Interview

Dr. Reni Maltschew - die Gesell­schaft gestalten im Öffent­lichen Recht

Wie viel Technikverständnis gehört zum Bau- oder Immissionsschutzrecht?

Im öffent­lichen Baurecht geht es noch ohne, im privaten Baurecht sicherlich nicht mehr. Wer als Anwalt auf den Baustellen rumspringt, muss ein Verständnis für die techni­schen Zusammenhänge jenseits dessen, was rechtlich bedeutsam ist, entwi­ckeln. Als Verwal­tungs­recht­lerin müssen Sie nicht die Feinheiten einer Biogas­anlage kennen. Aber wenn die Details Ihnen dargelegt werden, sollten Sie sich dafür inter­es­sieren und dem auch nachgehen. Das machen die Gerichte übrigens auch.

Wo liegen die Zukunftsthemen im Verwaltungsrecht?

Im Planungs­recht ist das Thema erneu­erbare Energien nach wie vor ein Thema, das in die Zukunft weist. Ich habe immer geglaubt: Wenn flächende­ckend überall Windener­gie­an­lagen stehen, dann kommt eine Sättigung. Jetzt gibt es die zweite Generation, es geht um Repowering-Fragen, um Netzausbau und so weiter. Der Beratungs­bedarf ist nach wie vor hoch, Tendenz steigend. Infra­struk­tur­vor­haben sind ein Zukunfts­thema. Wir müssen mit dem künftigen Siedlungs­druck gerade hier in der Region Berlin-Brandenburg umgehen, der wird noch weiter zunehmen.

Wie innovativ müssen die Verwaltungsrechtler in der Anwaltschaft sein?

Sie sollten als Anwalt immer innovativ sein, vor allem alles beobachten. Sie müssen nicht jedem Trend hinter­her­laufen, zum Beispiel nicht unbedingt bei Facebook sein, aber Sie sollten es bewusst entscheiden. Ich verzichte auf Facebook & Co. und inves­tiere zum Beispiel viel Zeit in Gespräche und Telefonate mit meinen Mandanten.

Wie international ist das Verwaltungsrecht?

Das kommt darauf an, wie inter­na­tional Sie es haben wollen. Ich komme im Verwal­tungs­recht hervor­ragend aus, ohne jeden Tag englisch telefo­nieren zu müssen, weil ich die Öffent­liche Hand berate. Wenn Sie auf der Seite der Projekt­ent­wickler tätig sind, dann kann es schon mal schnell inter­na­tional werden.

Wie fordernd ist das Öffentliche Recht – oder anders gefragt: Wie oft machen Sie Überstunden?

Ganz ehrlich: Unser Anwalts­beruf ist ein Fulltime-Job, Belast­barkeit gehört mit dazu, da brauche ich nicht darum herum­zu­reden. Unter 45 Stunden in der Woche schaffen Sie es nicht, wenn Sie in anspruchs­vollen Fällen am Ball bleiben wollen. Was Sie aber schaffen können, dass sie die Woche­n­enden frei haben und einen kurzen Arbeitstag in der Woche einplanen, um zum Beispiel den Sohn von der Kita abzuholen. Ich versuche, die Woche so gut es geht zu planen. Sie können Ihre Mandanten und die Mandate managen – zumindest im Planungs­recht schaffen Sie das.

Ihr Tipp für Familienväter und Familienmütter, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf herzustellen?

Vielleicht die wichtigste Empfehlung ist: „Such dir deinen Partner gut aus“. Die jungen Menschen haben so wahnsinnig viele Sorgen, wie sie ihre Examen machen, wie sie ihre Referen­dar­sta­tionen planen, was sie noch Schönes im Lebenslauf haben wollen, aber bei der Frage, mit wem teile ich mein Leben wird man großzügig. Dabei ist die Frage nach dem ganz persönlichen Partner­schafts­modell fast die wichtigste Entscheidung für die eigene Karriere. Ich weiß natürlich: Seinen Partner kann man nicht wirklich planen, weil es wirklich eine ganz persönliche Entscheidung ist. Es hilft aber, sich dieses Aspekts bewusst zu sein.

Was muss passieren, damit die Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht immer nur Frauen gestellt wird?

Mehr Frauen in Führungs­po­si­tionen.

Wie viel Engagement ist neben dem Anwaltsberuf noch möglich?

Wenn Sie meine Familie fragen würden, würden die wohl sagen: zu viel [lacht]. Ich begrenze das auf ein paar wesent­liche Funktionen und Ehrenämter, weil es in der Tat vor allem zulasten der Familie geht.

Was bedeutet Ihnen die Mitarbeit in der Theodor-Heuss-Stiftung?


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