzwanzigern finde ich durchaus noch die Vorstellung, dass der Anwaltsberuf so ist, wie er ist – und sich auch in der Zukunft nicht ändern wird. Dann frage ich die Bewerber: „Passt mal auf. Ihr nutzt privat Facebook, WhatsApp und so weiter für eure persönliche Kommunikation. Was macht euch den Glauben, das sich dadurch nicht auch die anwaltliche Kommunikation verändern wird?“ Das ist im Grunde genommen die Frage, die sich ein 29-jähriger oder eine 29-jährige Bewerberin stellen muss. Genau das, was du jeden Tag nutzt, wird in die anwaltliche Arbeit einziehen. Das weitet den Horizont.

Was sollten Anwältinnen und Anwälte an der Legal Tech-Welt interessieren?

Grupp: Der Anwalt, der als Dienstleister mit viel persönlicher Leistung billable hours erbringt (vielleicht noch mit der Unterstützung von einem Sekretariat), denkt über die juristische Wertschöpfungskette nicht nach. Das alles ist für ihn – oder auch für sie – ein holistischer Knäuel. Die Technik kann diese Wertschöpfungskette aber aufbrechen. Das nenne ich Unbundling. Wir kennen beispielsweise Tools wie Smartlaw, die angefangen haben, Musterformulare zu digitalisieren. Das sollte Anwältinnen und Anwälte interessieren: Welche Aspekte meiner Tätigkeit können sich ändern, welche bleiben konstant? Und die, die sich ändern: Welche Konsequenzen hat das dann für die, die noch übrig bleiben? Vor der übermächtigen künstlichen Intelligenz muss man nicht Angst haben, aber vor den vielen kleinen Teilen der Wertschöpfungskette, die optimiert werden.

Friedmann: Letzten Endes gibt es wahrscheinlich keinen Anwalt in Deutschland, der nicht schon in Bereichen mit Legal Tech arbeitet. Vielleicht Legal Tech 1.0. Das ist die Online-Rechtsdatenbank, die Hälfte der Anwälte benutzt eine Kanzleisoftware, die auch in Teilen automatisch Schriftsätze erstellen kann – und er benutzt auch Google Adwords, wirbt im Netz, ist bei Suchdiensten und Portalen aktiv. Eigentlich muss er sich nur überlegen, was wird daraus in der Zukunft? Was wächst zusammen? Gibt es Teile meiner Tätigkeit, die vielleicht wegfallen könnten? Teile meiner Akquisetätigkeit, Teile meiner Recherchen, Teile meiner fachlichen Kompetenz, die dann von Algorithmen übernommen werden können. Manches nutzen wir, aber noch nicht richtig effizient. Da liegt die Zukunft.

Wie glauben Sie, wird sich die Anwaltswelt ändern?

Grupp: Ich will den Gedanken fortführen. Die Anwaltswelt verändert sich analog oder parallel zu den Veränderungen im normalen Alltag. Auf jeden Fall werden bestimmte Aspekte digitalisierter: Die Mandatsakquise wird digitalisierter, noch maßgeschneiderter und vielleicht deswegen auch teurer. Andere Sachen werden günstiger, vielleicht Recherchen nach Urteilen …

Friedmann: Es wird wohl etwas kommen, was ich – so meine These – die arbeitsteilige Kanzlei nenne. Durch die Technologieunterstützung werden sich die Tätigkeiten innerhalb einer Kanzlei und innerhalb des Anwaltsberufes weiter spezialisieren. Ich meine das gar nicht fachlich. Zurzeit ist ein Anwalt die eierlegende Wollmilchsau: Er muss der Rainmaker der Kanzlei sein, er muss den Kontakt zum Mandanten halten, er muss fachlich herausstechen und er muss auch noch prozessual als Genie vor Gericht gehen. Die Realität zeigt: In der Regel können Anwälte einige Aufgaben richtig gut, aber andere eher mäßig. Die technologische Unterstützung wird eine Aufteilung innerhalb der Kanzlei ermöglichen. Es wird dann die Anwälte geben, die sich beispielsweise nur um die Akquise kümmern – vielleicht müssen das gar keine Anwälte sein, sondern Paralegals. Andere Anwälte halten den Kontakt zum Mandanten als Key Accounter (one face to the customer). Ein Spezialist bearbeitet mit technologischer Hilfe die Mandate schnell und qualitätsvoll, und es wird einen Prozessanwalt geben, der den ganzen Tag nichts anderes machen wird, als die Sachen vor Gericht vorzutragen. Das ist so meine Vision.

