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Pflicht­prak­tikum - worauf kommt es an?

Die Pflicht­praktika als Chance begreifen

Um das richtige Praktikum zu finden, sollten sich Studie­rende eines bewusst machen: Das Praktikum bietet so viel Gestal­tungs­freiheit wie kaum ein anderer Bestandteil der juris­ti­schen Ausbildung. Junge Juris­tinnen und Juristen können Zeitpunkt, fachliche Richtung und Wunsch­ar­beit­geber frei wählen, nur einige Rahmen­be­din­gungen müssen beachtet werden, um die Anerkennung als Pflicht­prak­tikum sicher­zu­stellen. Bei so vielen Optionen kann die Entscheidung schon einmal schwer fallen. Doch wer vorab einige Fragen klärt, findet mit Leich­tigkeit einen passenden Prakti­kums­platz.

DI E VORAUS S ETZUNGEN, UM INFORMI ERT ZU PLANEN:

Welche Anforderungen an das Pflichtpraktikum sind zwingend?

Die Rahmenbedingungen für das Pflichtpraktikum finden sich im jeweiligen Ausbildungsgesetz und unterscheiden sich je nach Bundesland geringfügig. Um bei der Anerkennung der Praktika später keine böse Überraschung zu erleben, sollte bereits zu Beginn des Studiums ein Blick auf die Details geworfen werden.
Die Dauer der Pflichtpraktika beträgt insgesamt mindestens drei Monate beziehungsweise 13 Wochen. Sie sind während der vorlesungsfreien Zeit zu  absolvieren. Wird die Gesamtzeit auf mehrere Stationen aufgeteilt, muss die hierfür geltende Mindestwochenzahl berücksichtigt werden. Einige Bundesländer schreiben darüber hinaus auch Rechtsbereiche vor, die abgedeckt werden müssen oder sehen ein Pflichtpraktikum bei Gericht oder Verwaltungsbehörden vor. In Hessen, Sachsen und Sachsen-Anhalt können oder müssen zudem Gruppenpraktika absolviert werden. Wer die Eckpunkte vor Augen hat, kann beginnen, sein Praktikum oder seine Praktika nach den individuellen Vorstellungen zu planen.

Lebenserfahrung oder Lebenslauf?

Die wichtigste Frage bei der Entscheidung für einen Prakti­kums­platz lautet: Welche Erfah­rungen möchte ich sammeln? Man kann auf Stellen achten, die sich später kohärent in den Lebenslauf einfügen. Ein Praktikum bietet aber auch die Möglichkeit, Eindrücke aus Bereichen zu gewinnen, in denen man später gar nicht arbeiten möchte. Wie auch immer: Die Chance sollte genutzt werden, Praktikern über die Schulter zu schauen, Fragen zu stellen und vielleicht sogar mitzu­ar­beiten.

Wo kann ein Praktikum absolviert werden?

Studie­rende müssen während des Praktikums einem Vollju­risten unter­stellt sein, der beide deutsche Staats­examina bestanden hat. Studie­rende dürfen aber auch Nicht-Juristen begleiten, um beispiels­weise ein Gesamtbild des Unter­nehmens zu erhalten. Möglich sind unter anderem Praktika bei Kanzleien, Notariaten, Gerichten, der Staats­an­walt­schaft, Verwal­tungsbehörden, Rechts­ab­tei­lungen von Unter­nehmen oder Minis­terien.

Welche Möglichkeiten bieten Kanzleien und Rechtsabteilungen?

Wer sich für ein Praktikum bei einem Rechts­anwalt oder Notar inter­es­siert, sollte sich vorab auf ein konkretes Rechts­gebiet festlegen. Umso mehr Vorwissen mitge­bracht werden kann, umso inter­essanter die Aufgaben. In kleineren Kanzleien sind die Chancen auf Mandan­ten­kontakt und eigenständige Arbeit oft höher. Das gilt auch für Kanzlei­bou­tiquen (auf ein Rechts­gebiet spezia­li­sierte Kanzleien). Großkanzleien bieten durch Prakti­kan­ten­pro­gramme eine umfas­sende Betreuung. In Rechts­ab­tei­lungen erhalten Studie­rende meist zusätzliche Einblicke in die nicht­ju­ris­tische Kerntätigkeit des Unter­nehmens und die inter­dis­ziplinäre Zusam­men­arbeit.

Alternative Verwaltungspraktikum?

Hier können sich Studie­rende mit den Aufgaben und der Organi­sation einer Behörde vertraut machen: Ortsbe­sich­ti­gungen, Gremien­sit­zungen oder die Begleitung zu Gerichts­ter­minen sind Teil des Praktikums. Ausbilder sind neben Körperschaften und Anstalten des Öffent­lichen Rechts auch nationale, über- und zwischen­staat­liche sowie ausländische Behörden.

Praktikum im Ausland?

Der Blick über den Tellerrand ermöglicht eine neue Sicht auf andere Rechts­systeme, aber auch auf das eigene. Bei einem Ausland­sprak­tikum ist darauf zu achten, dass die Quali­fi­kation des Ausbilders als der eines deutschen Vollju­risten gleich­wertig anerkannt ist. Das Praktikum kann zur Orien­tierung für spätere Auslands­se­mester dienen. Wird das Praktikum im Anschluss an einen Auslands­auf­enthalt absol­viert, richtet sich der Beginn der vorle­sungs­freien Zeit nach den Semes­ter­zeiten der ausländischen Universität.

Wann ist der beste Zeitpunkt für ein Praktikum?

Umso früher ein Praktikum absol­viert wird, umso eher können die Erfah­rungen für das weitere Studium (beispiels­weise für die Wahl des Schwer­punkt­stu­diums) inspi­rierend sein. In höheren Fachse­mestern können dafür mehr fachbe­zogene Aufgaben selbstständig übernommen werden. Prakti­kums­pro­gramme in Großkanzleien richten sich daher häufig an Studie­rende ab dem 5. Semester oder mit abgelegter Zwischenprüfung, ermöglichen dafür aber die Mitwirkung an Schriftsätzen oder Gutachten. Die Praktika sollten vor der unmit­tel­baren Examens­vor­be­reitung absol­viert sein.

Die Bewerbung: Auf den Punkt

Egal ob ausge­schrie­benes Praktikum oder Initia­tiv­be­werbung: Die Bewerbung beginnt mit einem Anruf beim Wunsch­ar­beit­geber. Hier können Ansprech­partner, Rahmen­be­din­gungen und Zeiträume angefragt werden sowie die benötigten Bewer­bungs­un­ter­lagen. Für ein Verwal­tungs­prak­tikum ist auf die zum Teil mehrmo­na­tigen Bewer­bungs­fristen zu achten. Im schrift­lichen Motiva­ti­ons­schreiben sollten auch die konkreten Vorstel­lungen vom Praktikum geschildert werden, um einem passenden Vollju­risten und Aufga­benfeld zugeteilt zu werden. Wer etwas Zeit in die Planung des Praktikums inves­tiert, hat die besten Chancen, in wenigen Wochen viel Erfahrung dazuzu­ge­winnen.


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