Einstellungsreport

Bank-und Kapital­markt­recht, Straf­recht und regionale Topkanz­leien

Frankfurt am Main, Düsseldorf oder München sind attraktive Städte. Attraktiv sind dort auch die Einstiegsgehälter für junge Anwälte: Mehr als 100.000 Euro pro Jahr sind für junge Bank- und Kapital­markt­rechtler drin. Und was machen die tausenden Absol­venten des zweiten Staats­ex­amens, die Anwalt werden, aber keine zwei Prädikatsexamen haben, mehr schlecht als recht englisch sprechen und keinen LL.M. oder Doktor mitbringen?

Sie sollten einmal in die Provinz schauen. Verden an der Aller, Bayreuth oder Koblenz gehören zu den mehr als 110 Städten in Deutschland mit einem Landge­richt. Und in allen diesen Städten gibt es regional verwur­zelte Kanzleien. Mit drei bis zehn Partnern sind sie die Platz­hirsche am Ort. Die erfolg­reichen Sozietäten unter ihnen vertei­digen ihre Stellung in der Region – und suchen Nachwuchs. Rund 25 Prozent der regio­nalen Topkanz­leien stellen 2008 ein und immerhin noch 18 Prozent planen bereits jetzt für 2009 Einstel­lungen.

Der Trend zur Spezia­li­sierung ist zwar ungebrochen: Auch in den regio­nalen Topkanz­leien macht ein Partner das Arbeits­recht, einer das Famili­en­recht, einer das Verkehrs- und Versi­che­rungs­recht und einer das Handels- und Gesell­schafts­recht. Aber als Kollektiv können diese kleinen Einheiten – jenseits der ganz großen Mandate – durchaus regional erfolg­reich sein. Die ausge­wie­senen Spezia­listen sind dagegen deutlich zurückhal­tender bei der Nachwuchs­suche: Bei den Bank- und Kapital­markt­rechtlern stellen 2008 nur sieben Prozent Nachwuchs ein – und auch für 2009 sind die mittelständischen Kanzleien in diesem Rechts­gebiet nicht optimis­ti­scher. Ausnahme: Die Großkanzleien. Fast alle wissen bereits heute, dass sie wachsen wollen. Baker & McKenzie und Linklaters suchen 2009 gleich 15 Anwältinnen und Anwälte, denn gerade auch in der Krise werden Anwälte gebraucht.

Sonder­rolle Straf­recht

Eine Sonder­rolle nimmt in diesem Gehälterreport das Straf­recht ein. Obwohl die auf das Wirtschaftss­traf­recht spezia­li­sierten Straf­rechts­bou­tiquen durchaus junge Spitzenanwälte suchen, ist das Ergebnis der Umfrage ernüchternd: 2008 hat keine der befragten Kanzleien einge­stellt – und auch für 2009 sieht es nicht viel besser aus. Der Grund: An der Umfrage haben sich vor allem Kanzleien beteiligt, die von Vertei­di­gungen in Betäubungs­mit­tel­de­likten, Kapital­de­likten, Verkehrs­sachen oder Jugend­straf­recht leben. Und da lässt die Ertragslage zu wünschen übrig. Die Gründe sind vielfältig: Fast alle Kanzleien machen Pflicht­ver­tei­di­gungen. Auch die anderen Mandate werden überwiegend auf der Basis des Rechts­an­waltsvergütungs­ge­setzes (RVG) abgerechnet und das honoriert schlecht, vor allem die Tätigkeit im Ermitt­lungs­ver­fahren (Höchstgebühr 550 Euro, mit Haftzu­schlag 687,50 Euro) und in Revisi­ons­ver­fahren (Höchstgebühr 930,mitHaft­zu­schlag 1162,50).

Was erwarten die Kanzleien?

