Haftpflichtfragen

Anwalts­haftung bei der Unter­man­da­tierung

Zwei Männer reichen sich die Hände - Anwaltshaftung: Wer haftet eigentlich bei einem Untermandat, wenn etwas schief geht?

Wenn Anwältinnen und Anwälte andere Kolleginnen und Kollegen ins Mandat einschalten - für eine Untermandatierung im Mandat kommen ganz verschiedene Gründe in Betracht: Das sind die Terminsvertretung oder die Zuarbeit, manchmal auch formale Gründe. Doch wer haftet, wenn etwas schief geht?

Inhalt und Umfang der Unter­man­da­tierung sind daher keine festen Größen, sondern bedürfen der Definition der Betei­ligten. Zumeist werden sich aller­dings Inhalt und Umfang bereits rein logisch aus dem Anlass der Unter­man­da­tierung ergeben. Auch die Kenntnis des Mandanten von der erfolgten Unter­man­da­tierung sowie die Einbindung des Mandanten in die Unter­man­da­tierung können sehr unter­schiedlich sein. Und am Ende, wenn etwas schief gegangen ist, stellen sich immer die gleichen Fragen: Wer haftet wofür und wer hat zu wem eine Rechts­be­ziehung? Hierbei sind verschiedene typische Konstel­la­tionen zu unter­scheiden:

I. Das Prozess­ge­richt ist weit entfernt

Wenn es sich nicht um ein besonders wichtiges Mandat oder um einen wichtigen Mandanten handelt, will man als Anwalt unter Umständen nicht selbst zum Ort des Gerichts­ver­fahrens anreisen – vor allem wenn der Prozess weit entfernt statt­findet. Da inzwi­schen jeder Anwalt, jede Anwältin in der gesamten Bundes­re­publik auftreten darf, kommen diese Konstel­lation häufig vor. Vor dem Jahr 2001 war dies nicht zulässig: Bis dahin brauchte man ohnehin einen am Gerichtsort zugelas­senen Kollegen. Damals nannte man dieses Duo „Prozess­anwalt und Verkehrs­anwalt“: Der eine machte alles bei und gegenüber dem Gericht, der andere nahm den Partei­verkehr mit dem Mandanten wahr und wurde manchmal auch „Korre­spon­denzanwalt“ genannt.

Es ist also histo­risch betrachtet nichts Ungewöhnliches oder gar Verwerf­liches, einen Gerichts­termin nicht selbst wahrzu­nehmen, sondern hierfür einen beim Gerichtsort ansässigen Kollegen zwischen­zu­schalten. Die Mandats­be­ar­beitung im eigent­lichen Sinn wird dem unter­man­da­tierten Kollege wahrscheinlich nicht obliegen; er soll nur den Gerichts­termin wahrnehmen, das heißt anwesend sein, damit kein Versäumnis­urteil ergeht, verhandeln, eventuell einen wider­ruf­lichen Vergleich schließen und dann wieder an den Haupt­be­vollmächtigten berichten. Ob und inwieweit der Unter­be­vollmächtigte die Sache näher kennt und in der mündlichen Verhandlung etwas zur Sache ausführen kann, ist in der Praxis sehr unter­schiedlich. Ist der Unter­be­vollmächtigte nicht oder schlecht vorbe­reitet, kann sich dies auf das Verfahren nachteilig auswirken, bis hin zum Prozess­verlust.

Da in dieser Konstel­lation der Mandant im Regelfall gar nicht weiß, dass ein Kollege am Gerichtsort einge­schaltet ist und er diesem daher auch kein direktes Mandat erteilt hat, laufen die Rechts­be­zie­hungen ausschließlich über den Haupt­be­vollmächtigten. Das heißt, der Mandant wird den Regress immer an den Haupt­be­vollmächtigten adres­sieren, egal, ob dieser in Person verant­wortlich ist oder nicht. Fällt der Fehler in den Aufga­ben­be­reich des Unter­be­vollmächtigten, greift die Erfüllungs­ge­hil­fen­haftung des Haupt­be­vollmächtigten gemäß § 278 BGB. Unter Umständen haftet der Haupt­be­vollmächtigte daneben aus eigenem Verschulden. Mit Fragen der internen Haftungs­ver­teilung muss der Mandant sich jedoch nicht herum­schlagen. Ob dann später der Haupt­be­vollmächtigte beim Gehilfen Rückgriff nehmen kann, braucht den Mandanten nicht inter­es­sieren.

II. Spezi­elles Wissen ist erfor­derlich

Ist in einem Mandat eine Frage in einem Rechts­gebiet klärungsbedürftig, welches der manda­tierte Anwalt selbst nicht beherrscht, kann er sich entweder mühsam einar­beiten – dabei Gefahr laufend, die Zusammenhänge oder Regelungen nicht in der gehörigen Tiefe zu verstehen und einen Fehler zu machen – oder einen in diesem Gebiert versierten Kollegen isoliert für diesen Punkt hinzu­ziehen. Dies kann insbe­sondere opportun sein, wenn es um vertiefte steuer­recht­liche Fragen geht oder um Fragen ausländischen Rechts. Nicht zuletzt wird es vom Selbst­verständnis des Anwalts abhängen, ob er einen Kollegen für die Spezial­ma­terie hinzu­zieht: Einer­seits könnte man es als Eingeständnis eigener Schwäche oder mangelnder Kompetenz verstehen, einzuräumen, dass man von einem Rechts­gebiet keine oder jeden­falls für den konkreten Vorgang zu wenig Ahnung hat; auf der anderen Seite kann man ein solches Vorgehen aber gerade auch als optimale Mandatsführung betrachten, will man doch für den Mandanten die bestmögliche Bearbeitung erreichen, ungeachtet eigener Befind­lich­keiten.

 


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