Existenzgründung

Der kostbare rote Faden

Jürgen Fritschi wollte Profifußballer werden. Dazu hat es zwar nicht gereicht, doch als Rechts­anwalt kommt er seinem Traum gerade wieder etwas näher.

Die Mandantin raubt ihm den Verstand. Heute, sagt Jürgen Fritschi, hat er sich erlaubt, die Zusam­men­arbeit so freundlich wie möglich abzulehnen. „Man muss auch mal seine Nerven schonen“, sagt der 41-Jährige und zieht gequält die Augen­brauen hoch. Seit acht Jahren ist er nun Anwalt für Miet- und Verkehrs­recht. Ganz zu Anfang seiner Laufbahn, sagt er, hätte er es sich zehnmal überlegt jemandem abzusagen, selbst wenn der neue Mandant furchtbar unein­sichtig war. Heute traut er sich das.

Er sitzt an einem schwarzen Schreib­tisch in seiner Kanzlei in München, den Windbreaker hat er locker über den Bürostuhl gehängt. Hinter ihm, auf einem schlichten Regal, steht eine alte nostal­gische Schreib­ma­schine mit Farbband. In den Fächern reihen sich Fachbücher anein­ander. Fritschi selbst wirkt vor dieser Kulisse fast jungenhaft. Er trägt ein braunes Poloshirt, Brille mit schmalem Rand, die Locken sportlich durch­ein­ander, was ihm eher etwas von einem Studenten als von einem arrivierten Anwalt verleiht. Dabei scharrt Fritschi in seiner Kanzlei im schicken Stadtteil Bogen­hausen mittler­weile 13 Mitar­beiter um sich, darunter Rechtsanwälte für Verkehrs-, Arbeits-, Miet-, Erb-, Familien und Sport­recht. Gerade ist er auf der Suche nach einem weiteren Experten für Mietrecht, weil der Bedarf an juris­ti­schem Beistand in dem Bereich fast unerschöpflich ist. Genau wie für das Verkehrs­recht. Fritschi hat so viele Mandanten, dass er nicht mehr pausenlos akqui­rieren muss und noch genug Zeit für seine Frau und seine zwei Kinder hat. „Das ist mir wichtig“, sagt er, „Ich glaube, dass es eine Frage der Einstellung ist, ob man als Rechts­anwalt ständig bis Mitter­nacht arbeitet.“ Aus Fritschis Haltung spricht die Gelas­senheit eines Menschen, der sich keine Sorgen machen muss. Dabei war seine Karriere gar nicht so vorge­zeichnet. Er hätte auch Versi­che­rungs­kaufmann bleiben können. Damals, nach der Schulzeit, musste er ja irgen­detwas Sinnvolles machen, sagt er und lächelt, wie so oft, wenn er spricht.


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