Anwaltszukunft

Elektro­mo­bilität: Eine Brücke in die Zukunft bauen

Gute Anwälte wissen heute schon, welche Probleme ihre Mandanten morgen haben werden – und wo die Zukunft für junge Anwältinnen und Anwälte liegt. Anwaltsblatt Karriere hat Experten auf ihrem Gebiet befragt.

Im Interview: Hans-Michael Stracke, München. Er ist Rechts­anwalt und Wirtschafts­me­diator bei der Kanzlei Bird & Bird LLP.

 

1. Warum hat das Rechtsgebiet Elektromobilität Zukunft?

Im Bereich der Elektromobilität drängen derzeit neben diversen Fahrzeug-Startups noch weit mehr Anbieter von Elektronik, Software, Infrastrukturlösungen, Datentransfer- und Verarbeitungsservices inklusive Zahlungsservices (Beispiel Hub ject), Cloudservices, etc. in die Automobilindustrie. Gerade die Elektromobilität wird ihren Durchbruch weniger mit staatlich finanzierten Kaufprämien erzielen, als vielmehr mit einer flächendeckenden und über alle Systeme kompatiblen Lade-Infrastruktur samt zugehöriger Datentransfer- und Zahlungsinfrastruktur. Das haben mittlerweile auch die Fahrzeughersteller erkannt und haben entweder selbst (Beispiel Tesla) oder mit diversen Partnern Joint Ventures gegründet (Beispiel Daimler, BMW, Volkswagen, Audi, Porsche und Ford), um die überfällige Lade-Infrastruktur aufzubauen. Damit geht es nunmehr nicht nur um klassisches Automobilzulieferergeschäft oder Fahrzeugbau, sondern vielmehr um die Zukunft der Mobilität. Autonomes Fahren wird möglichst einfach nur sinnvoll in Kombination mit Elektromobilität umzusetzen sein. Niemals mehr tanken oder Öl nachfüllen. Das geht nur elektrisch.

2. Wo werden Anwältinnen und Anwälte gebraucht?

Die Vielschichtigkeit der Einflüsse auf die Elektromobilität wird von den Auswirkungen durch die Elektromobilität noch weit übertroffen. Damit werden natürlich nicht nur Anwälte im Technologiebereich gesucht, also IT/Telekommunikation, Software, Datenschutz, Produkthaftung und Produktsicherheit, Patente, Lizenzen und natürlich klassisches Vertragsrecht, sondern auch vermehrt im Bereich Fahrzeug- und System-Zulassung, Energie, Bauplanungs- und Baurecht. Weiter werden wir sicherlich einen starken Anstieg im M&A- und Finanzierungsbereich in diesem Umfeld sehen.

3.Was brauchen Anwälte, was sie in der Juristenausbildung nicht lernen?

Was erfolgreiche Anwälte auf Fahrzeughersteller- und Zuliefererebene schon bisher brauchen – weit über Technikaffinität hinausgehendes Technikverständnis –, gilt für diesen Bereich noch vermehrt für die Zukunft. Zumal die Produkte noch weit digitaler werden als bisher. Für alle anderen beteiligten Kolleginnen und Kollegen gilt, dass in Infrastrukturthemen weit mehr Sicherheitsfragen Einzug finden werden als bisher. Die Komplexität der Vernetzung spiegelt sich in der Komplexität der Anforderungen an künftige Juristen wieder. Eine gute Leitplanke auf dieser Zukunftsautobahn ist sicherlich die stete Neugier auf technologische und damit einhergehende soziale und gesellschaftliche Herausforderungen. Von daher kann ich nur empfehlen, so oft und weit über den Tellerrand der Juristenausbildung hinauszublicken wie nur möglich.


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