Industrie 4.0

Das Recht für die digitale Welt fit machen

Das Recht für die digitale Welt fit machen. Rechtsanwalt Prof. Dr. Niko Härting beantwortet warum das Thema "Industrie 4.0" für Anwälte eine Zukunft hat und wo Anwältinnen und Anwälte künftig gebraucht werden.

Warum hat das Thema „Industrie 4.0“ für Anwälte Zukunft?

Industrie 4.0“ ist ausnahmsweise einmal kein Anglizismus, sondern eine deutsche Wortschöpfung. Hinter dem Begriff stehen die Bemühungen der deutschen Industrie, bei der zunehmenden Vernetzung der Produktionsprozesse zukunftsfähig zu bleiben. Große Anbieter im Silicon Valley (Ebay, Amazon, Google, Facebook, Microsoft, Apple) haben bei den Verbrauchern die Nase vorn. Dies soll im Industriebereich anders werden. Clouddienste, Software as a Service sowie digitale Plattformen sind Instrumente der vernetzten industriellen Produktion. Für den Anwalt bedeutet dies: neue Geschäftsmodelle, neue Vertragsstrukturen, neue Herausforderungen beim Schutz von geistigem Eigentum und Geschäftsgeheimnissen. Spannende Fragen. „Industrie 4.0“ sorgt dafür, dass dem IT-Rechtler die Arbeit nicht ausgeht.

Wo werden Anwältinnen und Anwälte gebraucht?

Zurzeit wird viel über „Legal Tech“ diskutiert. Hinter diesem Buzzword verbirgt sich Technologie, die sich längst nicht so schnell entwickelt, wie man oft meint. Man erinnere sich nur an das Jahr 2000. Was ist aus Anwalts-Hotlines, was ist aus der Rechtsberatung in digitalen Welten, was ist aus der „Online-Beratung“ geworden? Dennoch: Die Digitalisierung verändert alle Lebensbereiche – auch den Anwaltsberuf. AGB, die man vor 20 Jahren noch per Diktat erstellt hat, setzt man heute – copy und paste – aus einem Vorlagenfundus zusammen. Das geht viel schneller, kostet den Mandanten weniger Geld und bringt dem Anwalt weniger Umsatz. Nichtsdestotrotz müssen wir nicht befürchten, über kurz oder lang durch künstliche Intelligenz und Roboter ersetzt zu werden. „Industrie4.0“ ist in vielen Bereichen ein Jobmotor für die Anwaltschaft. Die Unternehmen brauchen unsere Unterstützung bei der schwierigen Balance zwischen Innovation und Compliance. Bei neuen Geschäftsmodellen sind kreative Juristen gefragt, die regulatorische Fallstricke umschiffen. Neue Ideen müssen in neuen Vertragsmodellen umgesetzt werden.

Was brauchen Anwälte, was sie in der Juristenausbildung nicht lernen?

In der Zeit meiner Ausbildung gab es den Begriff der „Soft Skills“ noch nicht. Heute bemüht man sich bereits, rhetorische Fähigkeiten und Verhandlungsmethoden in der Ausbildung zu schulen. Das ist gut so. Und ich glaube, dass junge Anwältinnen und Anwälte – trotz mancher Defizite – heute besser auf den Beruf vorbereitet sind als früher. Junge Anwälte, die Unternehmen beraten, brauchen ein gewisses Grundverständnis, wie Wirtschaft funktioniert. Das war vor 25 Jahren nicht anders. Als ich als selbstbewusster junger Anwalt das erste Mal gestandenen Kaufleuten gegenübersaß, spürte ich, wie Theorie und Wirklichkeit hart aufeinander prallten. Erfahrung kann man nicht studieren. Branchenkenntnisse entwickeln sich erst nach einigen Berufsjahren. Der IT-Anwalt darf zudem keine Angst vor Technik haben. Die besten technischen Kenntnisse nützen dem Anwalt jedoch nichts, wenn es am juristischen Handwerkszeug fehlt.

Tipps/Links/Info:

plattform-maerkte.de


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