Interview

Babette Christo­phers - als Anwältin einen neuen Markt entwi­ckeln

Unter­neh­mertum bedeutet für mich eigene Wege gestalten, für sich selbst verant­wortlich sein und, ja, etwas zu bewegen.

Können Sie mir dem Organ der Rechtspflege noch etwas anfangen?

Klar. Als Organ der Rechts­pflege fühle ich mich den Grund­prin­zipien unseres Staates verpflichtet. Aber natürlich muss ich Geld verdienen und will auch nicht verhehlen, dass man sich natürlich auch über die Einnahme und den Erfolg identi­fi­ziert.

Wann würden Sie einer jungen Absolventin die Selbstständigkeit empfehlen?

Also ich bin ehrlich: Ich würde einer Absol­ventin nicht empfehlen, sich als Einzelanwältin selbstständig zu machen. Ohne Anwalts­er­fah­rungen kann man heute wohl nicht mehr gründen … das Anwalts­geschäft muss man lernen – egal ob Frau oder Mann.

Braucht sie einen Fachanwaltstitel?

Nicht zwingend.

Branchenkenntnis?

Ja, und Kontakte .. und man muss gelernt haben, Fälle zu handhaben.

Wie wichtig sind heute Titel wie der Doktor oder LL.M?

Im Medizin­recht noch immer wichtig. Ärzte verbinden vor allem mit dem Doktor­titel Reputation.

Was ist die größte Herausforderung für eine Anwältin, einen Anwalt, wenn sie Familie und Beruf in Einklang bringen möchte?

Die Zeiten für Beruf und Familie aufein­ander abzustimmen. Es gibt Zeiten, in den sie einfach zu Hause sein müssen. Am Ende hat man zu häufig das Gefühl, den Kindern, aber auch der Arbeit nicht gerecht worden zu sein.

Haben Sie einen Tipp, wie man das am besten managen kann?

Ruhig bleiben und sagen, es geht nicht mehr. Man tut, was man kann. Mehr geht nicht. Als Einzelanwältin zerren wenigstens die Kollegen und Kolle­ginnen nicht mehr an einem.

Muss sich in den Sozietäten etwas ändern?

Es gibt in den Sozietäten oft noch die Haltung: Es kann nur derjenige Partner werden, der Vollzeit tätig ist. Das halte ich für totalen Unfug. Man kann auch mit weniger als 40 Arbeits­stunden in der Woche eine gute Anwältin sein.

Was ist das Minimum, was man schaffen kann. Ab wann kann man nicht mehr seriös Anwältin sein?

Es kommt darauf an, wie viele und welche Mandate man macht … an der Stundenzahl kann man das nicht festmachen. Viel wichtiger ist die Frage, wie man mit Mandatss­pitzen umgehen kann. Das kommt vor. Dafür braucht man eine Lösung.

Wie managen Sie Ihre Arbeitsbelastung?

Indem ich hin und wieder ehrlich sage, dass ich jetzt ein Mandat nicht annehmen kann. Ich habe als junge Anwältin gelernt, dass das Ablehnen von Mandaten ein No-Go ist. Heute weiß ich, dass es besser ist, ein Mandat abzulehnen und einen guten Kollegen oder eine gute Kollegin zu empfehlen. Das dient dem Netzwerk und dem Mandanten habe ich trotzdem geholfen.

Welchen Tipp würden Sie einer jungen Berufsanfängerin geben, wie sie mit dem Thema „Familiengründung“ umgehen soll?

Da gibt es keine Tipps, weil es eine sehr indivi­duelle Frage ist. Aber wenn man das Gefühl hat, man hat den richtigen Partner, dann sollt man nicht schieben …

Was kann die Jugend von Ihnen lernen?

Gehe deinen Weg. Mach das, was dir Spaß macht, und lass dich nicht von poten­zi­ellen Hinder­nissen abhalten. Hinder­nisse kann man überwinden.

Und was können Sie heute von der Jugend lernen?

Wir können von der Jugend lernen, wie Grenzen überwunden werden können. Die sind heute so digital unterwegs, da komme ich manchmal nicht mit. Wenn der Nachwuchs dieses digitale Know-how in Kanzleien einbringen kann, sollten die Kanzleien sich darüber freuen. //


Das Gespräch führten Rechtsanwältin Bettina Bachmann und Rechtsanwalt Nicolas Lührig, Berlin.


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