Herr Grupp, ist die These Friedmann realistisch?

Grupp: Die These Friedmann ist zum großen Teil realistisch. Das ist die konkrete Übertragung des Unbundlings, von dem ich gesprochen habe. Das Spannende ist natürlich, dass sich das ganz unterschiedlich entwickeln wird, je nachdem, wie groß die Kanzlei ist von der wir jetzt sprechen. In den großen Kanzleien wird es mehr Einsparungspotential geben, während in kleinen Einheiten, wo die eierlegenden Wollmilchsäue noch arbeiten, das später kommen wird.

Computer, Datenbanken, E-Mails und Internet helfen in der Praxis jetzt schon seit einigen Jahren. Ist denn „Legal Tech“ wirklich noch etwas Revolutionäres?

Friedmann: Der Rechtsbereich ist eine der letzten Branchen, die von der Digitalisierung erfasst werden. Da kann man nicht von einer Revolution sprechen. Versandhandel, Banken, Versicherungen, wo man hinschaut, selbst bei den Ärzten – viele Bereiche haben das schon hinter sich. Es gibt die technischen Möglichkeiten, also wird das auch umgesetzt.

Grupp: Definieren wir revolutionär: Wir sehen in Branchen iterative oder disruptive Innovation. Im Rechtsbereich haben wir kaum Lösungen, die den Markt so verändern, dass bisherige Wettbewerber nicht mehr mithalten können. Selbst bei einem Anbieter wie Flight Right, der Flugverspätungsentschädigungen geltend macht, braucht es am Ende wieder Anwältinnen und Anwälte. Und ein Großteil der Mandate wäre wahrscheinlich nicht mal bei einer Kanzlei gelandet.

Friedmann: Flight Right ist aber durchaus ein Beispiel für eine disruptive Entwicklung. Bisher musste man zum Anwalt gehen, um festzustellen, ob man einen Anspruch hat. Das erledigt jetzt ein Expertensystem mit wenigen Klicks. Das ist für sich gesehen ein disruptiver Ansatz.

Grupp: Die Technik macht Bündelungen möglich. Wer es versteht, möglichst viele und ähnlich gelagerte, standardisierbare Mandate zu akquirieren, kann daraus Geschäftsmodelle entwickeln.

Friedmann: Für den Mandanten wird sich wahnsinnig viel ändern. Als Konsument bestelle ich im Netz und morgen, vielleicht am gleichen Tag, wird es geliefert. Das wird auf die Anwaltswelt übertragen werden. Versuchen Sie das als Kanzlei einmal zu bewerkstelligen. Das wird eine Aufgabe für Plattformen werden. Und jetzt geht es dem Mandanten darum, dass seine Frage in den nächsten zwei Stunden beantwortet wird. Die Plattform fragt, wer von euch Anwälten hat jetzt Zeit das zu machen? Oder es wird mit Vertragsgeneratoren erfolgen, die dann über einen Chatbot einen Vertrag selbst zusammenstellen. Das ist dann der Vorteil für den Mandanten.

Grupp: Ja, das gefällt mir gut. Die Anwälte denken gerne über sich und ihre Arbeit nach. Sie sollten aber viel konsequenter die Perspektive der Rechtssuchenden einnehmen. Die finden im Internet schon extrem viel Rechtswissen, aber es reicht am Ende nicht. Wenn die Mandanten dann die Abbiegung zu den Kanzleien nehmen, sollten die Kanzleien auf diese juristischen Fragen, die spezialisierter, aber auch besser vorsortierterbar sind, vorbereitet sein. Das begünstigt natürlich wieder Tendenzen zum Bündeln, was zu kompetitiveren Preisen führt, weil die Kanzlei standardisieren kann. Das Szenario fortgedacht, wird das zu starken Segmentierungen und einem noch stärker intensivierten Servicegedanken führen.

 

 

„Als freies Organ der Rechtspflege werden Anwälte da gebraucht, wo sie eigentlich hingehören: Sie werden die urrechtlichen Sachen bearbeiten.“

 

Was kann die Technik besser als der Mensch?

Grupp: Prozessabläufe abwickeln.

