Fachanwalt für Sport­recht

Das Sport­recht boomt – eine Fachan­walt­schaft fehlt

Bei den letzetn jüngsten Olympi­schen Winter­spielen gab es nicht nur sport­liche Höchstleis­tungen, auch Sport­ju­risten waren gefragt. Der Sport­rechts-Fachanwalt ist kein Spleen, sondern ein Bedürfnis des Marktes.

Die Olympi­schen Winter­spiele in Südkorea sind noch frisch in Erinnerung. Sport­liche Höchstleis­tungen waren nicht nur von Athleten, sondern auch von Sport­ju­risten gefragt. Noch nie war ein Sporter­eignis so sehr von juris­ti­schen Querelen überschattet. Das IOC hatte das russische olympische Komitee infolge flächende­ckenden Staats­do­pings und 43 Russen lebenslang gesperrt. 39 von ihnen haben gegen ihre lebens­lange Sperre geklagt. 28 von ihnen bekamen vor dem CAS (Court of Arbitration for Sport) Recht, trotzdem wurden sie vom IOC nicht zugelassen. Das Bundes­ver­fas­sungs­ge­richt wird sich in Kürze mit der Verfas­sungs­be­schwerde von Claudia Pechstein befassen, deren Schadenser­satz­klage vom BGH abgewiesen wurde. Im deutschen Profifußball ist es Inves­toren verwehrt, die Mehrheit an einer Fußballka­pi­tal­ge­sell­schaft zu erwerben.

 

Sportrecht ist ein eigenständiges Rechtsgebiet, das man nicht der Species der Spielerberater überlassen sollte.

 

Sport­recht boomt. Fast alle Rechts­fragen wurzeln in dem privaten Recht von Sport­ver­einen und -verbänden. Jeder von diesen hat eine Satzung und Statuten, deren Umfang ganze Gesetzesbücher in den Schatten stellt. So geben DFB und DFL beispiels­weise eine Loseblatt­sammlung mit 1.230 Seiten heraus; die Rennordnung des Direk­to­riums für Vollblut­zucht und Rennen (DVR) bietet 712 Paragrafen nebst Ausführungs­be­stim­mungen und Richt­linien. Deren Auslegung und Komplexität stellt die Sport­ge­richte vor zuneh­mende Heraus­for­de­rungen. Ursprünglich waren es die Fachge­richts­bar­keiten, die eine Fachan­walt­schaft begründeten (Arbeits­recht, Steuer­recht, Sozial­recht und Verwal­tungs­recht). Die Sport- und Schieds­ge­richte stehen den klassi­schen Gerichts­bar­keiten nicht nach. Die eigene Gerichts­barkeit des Sports umfasst über 1.000 Sport­ge­richte – teilweise mit mehreren Instanzen – und zahlreiche Schieds­ge­richte.

Auch der Beratungsbedarf ist enorm gestiegen. Sportverbände stellen vermehrt Sportjuristen ein. In der Arbeitsgemeinschaft Sportrecht im DAV sind seit ihrer Gründung 1999 rund 400 Mitglieder aktiv. Die Rechtsfragen im Sport sind vielfältig und diffizil. Sie ergeben sich aus dem Zusammenwirken von Sport- und Spielregeln der Sportverbände mit den Normen des staatlichen Rechts. Die aktuellen Fachanwaltschaften tragen diesen Herausforderungen nur unzureichend Rechnung. Auf europäischer Ebene wird in Art. 165 AEUV auf die Besonderheiten des Sports ausdrücklich hingewiesen. Dieser Tatsache trägt die Wissenschaft zunehmend Rechnung. Am Längsten gibt es die Deutsche Vereinigung für Sportrecht (DVSR), welche eine eigene Schriftenreihe herausgibt. 1998 entstanden die ersten Praxishandbücher zum Sportrecht. Ein internationales Netzwerk bietet die International Sport Lawyers Association (ISLA). Die anwaltliche Spezialisierung hinkt dieser dynamischen Entwicklung hinterher. Sportrecht ist ein eigenständiges Rechtsgebiet, das man nicht der Species der Spielerberater überlassen sollte (wer mehr wissen will: Nolte/Summerer, AnwBl Online 2018, 380).

 

 


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