Inspi­ration aus Mediation und Coaching

All you need is law? Kommu­ni­kation 4.0 für die Anwalt­spraxis

Kopf, in den etwas hineinströmt

Das Sommerspecial 2019 soll Anwältinnen und Anwälten Mut machen, über die eigenen Arbeitsweisen kritisch nachzudenken und ihre persönlichen Fähigkeiten in jedem Stadium des anwaltlichen Berufslebens auszubauen, wenn sie dies für erforderlich halten. Das Sommerspecial versteht sich als Angebot.

Thema: Anwalt­liche Kompe­tenzen: Mehr als Recht

Anwältinnen und Anwälte sehen sich in einer bestimmten Rolle, nämlich als berufene und unabhängige Berater und Vertreter in allen Rechts­an­ge­le­gen­heiten ihrer Mandanten und als unabhängiges Organ der Rechts­pflege.

Aber Achtung: Das juristische Arbeiten wandelt sich gerade und besonders schnell läuft der Wandel in der Anwaltschaft ab, weil die Mandanten – Verbraucher und Unternehmer – diese Veränderung einfordern. Weil die neuen Arbeits-, Denk- und Kommunikationsformen und die Erwartungen an das, was Juristinnen und Juristen leisten sollten, gerade nicht aus der Profession selbst kommen (die würde nämlich am liebsten gar nichts ändern), wird dieser Wandel von Anwältinnen und Anwälten nicht so als Chance zur Arbeitserleichterung oder zur Verbesserung der Qualität genutzt, wie es sein könnte. Dabei geht es beim Wandel nicht nur um die Digitalisierung aller Lebensbereiche und die Digitalisierung der Kommunikation. Auch Arbeitsmethoden aus Mediation und Coaching sickern in das juristische Arbeiten ein.

Die Folgen sind weitreichend: Mediative Kompetenz und Führung oder auch kooperative Verhandlungskompetenz sind hilfreich – in Kanzleien und Rechtsabteilungen. Gerade in den Rechtsabteilungen vollzieht sich gleichzeitig der Wandel von der nachlaufenden Rechtsberatung zur vorbeugenden Einhaltung des Rechts und zur Konfliktvermeidung. Inhouse- Juristen werden geschult, um die Fachabteilungen direkt von Beginn eines Projektes an zu begleiten.

In der Praxis werden die sogenannten „soft skills“ immer wichtiger. Schlagworte sind „Coaching und Achtsamkeit“, aber auch „Empathie“. Zugleich weitet sich der Fokus: Es kommt nicht mehr nur auf die „soft skills“ im Mandat an, sondern auch auf die richtige Mitarbeitergewinnung, -führung und -bindung. Wie auch immer man es drehen und wenden will: Diese Kompetenz von Anwältinnen und Anwälten muss wachsen, damit sie als professionelle Ratgeber ihrer Mandanten, als Unternehmer in ihren Kanzleien oder als Rechtsmanager in ihren Rechtsabteilungen erfolgreich sind.

Die Autorinnen wollen mit ihrem Beitrag nicht nur die aktuellen Strömungen im Bereich Kommunikation und Recht vorstellen. Ihr eigentlicher Anspruch ist es, Praktikern in der Anwaltschaft Ideen und Anregungen zu geben, wie sie selbst produktiver, effizienter und gelassener bessere Arbeitsergebnisse zusammen mit ihren Mitarbeitern für sich und ihre Mandanten erreichen. Dafür werden konkrete Ansätze und Ideen aus Mediation, Business Coaching und Supervision als hilfreiche Begleiter für die juristische Praxis vorgestellt. Auf juristischer Ausbildungsebene wird damit begonnen, einen Fokus auf diese Fähigkeiten für zukünftige Juristen zu legen. Ein positives Beispiel ist die Frankfurter Law Clinic, Goethe Universität (GLC); der Beitrag enthält ein Interview mit Eva Bettina Trittmann, Supervisorin an der GLC.

Inhalt: Das inspi­rie­rende Lesepro­gramm für den Sommer

Was bieten die Autorinnen auf 16 Anwalts­blatt-Seiten? Der Beitrag fächert sich in vier Teile auf:

  • Aktuelle Strömungen: Wie hängen Digitalisierung und Recht zusammen? Wie verändert die Digitalisierung die Kommunikation (und warum gelingt Kommunikation so häufig nicht)? Wie verändert eine bessere Kommunikation das Recht (weil präventiv Konflikte vorweggenommen werden)? Wie kann Empathie die Rechtsanwendung verbessern (weil niemand mehr ohne Grund auf seinem Recht besteht, sondern Konfliktlagen vermieden werden)? Wie kann im Recht mit Emotionen so umgegangen werden, dass sie nicht stören, sondern der Praxis helfen (womit die Autorinnen dann im Bereich des Coaching angekommen sind)? Wie hilft die Reflexion der eigenen anwaltlichen Arbeit (Fall-Supervision), professioneller und mehr „in der eigenen Mitte“ zu arbeiten?
  • Potenzial von Mediation und Supervision: Mediation ist zum Modewort geworden, doch tatsächlich ist sie in der Anwaltspraxis noch gar nicht so weit verbreitet. Noch immer scheuen viele Parteien und ihre Anwälte, einen unabhängigen Dritten als Mediator einzuschalten, um einen Konflikt zu lösen – doch gerade für Syndikusrechtsanwälte und -anwältinnen in Unternehmen kann es eine Methode sein, um Konflikte in Konzernen oder einer Branche zu lösen. Während bei der Mediation die meisten Juristinnen und Juristen inzwischen auch dank des Mediationsgesetzes wissen, worum es in der Sache geht, gilt das nicht für die Supervision. In der Einzel-, Team- oder Gruppensupervision geht es um Selbstreflexion, darum, die Qualität der eigenen Arbeit zu verbessern (und nicht darum, die Arbeitsergebnisse zu kontrollieren). Wie auch immer die Supervision abläuft: Sie soll dem Betroffenen die Chance geben, das eigene Tun zu reflektieren. Und sie kann dabei helfen, die eigenen mediativen Kompetenzen zu fördern und die jeweils beste Lösung zu finden.

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