Friedmann: Ja, aus unserer Erfahrung beruhen die meisten Beschwerden von Mandanten über ihre Anwälte darauf, dass die Kanzleien unorganisiert seien und die Abläufe dort nicht stimmten. Der Anwalt sei schlecht zu erreichen, halte sich nicht an Versprechen und Vorgaben. Technologie kann es schaffen, aus Sachverhalten Prozesse zu machen, die der Anwalt gezielt abarbeiten kann. Damit kann er mehr Zeit für den Mandanten bekommen, um besser zuhören zu können. Das schafft dann dauerhaftes Vertrauen.

Grupp: Juristen können meist nur Geld sparen, nicht besorgen. Deswegen ist der Prozess so wichtig und dessen Belastbarkeit. Mehr Geld für Rechtsberatung, bringt nicht mehr Recht. Ich kann natürlich in bestimmten komplexen Situationen ein höheres Level an Sicherheit erreichen und bessere Szenarien fahren, aber das sind ganz große Ausnahmen. In der Regel will der Mandant das Problem weghaben und fragt: Wie viel kostet mich das? Anders als in der Finanz- oder Versicherungsbranche können Juristen mit Technologie nicht mehr Geld verdienen oder bessere Leistungen erbringen. Die menschliche Beratung bei Jura ist sehr gut. Die Technologie kann aber schneller und kostengünstiger sein.

Kann sie fehlerfreier werden?

Grupp: Ja, sie kann fehlerfreier werden in Bezug auf eine kritische Masse, die definiert wurde. Die Software etabliert einen Prozess, der für diesen Anwendungsbereich schneller, günstiger und einfacher ist – und vielleicht verlässlicher wird.

Bedarf es dann noch eines Anwalts mit seinem Judiz?

Grupp: Das kommt darauf an.

Friedmann: Bei standardisierten Rechtfällen sicherlich nicht. Das kann man über den Prozess steuern und über die Daten, die man hat. Die Masse macht es dann.

Werden Mandanten dann auch solchen prozessorientierten Plattformen vertrauen?

Grupp: Zunehmend.

Friedmann: Ja. Das Vertrauen verändert sich. Im ärztlichen Bereich beobachten wir das schon. Wenn man einen Patienten fragt, ob er seine Diagnose von einem Arzt oder Computer bekommen möchte, in dem alle Informationen weltweit hineinlaufen, dann sagen die meisten Patienten: Ich will die Diagnose vom Expertensystem. Es wäre vermessen, wenn wir sagen: Für uns Anwälte gilt das nicht.

Wenn wir auf die Felder blicken, wo es IT-Unterstützung im juristischen Bereich gibt: Streitbeilegung, Wissensmanagement, Work-flows im Mandat, Vertragsgeneratoren, automatisierte Rechtsanwendungen, Marketing. Wo werden wir die größten Innovationen sehen?

Grupp: Das ist eine schwierige Frage. Wenn wir auf die Landkarte schauen, dann sind es zur Hälfte Marktplätze und Plattformen, die webbasiert oder technologieunterstützt Akquise- oder Rechtsberatungsprozesse leisten. Auf der anderen Hälfte sehe ich formale sowie materielle Anwendungen. Mandantenmanagement, Kanzleisoftware usw. sind formale Anwendungen. Und die materiellen Lösungen sind zahlenmäßig noch eher selten. Wo jetzt die meisten Innovationen herkommen, kann ich nicht vorhersagen. Das Wichtigste wird aber die Verbindung zwischen allen Anwendungen werden. Da spielt die Musik.

Friedmann: Ich habe wieder eine These. Wir werden die meisten Innovationen in der Arbeitsunterstützung des Anwalts sehen, also bei Datenbanken und Expertensystemen. Hier ist die Zahlungsbereitschaft bei Kanzleien für Entlastung am größten. Beim Marketing und Prozessoptimierung ist das Berufsrecht ein Innovationshemmnis. Es ist angesichts des Provisionsverbots bei Anwälten sehr schwer, hier so zu investieren, dass es sich rechnet. Ich kann als Legal Tech-Anbieter keinen prozentualen Anteil am Mandatshonorar erhalten.

Es gilt die Exklusivvermarktung für Anwälte.

Friedmann: Ja. Aber auch wenn wir über die Prozesse nachdenken. Ich kann keine Software schaffen, mit der der Anwalt ein konkretes Mandat abwickelt und dann für die Nutzung einen festen Anteil seines Umsatzes für die Software zahlt. Deswegen werden wir in diesen Bereichen langsamer Innovationen sehen als in anderen Branchen. Hier fehlt es auch an der Zahlungsbereitschaft der Anwältinnen und Anwälte. Die Kanzleien glauben, an ihren Prozessen nichts ändern zu müssen.

