Interview

Monika Nöhre: „Das Nachdenken ist beim Mandanten nicht immer einge­preist.“

Wenn der Anwalt und sein Mandant über Kreuz liegen, kann das viele Auslöser haben. Sicher ist aber: Unzufriedene Mandanten tun sich schwerer damit, Honorarnoten zu bezahlen. Doch was soll die Anwältin oder der Anwalt dann machen? Seit 2011 gibt es für solche Fälle die Schlichtungsstelle der Rechtsanwaltschaft. Das Anwaltsblatt fragte die Schlichterin der Rechtsanwaltschaft Monika Nöhre, was die Schlichtungsstelle leistet, was nicht auch Gerichte leisten könnten – und warum jede Anwältin und jeder Anwalt davon profitiert.


Wer einen Anwalt sucht, um gegen seinen früheren Anwalt vorzugehen, findet ihn. Warum braucht die Anwaltschaft eine Schlichtungsstelle?

Wir verstehen uns nicht als Anwalt des Mandanten, der gegen seinen früheren Anwalt vorgehen will. Wir sind eine unabhängige Stelle, die versucht, eine Einigung in einem Konflikt zwischen Anwalt und Mandanten herbei zu führen. Deshalb wenden sich die Mandanten oder ehema­ligen Mandanten in der Regel auch direkt an uns. Nur in seltenen Fällen haben sie einen neuen Anwalt beauf­tragt. Wir versuchen den Konflikt aufzu­nehmen und eine Lösung zu finden. Das ist unsere Aufgabe und wir sind auf einem guten Weg.

Wie hilft die Schlichtungsstelle der Anwältin oder dem Anwalt ganz konkret?


Das Mandat ist in der Mehrzahl der Fälle beendet, wenn die Antragsteller – also in der Regel die ehemaligen Mandanten – zu uns kommen. Aber es gibt einen ungelösten Konflikt. Meistens ist eine Gebührenrechnung des Anwalts noch offen und der Mandant möchte aus den unterschiedlichsten Gründen nicht zahlen. Wir helfen dabei, die schwebende Situation zu beenden. Oftmals lauten unsere Schlichtungsvorschläge auch, dass der Mandant einen Teil oder auch die gesamte noch offene Rechnung an den Anwalt zahlt. Wenn der Schlichtungsvorschlag angenommen wird, ist der Konflikt beendet. Der Anwalt muss seine Forderung nicht einklagen und kommt schnell zu seinem Geld. Oftmals beflügelt auch das Einschreiten der Schlichtungsstelle die Einigungsbereitschaft auf beiden Seiten. Allein die Tatsache, dass sich einer an uns wendet, befördert die Einigung. Wir wollen Konflikte befrieden. Das spart den Weg zu den Gerichten.

Seit 1. April 2016 ist die Schlichtungsstelle eine anerkannte Verbraucherschlichtungsstelle. Was heißt das?

Wir haben sozusagen die Lizenz nach dem Verbrau­cher­streit­bei­le­gungs­gesetz erlangt, als anerkannte Stelle Konflikte zu schlichten. Wir müssen die Vorschriften dieses Gesetzes einhalten. Das ist eine Selbst­verständlichkeit. Das haben wir vorher auch schon gemacht. Aber die Anerkennung legiti­miert uns nach außen hin. Mandanten können sicher sein, dass hier alles im rechts­staat­lichen Rahmen des Verbrau­cher­streit­bei­le­gungs­ge­setzes abgewi­ckelt wird.

Das ist vor allem Geschwindigkeit?

Ja, das ist aber auch ein Qualitätssiegel. Denn das Verbrau­cher­streit­bei­le­gungs­gesetz verpflichtet die Schlich­tungs­stellen, ihre Empfeh­lungen auf der Basis des Sachver­halts zu erstellen und an Recht und Gesetz auszu­richten. Die Anerkennung als Verbrau­cher­schlich­tungs­stelle ist also beides: Schnel­lig­keits- und Qualitätssiegel. Dazu gehört auch, dass die Schlich­terin keine Rechtsanwältin, sondern unabhängig ist. Das hat aller­dings die BRAO von Anfang an so vorge­sehen.

Und was ist mit den gewerblichen Mandanten?

Auch diese können sich an uns wenden. Ich weiß, dass andere Schlich­tungs­stellen ganz klar gewerb­liche Mandanten aussor­tieren. Bei uns genügt nach der Satzung ein Mandatsverhältnis. Deshalb schlichten wir auch Strei­tig­keiten mit gewerb­lichen Mandanten innerhalb der Streit­wert­grenze von 50.000 Euro. Wir leisten also mehr als das VSBG fordert. Die Anzahl dieser Schlich­tungsfälle ist aber bisher gering.

Ist die Schlichtungsstelle Konkurrenz zu den ordentlichen Gerichten?

Das ist eine ganz schwierige Frage. Belast­bares, statis­ti­sches Material gibt es nicht. Die Anzahl unserer Fälle spricht eindeutig dafür, dass wir keine nennens­werte Konkurrenz sein können. Schlichtung ist etwas anderes als ein Zivil­prozess, auch wenn es Ähnlich­keiten zwischen einem Zivil­urteil und einer Schlich­tungs­emp­fehlung gibt. Wir gehen anders auf die Betei­ligten zu. Wir versuchen, auch die persönlichen Argumente in der Schlich­tungs­emp­fehlung abzubilden. Das können Gerichte nicht. Generell gilt: Nicht alles lässt sich schlichten, nicht alles lässt sich richten. Daher stehen Schlichtung und Zivil­prozess neben­ein­ander und nicht in einem direkten Konkur­renzverhältnis.


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