Berufseinstieg

Referen­dariat, Unter­halts­bei­hilfe und die Wahl des Bundes­landes

Es ist zu schön, um wahr zu sein. Anders als im Jura-Studium werden Referendarinnen und Referendare für die Ausbildung „bezahlt“. Wie so oft im Leben sieht die Realität jedoch anders aus. Nicht in allen Bundesländern kann man von der Unterhaltsbeihilfe allein gut leben und auch die Ausübung einer Nebentätigkeit ist nicht ganz unproblematisch. Wie lässt sich also finanziell das meiste aus dem Referendariat rausholen und welche Fallen gibt?

Neben dem Standort spielt für viele Referendarinnen und Referendare insbesondere die Höhe der Unterhaltsbeihilfe eine wichtige Rolle, wenn es darum geht sich zu entscheiden wo das Referendariat absolviert werden soll. Zwischen 950 Euro und ca. 1.258 Euro brutto lassen sich je nach Bundesland verdienen. Dabei bilden Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern weiterhin die Schlusslichter, während Brandenburg den früheren Spitzenreiter Thüringen abgelöst hat. Nachdem der thüringische Landtag im März den Beamtenstatus für seine Referendarinnen und Referendare abgeschafft hat, mussten diese nicht nur mit 100 Euro weniger im Monat auskommen, sondern auch die Streichung des Familienzuschlags hinnehmen. Damit ist Thüringen das einzige Bundesland, in dem die Unterhaltsbeihilfe im Vergleich zu 2015 gekürzt wurde. Bundesweit geht der Trend hingegen eher zu einem Anstieg der Beihilfe. So erhalten Berliner Referendarinnen und Referendare seit Juni knapp 135 Euro mehr als im Vorjahr. In Anbetracht der stetig steigenden Mieten und Lebenshaltungskosten insbesondere in den Großstädten ist das eine willkommene Entwicklung.

Das Geld wird knapp

Soweit die guten Neuigkeiten. Hier kommen die schlechten: Referendarinnen und Referendare sind lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtig. Einzig von der Rentenversicherung sind sie befreit. Bei einem Bruttoverdienst von 1.100 Euro bleiben bei Steuerklasse I von der Unterhaltsbeihilfe am Ende noch etwa 970 Euro übrig. Davon kann man leben, große Sprünge sind allerdings nicht möglich. Dabei darf nicht vergessen werden, dass auch in Deutschland die Juristenausbildung nicht ganz preiswert ist. Wer sich für das Examen sämtliche Gesetzestexte und Kommentare neu anschafft, muss dafür in Berlin knapp 570 Euro zahlen. Darüber hinaus entscheiden sich zunehmend mehr Referendarinnen und Referendare dafür, neben den verpflichtenden Arbeitsgemeinschaften noch ein Repetitorium zu besuchen. Je nach Anbieter kann das zwischen 90 Euro und 130 Euro monatlich kosten. Da kann das Geld am Ende des Monats selbst in den großzügigeren Bundesländern knapp werden. Die Lösung liegt auf der Hand: eine Nebentätigkeit.

Wer das Glück hat, eine der begehrten Stellen als wissenschaftlicher Mitarbeiter oder wissenschaftliche Mitarbeiterin in einer Großkanzlei zu ergattern, kann schon mal 800 Euro pro Wochenarbeitstag im Monat verdienen. Allerdings sind insbesondere gut bezahlte und zeitintensive Nebentätigkeiten nicht unproblematisch. Zum einen ist das Referendariat nicht zu unterschätzen. Zwischen Stationsarbeit und Arbeitsgemeinschaften ist die freie Zeit knapp bemessen. Zum anderen müssen Nebentätigkeiten grundsätzlich von der Ausbildungsstelle – in der Regel vom Präsidenten des ausbildenden Oberlandesgerichts – genehmigt werden. Die Anforderungen an eine genehmigungsfähige Nebentätigkeit sind überall streng, unterscheiden sich aber je nach Bundesland. In erster Linie geht es um die Vereinbarkeit der Nebentätigkeit mit der juristischen Ausbildung, für die man immerhin bereits die Unterhaltsbeihilfe erhält. Häufig gibt es Beschränkungen in zeitlicher Hinsicht.


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