 

 

„Der Anwalt ist kein Organ der Rechtspflege, sondern ein Anwalt ist ein Dienstleister. Ein Dienstleister am Mandanten.“

 

Schafft das Netz eine neue Transparenz im Markt?

Friedmann: Sie ist schon heute da.

Grupp: Ja, Leistungen und Preise werden vergleichbarer.

Friedmann: Sie sind schon vergleichbar und sinken.

Grupp: Ja, zunehmend. Der Markt bemüht sich noch um Intransparenz, aber sie sinken im Mittel.

Das heißt, wer nicht kostengünstig arbeitet, hat verloren?

Friedmann: Das ist halt more for less.

Grupp: Der Trend hält an. Die Technologie ist aber keine Gefahr für die maßgeschneiderten individuellen Lösungen, sondern für die Nischenprodukte, die zu Massenprodukten werden. Den Insolvenzberater für Maschinenbauer trifft es nicht, solange Maschinenbauer in die Krise rutschen.

In dieser neuen Technikwelt, wo werden Anwältinnen und Anwälte ihren festen Platz haben?

Friedmann: Hinterm Computer … [lacht]

Grupp: [fällt ins Lachen ein] … als freies Organ der Rechtspflege werden sie da gebraucht, wo sie eigentlich hingehören: Sie werden die urrechtlichen Sachen bearbeiten, aber nicht Tätigkeiten erledigen müssen, die sie eigentlich nicht gut können und für die sie nicht ausgebildet wurden. Sie werden zwar heute zunehmend zum Projektmanager, sollten es aber nicht werden.

Friedmann: Wir müssen uns ein bisschen darauf besinnen, was ein Anwalt ist. Herr Grupp sagt, er ist Organ der Rechtspflege. Ich widerspreche. Der Anwalt ist kein Organ der Rechtspflege, sondern ein Anwalt ist ein Dienstleister. Ein Dienstleister am Mandanten. Dieser Dienstleister am Mandanten muss sich mit dem Mandanten auseinandersetzen. Also ist sein Platz in der Kommunikation mit dem Mandanten. Das muss sich in der Zukunft verbessern. Der Anwalt muss mehr Zeit haben, mit seinem Mandanten zu sprechen. Das ist Kundenzufriedenheit.

Grupp: Der Einsatz von der Technik bietet jetzt eine gute Gelegenheit, dass die Anwaltschaft ihre Rolle in diesem Verhältnis Mandant, Staat und Organ der Rechtspflege  wieder neu definiert, statt durch den Einsatz von Technik tatsächlich versucht, zu dem standardisierten, dienstleistungsorientierten Serviceprovider zu werden. Wir müssen klären, was kann die Technik erledigen, was muss der Mensch machen. Wo da die Trennlinie verläuft, das kann man nicht sagen.

Friedmann: Wenn Herr Grupp jetzt mit Organ der Rechtspflege den Zugang zum Recht meint, dann stimme ich ihm voll und ganz zu. Technologieunterstützung kann den Zugang zum Recht verbessern, weil es Mandate gibt, die sich heute schlicht nicht lohnen.

Was müssen Anwältinnen und Anwälte dazu lernen und wovon sollten sie sich verabschieden?

Grupp: Das dünkelhafte Verständnis des Anwalts, der seiner Berufung folgt, statt eine Berufstätigkeit auszuüben, ist vielleicht etwas, das langsam revisibel wird. Anwältinnen und Anwälte sollten sich generell neuen Medien öffnen. Es gibt nicht die Kanzlei und außerhalb das richtige Leben mit Skype, WhatsApp und Internet.

Friedmann: Anwälte haben sich viel zu lange über die Informationsasymmetrie definiert. Das wird jetzt aufgebrochen. Im Grunde genommen greifen die Mandanten auf die gleichen Quellen zu, wie die Anwälte auch. Je früher man als Anwalt das akzeptiert und sich eher als Dienstleister begreift, desto besser. Der Anwalt sollte denken: „Ich nehme dieses Problem von Dir weg und bearbeite es schnell, transparent und zu einem fairen Preis“ – es muss ja nicht billig sein. Das sollten Anwältinnen und Anwälte lernen.

 

Das Gespräch moderierte Dr. Nicolas Lührig, Anwaltsblatt-Redaktion, Berlin.

 

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