Bei den Einstel­lungs­vor­aus­set­zungen spielt das Straf­recht dann aber keine Sonder­rolle mehr: Für rund 60 Prozent der befragten Kanzleien ist zumindest ein Prädikatsexamen wichtig oder sehr wichtig und immerhin 30 Prozent finden auch zwei Prädikatsexamen wichtig oder sehr wichtig. Das sind ähnliche Werte wie bei den Bank- und Kapital­markt­rechtlern. Deutlich anspruchs­voller sind nur die regio­nalen Topkanz­leien: Mehr als 80 Prozent der befragten Kanzleien erwarten zumindest ein Prädikatsexamen und für fast 65 Prozent sind zwei Prädikatsexamen wichtig oder sehr wichtig. Ein Senior­partner sagt dazu: „Wir wollen nicht wachsen um jeden Preis, sondern uns verstärken.“ Deshalb suchen die regio­nalen Topkanz­leien auch zu mehr als 90 Prozent zukünftige Partner – und fast 60 Prozent der Kanzleien wollen ihren Nachwuchs innerhalb von fünf Jahren zu Partnern machen. Solche Partne­raus­sichten werden nur noch selten geboten. Dafür erwarten aber 70 Prozent der befragten Kanzleien, dass ihr Anwalt am Standort wohnt. Aus der Region muss er aber nicht stammen. Nur für sechs Prozent ist das eine zwingende Voraus­setzung.

Auf die Noten kommt es längst nicht mehr alleine an: Bei den Straf­rechtlern finden bereits fast 45 Prozent der befragten Kanzleien einen abgeschlos­senen Fachan­walts­lehrgang wichtig und 55 Prozent schätzen eine einschlägige Station im Referen­dariat: „Straf­recht kann Kampf sein, man muss bewiesen haben, dass das einem liegt“, sagt ein gestan­dener Straf­ver­tei­diger. Auch die Bank- und Kapital­markt­rechtler wollen sehen, dass ein Bewerber das Rechts­gebiet kennt: Eine Lehre als Bankkaufmann schätzen 30 Prozent der befragten Kanzleien als wichtig ein. Eine einschlägige Station im Referen­dariat sogar 58 Prozent. Wiederum auffällig: Sprach­kennt­nisse sind inzwi­schen wichtiger als ein Doktor­titel. Selbst bei den regio­nalen Topkanz­leien finden nur 24 Prozent den Titel wichtig und gar nur noch 6 Prozent sehr wichtig. Am ehesten bringt der Titel noch etwas bei den Bank- und Kapital­markt­rechtlern (für fast 40 Prozent ist er wichtig).

Was bringt mehr Gehalt?

Beim Gehalt zeigt der vierte Einstel­lungs- und Gehälterreport einen neuen Trend: Die Bank- und Kapital­markt­rechtler bestimmen das Einstiegs­gehalt eher indivi­duell. Den Doktor­titel honorieren 38,5 Prozent mit einem Aufschlag, höhere Einstiegsgehälter werden aber auch für Prädikatsexamen, Ausland­ser­fahrung, LL.M oder einen abgeschlos­senen Fachan­walts­lehrgang gezahlt. Bei den regio­nalen Topkanz­leien bringt dagegen nur der Doktor­titel (37,5 Prozent) und ein abgeschlos­sener Fachan­walts­lehrgang (31,3 Prozent) einen Aufschlag. Die restlichen Quali­fi­ka­tionen werden schlicht erwartet. Und bei den Straf­rechtlern honorieren immerhin noch 25 Prozent der befragten Kanzleien einen abgeschlos­senen Fachlehrgang. Ein dickes Plus beim Gehalt kann letztlich nur konkrete Berufs­er­fahrung bringen. „Wer von Anfang an als vollwer­tiger Anwalt einge­setzt werden kann, bekommt mehr“, erläutert ein Partner aus einer rheini­schen Landge­richts­stadt. Die Beschäftigung eines angestellten Anwalts ist immer auch eine unter­neh­me­rische Entscheidung. Am Ende darf die Sozietät nicht drauf zahlen.


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