Buchtipp

Der barfüßige Anwalt

„Wir beobach­teten sie, während sie uns beobach­teten. Wir  prägten uns ihre Bewegungen und  Gewohn­heiten ein. Seit mehr als einem Jahr planten wir meine Flucht.“ So beginnen die Memoiren des barfüßigen Anwalts, Chen Guang­cheng.

Es ist die Geschichte eines blinden Jungen, der erst im Teean­ge­ralter Lesen und Schreiben lernte. Es ist die Geschichte seines unermüdlichen Kampfes für die Rechte der Landbevölkerung, von behin­derten Menschen und den Opfern der ein-Kind-Politik. Es ist die Geschichte von Wider­stand trotz Repres­sionen, Gewalt, Gefängnis und Hausarrest. Und es ist die Geschichte einer unglaub­lichen Flucht.

Chen Guang­cheng ist kein studierter Jurist. Sein recht­liches Wissen eignete er sich autodi­dak­tisch an. Gemeinsam mit Rechtsanwälten organ­sierte er Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tungen und verschaffte der Landbevölkerung Zugang zu Rechtsrat. Für sein Engagement wurde er zu einer Haftstrafe von 43 Monaten verur­teilt und nach seiner Entlassung unter Hausarrest gestellt. Die Geschichte von Chen Guang­cheng ist kein Einzelfall. Nicht nur in China, sondern auch in der Türkei, Russland und anderen Ländern werden Menschen­rechts­ak­ti­visten jeden Tag verfolgt, verhaftet und verur­teilt. Dennoch zeigt das Beispiel der „barfüßigen Anwälte“ Chinas, wie viel schon ein Einzelner bewirken kann.

Lesen Sie dieses Buch. Es ist nicht nur spannend, wie ein Thriller, sondern auch ein eindrückliches Plädoyer für Mut, Gerech­tigkeit und mehr gesell­schaft­liches Engagement.

„Der barfüßige Anwalt – Ein Bericht aus dem Gefängnis Chinas“ von Chen Guang­cheng. Erschienen im Rowohlt Verlag, 2015. 19,95 Euro.


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