BGH

Mehr Transparenz bei Anwaltskammer ‒ Informationsanspruch für jeden

Der BGH setzt ein Zeichen für mehr Transparenz: Rechtsanwaltskammern fallen wie jede Behörde grundsätzlich in den Anwendungsbereich der Informationsfreiheitsgesetze (IFG). Folge ist ein Informationsanspruch für jeden. Der umfasst auch die Protokolle des Kammervorstands.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat erfreulicherweise für mehr Transparenz bei den Rechtsanwaltskammern gesorgt. Die Informationsfreiheitsgesetze (IFG) finden grundsätzlich auch auf die Verwaltungstätigkeit von Rechtsanwaltskammern Anwendung. Damit hat jeder und jede einen Informationsanspruch auf Einsicht in die Protokolle des Kammervorstands einer Rechtsanwaltskammer, wie aus dem am 7. April 2017 vom BGH veröffentlichten Leitsatz-Urteil hervorgeht (BGH, Urt. v. 20. 03.201 - AnwZ (Brfg) 46/15). Konkret entschieden hat der Anwaltssenat des BGH aber nur für das Informationsfreiheitsgesetz Nordrhein-Westfalen (IFG NRW). Damit sind nun die Protokolle des Kammervorstands der Rechtsanwaltskammern (RAK) Düsseldorf, Hamm und Köln zugänglich.

Die Rechtsanwaltskammer Köln hatte in dem Fall einem Anwalt die Einsicht verweigert und sich auf die Verschwiegenheitspflicht der Vorstandsmitglieder nach § 76 BRAO berufen. Auch der Anwaltsgerichtshof Hamm hat einen Anspruch auf Akteneinsicht verneint (AnwBl 2015, 806). Dem hat der Anwaltssenat des BGH nun eine Absage erteilt.  Die Verschwiegenheitspflicht nach § 76 BRAO entspreche der allgemeinen beamtenrechtlichen Regelung über die Amtsverschwiegenheit und sei keine besondere Vorschrift, die den Zugang zu Protokollen des Vorstands einer Anwaltskammer regele.

Transparenz der Rechtsanwaltskammer nicht uneingeschränkt

Transparenz soll es aber nach Meinung des BGH nicht uneingeschränkt geben. Nur Beratungsgegenstände und Beratungsergebnisse des Kammervorstands in den Protokollen müssen öffentlich gemacht werden. Der Beratungsverlauf ‒ also wer was wann gesagt hat ‒ bleibt weiterhin geheim. Beratungen des Vorstands einer Rechtsanwaltskammer seien vertrauliche Beratungen und unterlägen nicht der Transparenz. Der eigentliche Vorgang der behördlichen Entscheidungsfindung, das heißt die Besprechung, Beratschlagung und Abwägung müsse geschützt bleiben.

Transparenz und die Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK)

Das Urteil des Anwaltssenats des BGH reicht aber weit über Nordrhein-Westfalen hinaus: Zum einen gibt es in vielen Bundesländern inzwischen Informationsfreiheitsgesetze. Daher dürften noch mehr Kammern mit Informationsansprüchen konfrontiert werden. Zum anderen kämpft bekanntlich die Bundesrechtsanwaltskammer dafür, aus dem Anwendungsbereich des IFG des Bundes herausgenommen zu werden (siehe Ewer, AnwBl 2017, 273). Der Prüfappell des Bundestags aus dem März 2017 an das Bundesjustizministerium zur Herausnahme der BRAK könnte sich nach dem Urteil des BGH schnell erledigt haben: Wenn der Anwaltssenat des BGH als höchstes Anwaltsgericht die Anwendbarkeit des IFG auf Kammern bejaht, warum sollte es dann noch eine Sonderregelung für die BRAK geben? Auch die Rechtsanwaltskammer Berlin hatte sich gegen eine solche Sonderregelung ausgesprochen.

Die wichtigsten Erkenntnisse des BGH-Urteils

Die wichtigsten Erkenntnisse des Urteils zusammengefasst:

  • Rechtsanwaltskammern unterliegen grundsätzlich dem IFG, so dass es ein Auskunftsrecht für jeden gibt (so auch für die BRAK, schon VG Berlin, AnwBl 2016, 851).
  • Die Akteneinsicht nach dem IFG kann erst versagt werden, wenn die Arbeitsfähigkeit der Behörde gefährdet ist ‒ also eigentlich nie.
  • Beratungsgegenstände und Beratungsergebnisse des Kammervorstands aus dessen Protokollen müssen öffentlich gemacht werden. Der Beratungsverlauf ‒ wer also wann was gesagt hat ‒ bleibt aber geheim. Das folgt schon aus dem IFG, wird vom BGH aber auch in der BRAO verortet. Nicht umfasst von der Transparenz sind natürlich auch personenbezogene Angaben in Zulassungs- und Aufsichtssachen (darauf hatte sich die Auskunftsklage aber ohnehin nicht bezogen).

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