Traut Euch! Examen ohne Repetitor

Der Repetitor kostet zwar Geld, gilt aber bei Studierenden nach wie vor als Garant für den Examenserfolg. Dass es auch anders geht, zeigt eine studentische Initiative in Berlin. Selbsthilfe statt Fremdhilfe: Wie gelingt das Examen ohne kommerzielles Repetitorium?

 

18 Uhr, ein Seminarraum in der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. 20 oder 25 Studierende sind dem Ruf von „JurExit“ gefolgt, einer studentischen Initiative an der HU und der Freien Universität in Berlin. JurExit, das steht für: Juristisches Examen im Team. Worum geht es? Das Engagement der Initiative, die von einigen Studierenden während oder nach ihrer Vorbereitungsphase für das Examen gegründet wurde, hat zwei Ziele.

Die Initiative toleriert die Mängel des Studiums nicht länger

Zum einen geht es um politi­sches Engagement für die Verbes­serung des Jura-Studiums, sowohl auf universitärer Ebene als auch im einschlägigen Landes­recht. Dabei lautet die Devise: Ein juris­ti­sches Studium sollte grundsätzlich ausrei­chend auf eine entspre­chende Prüfung vorbe­reiten, auch ohne die Hilfe von Repeti­toren und Crash-Kursen. Mindestens jeden­falls soll das Angebot der Universitäten zur Vorbe­reitung auf das Examen ausgebaut und verbessert werden. Als Vorbild für ein solches „Ex-o-Rep“-Angebot fällt immer wieder der Name der Universität Freiburg. Hier bereiten sich regelmäßig schon über 30 Prozent der Studie­renden auf das Examen vor, ohne die Leistungen von Hemmer, Alpmann Schmidt und Co. in Anspruch zu nehmen. Und auch an die recht­lichen Regelungen zum Studium der Rechts­wis­sen­schaft stellt die JurExit-Initiative klare Reform­for­de­rungen – es geht um Regel­stu­di­enzeit, Prüfungs­in­halte oder Erhöhung der Anzahl von Kampagnen pro Jahr.

Das zweite Motiv für die Gründung von JurExit ist die konkrete Unterstützung von Examens­kan­di­da­tinnen und -kandi­daten auf dem Weg zur ersten juris­ti­schen Prüfung ohne ein kommer­zi­elles Repeti­torium. Hierfür stellt das Team von JurExit bewährte Lernpläne und Materialien zur Verfügung. Noch wertvoller als die inhalt­liche Unterstützung sind jedoch die Tipps zur persönlichen Ausge­staltung einer Lerngruppe. Im Gespräch mit kürzlich geprüften Studie­renden lässt sich in dieser Hinsicht einiges lernen. Auf der JurExit-Webseite ist darüber hinaus eine  „Lerngruppenbörse“ einge­richtet, in der Gesuche und Angebote das Bilden einer geeig­neten Lerngruppe erleichtern sollen.

Die richtige Lerngruppe finden

Thorsten Deppner, einer der Heraus­geber des Buches „Examen ohne Repetitor“, ist an diesem Abend ebenfalls gekommen. Das Buch ist ein Standardwerk, wenn es um Strategien und Tipps für die selbständige Vorbe­reitung auf das Staats­examen geht. Deppner beginnt seinen Vortrag mit einer kleinen histo­ri­schen Einführung: Das kommer­zielle Repeti­torium hat in Deutschland bereits lange Tradition. Diese wollen er und andere brechen: Mit seinem Buch, aber vor allem mit Wochenend-Workshops, in denen Deppner nahebringen will, wovon er überzeugt ist: Studie­rende, die sich ohne kommer­zi­elles „Rep“ auf das Examen vorbe­reiten, werden die besseren Juris­tinnen und Juristen. Sie lernen zu disku­tieren, sich Inhalte selbst zu erarbeiten, Argumente zu entwi­ckeln und sie verbal und spontan auszut­au­schen. Dabei ist der Lernplan das Herzstück der Gruppe: Er erlaubt es, Inhalte, Tempo und Niveau indivi­dua­li­siert anzupassen und so genau den Bedürfnissen der Studie­renden zu entsprechen.


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