Frauenquote

Auf der Flucht vor der Frauen­quote

Die Unter­neh­menswelt hat lange gegen sie gekämpft: Die Frauen­quote für Aufsichtsräte. Ob starr, ob flexibel – jede Gängelung wurde abgelehnt. Jetzt greift die Frauen­quote ab 2016. Und noch sind nur wenige Unter­nehmen vorbe­reitet.

Die Frauen­quote für Aufsichtsräte gilt seit Januar 2016. Viele Unter­nehmen haben sie als überflüssige Gängelung wahrge­nommen und sind nur schlecht darauf vorbe­reitet. Das könnte sich nun ändern.

Volks­wagen hat jetzt wahrlich andere Sorgen als die Frauen­quote. Zuerst der erbit­terte Streit des ergrauten Patri­archen Ferdinand Piëch mit dem Alphatier Martin Winterkorn an der Spitze des Autokon­zerns, dann der ganze Ärger mit der Manipu­lation an den Diesel­mo­toren. Da ist es gut, dass sich das Unter­nehmen auf absehbare Zeit nicht auch noch um das „Gesetz für die gleich­be­rech­tigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungs­po­si­tionen in der Privat­wirt­schaft und im öffent­lichen Dienst“ kümmern muss, allseits gefürchtet unter dem Begriff „Frauen­quote“. Unter der „gleich­be­rech­tigten“ Teilhabe versteht dieses Regelwerk einen Frauen­anteil von 30 Prozent in den Aufsichtsräten aller Unter­nehmen, die börsenno­tiert und voll mitbe­stim­mungs­pflichtig sind.


Die Quote greift scheibchenweise

Das sind in Deutschland nicht besonders viele, deshalb gilt diese Regelung seit dem 1. Januar 2016 für Volks­wagen und rund 100 weitere Unter­nehmen. Das bedeutet aller­dings nicht, dass an diesem Stichtag die Zielvorgabe erreicht sein musste. Seitdem muss nur jeder Wechsel im Kontroll­gremium im Lichte der Quote gesehen werden – und die sorgte schon lange im Vorfeld für so viel Diskus­si­onsstoff, dass so manche Kanzlei intern jubiliert haben dürfte angesichts des Rechts­be­ra­tungs­be­darfs, der dadurch entstanden ist. Nicht nur, um die Regelungen überhaupt zu verstehen, sondern auch, um ihre Auswir­kungen so gering wie möglich zu halten.

Die großen Konzerne müssen bei der Neube­setzung ihres Aufsichtsrats so lange Frauen bevor­zugen bis die gesetz­liche Vorgabe erfüllt ist, sonst droht die ungewöhnlich kreative Sanktion des „leeren Stuhls“. Und die kann unangenehm werden, schließlich gerät dadurch die zwischen Arbeit­nehmern und Anteils­eignern sorgsam austa­rierte Balance automa­tisch in Schieflage. Besonders gefährlich wird das für die Anteils­eig­ner­seite, denn sie sind in Frauen­fragen struk­turell im Hinter­treffen. Die Gewerk­schaften hingegen haben schon häufiger weibliches Personal vorge­schickt. Nicht auszu­denken, was in den Betrieben passiert, wenn plötzlich die Arbeit­neh­mer­seite bei der Aufsicht das Sagen hat.

Da ist es ganz praktisch, dass Volks­wagen im vergan­genen Jahr schon einmal vorsorglich ein Drittel seiner Aufsichtsräte vorzeitig ausge­tauscht hat, darunter auch so illustre Personen wie den ehema­ligen IG-Metall-Chef Berthold Huber, der den Platz für den neuen Gewerk­schafts­vor­sit­zenden Jörg Hofmann räumte. Damit konnte elegant das Umsetzen der Quote noch weiter nach hinten geschoben werden, ohne dass es groß Aufsehen erregte. Denn das frühe Austau­schen des Personals hatte den Vorteil, dass es noch quotenfrei geschehen konnte. Nur eine Frau war unter den langfris­tigen Neube­set­zungen, Louise Kiesling, Ende 50, Designex­pertin und eine Nichte von Piëch. Damit sind die Damen in dem Zwanziger-Gremium zu dritt. Und daran wird sich voraus­sichtlich bis 2017 auch nicht viel ändern, denn erst dann wird turnusmäßig wieder gewählt.


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