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Deutscher Anwaltstag 2018

Eine Region macht mobil: Metro­pol­region Rhein-Neckar

Erstmals hat der Deutsche Anwaltstag nicht nur einen Gastgeber, sondern gleich fünf. Die Anwalts­vereine der Metro­pol­region Rhein-Neckar pflegen schon seit Jahren eine gute Zusam­men­arbeit. Jetzt haben sie sich auch für den DAT 2018 zusam­men­getan.

„Begonnen hat alles mit den Arbeits­ge­mein­schaften“, erzählt Michael Eckert, der Vorsit­zende des Anwalts­vereins Heidelberg. Vor einigen Jahren hatte der Verein ein beson­deres Modell für die Weiter­bildung der Mitglieder entworfen. Unter dem Dach des Vereins wurden lokale Arbeits­ge­mein­schaften gegründet, die Fortbil­dungen anbieten - von Arbeits- bis Insol­venz­recht. Für die Veran­stal­tungen dieser AGs gibt es DAV Fortbil­dungs­be­schei­ni­gungen, zudem werden sie von den Kammern als Fortbil­dungen für den Fachan­walts­titel akzep­tiert.

Das Konzept kam gut an. Auch der benach­barte Mannheimer Anwalts­verein gründete entspre­chende AGs. Aller­dings gibt es Themen, für die sich immer nur ein paar Anwälte in den Vereinen inter­es­sieren. „Die Idee war es dann, dass Mannheim und wir uns mit gemein­samen Arbeits­ge­mein­schaften zusam­mentun – und dass jedes Mitglied aus einem der Vereine auch beim anderen Verein Veran­stal­tungen mitmachen kann, ohne, dass es etwas kostet“, sagt Michael Eckert. Allein der Nachweis der Mitglied­schaft reicht.

Später kamen dann auch die anderen Anwalts­vereine aus der Region hinzu, und betei­ligten sich an der Koope­ration: der Ludwigs­ha­fener Anwalts­verein, der Speyerer Anwalts­verein und die Anwalts­ver­ei­nigung Frankenthal. Es entstand ein lockerer Verbund der Anwalts­vereine in der Metro­pol­region Rhein-Neckar.

Gastgeber des Deutschen Anwaltstags 2018

Doch bei der Zusam­men­arbeit bei den Arbeits­ge­mein­schaften sollte es nicht bleiben. Die Anwalts­vereine der Metro­pol­region haben bereits zwei regionale Anwaltstage ausge­richtet. Beim ersten kamen noch rund 120 Teilnehmer, drei Jahre später waren es über 300. Als der DAV auf den Mannheimer Anwalts­verein zuging, um zu fragen, ob Mannheim den Deutschen Anwaltstag ausrichten wolle, lag es da nur nahe, dass sich die Vereine der Metro­pol­region auch hierfür wieder zusam­men­taten. Damit hat der diesjährige Deutsche Anwaltstag nicht nur einen, sondern gleich sechs Gastgeber.

Ohnehin versteht sich die Region als gemein­samer Wirtschaftsraum, den siebtgrößten in Deutschland, der sich über drei verschiedene Bundesländer erstreckt: Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz. Insgesamt wohnen hier 2,4 Millionen Menschen.

„Es ist sinnvoll, die Kräfte in der Region zu bündeln“, sagt Prof. Ralph Landsittel, Vorsit­zender des Mannheimer Anwalts­vereins. „Auch über die Grenzen der Bundesländer hinweg.“ Die betei­ligten Anwalts­vereine haben ein Planungs­ko­mitee gebildet, in das jeder Verein Vertreter geschickt hat. „Natürlich möchte da jeder seine Stadt weit vorne wissen. Das wurde dann freund­schaftlich disku­tiert und gelöst“, erzählt Prof. Landsittel. Am Mittwo­chabend etwa findet in Mannheim im John-Deere-Forum das Get-together statt. Die Heidel­berger laden am Freitag­abend ins Heidel­berger Schloss ein.

Die Aufgaben in der Gruppe der Anwalts­vereine haben sich dann durch das Programm ergeben. Wert wird darauf gelegt, dass viele Referenten aus der Region kommen. Zudem werden gute Bezie­hungen zu den rechts­wis­sen­schaft­lichen Fakultäten in der Region gepflegt. So konnte auch ein eigenes Programm für Studie­rende, Referendare und junge Rechtsanwälte aufge­stellt werden. Zentraler Veran­stal­tungsort ist das Congress Center Rosen­garten in Mannheim. Das sei sinnvoll, um den Teilnehmern kurze Wege bieten zu können, meint Prof. Landsittel.

Gerade die kleinen Vereine profi­tieren von der Zusam­men­arbeit in der Metro­pol­region. Der Speyerer Anwalts­verein hat gerade einmal 73 Mitglieder. „In so einer kleinen Gruppe finden sich immer nur ein paar Leute, die ein Thema inter­es­siert“, stellt Stephan Schultz, Vorsit­zender der Speyerer Anwalts­vereins, fest.

Da ist es sinnvoll, dass die Mitglieder des Speyerer Anwalt­vereins auch an den Seminaren des Mannheimer Anwalts­vereins teilnehmen können – und umgekehrt. Ohnehin liegt in der Metro­pol­region vieles dicht bei einander. „Nach Mannheim fahre ich 20 Minuten. Innerhalb Berlins ist man zum Teil deutlich länger unterwegs“, sagt Schultz.

Die Zusam­men­arbeit im Planungs­ko­mitee für den Deutschen Anwaltstag hat er als durchweg positiv erlebt. „Wir saßen zusammen und haben uns gefragt: Was können wir machen? Und wer kann was erledigen?“, erzählt Schultz. Als Dozent an der Universität Speyer habe er zum Beispiel einen guten Zugang zu den dortigen Studenten und habe dort Werbung für die Veran­stal­tungen gemacht, die sich speziell an jüngere Kollegen wenden.

Koope­ration für die Zukunft

Durch die Organi­sation des Anwalts­tages sind die Anwalts­vereine der Metro­pol­region noch enger anein­ander gerückt. „Wir haben ein sehr freund­schaft­liches Verhältnis“, sagt Schultz. Er kann sich vorstellen, dass die Koope­ration in Zukunft noch vertieft wird, etwa bei den Seminaren oder bei gemein­samen Veran­stal­tungen. Für den Speyerer Anwalts­verein ist die Zusam­men­arbeit insgesamt eine tolle Sache, findet Schultz. „Wir als kleiner Verein wären allein nie in der Lage gewesen, so etwas auf die Beine zu stellen. So können wir tatsächlich mitwirken und mitge­stalten.“

Auch Prof. Landsittel vom Mannheimer Anwalts­verein bestätigt die gute Zusam­men­arbeit zwischen den Vereinen. „Insgesamt konnten wir die persönlichen Kontakte noch weiter inten­si­vieren. Und es macht Spaß“, sagt der Vorsit­zende. „Das Konzept finde ich persönlich empfeh­lenswert. Es erhöht die Schlag­kraft und die finan­zielle Leistungsfähigkeit.“

Lässt sich die Koope­ration eventuell auch auf andere Regionen übertragen? „Auf jeden Fall“, ist sich Michael Eckert vom Anwalts­verein Heidelberg sicher. „Natürlich hat jede Region ihre lokalen Beson­der­heiten. Aber gerade Vereine mit weniger als 100 Mitgliedern haben so die Möglichkeit, gemeinsam Veran­stal­tungen und Fortbil­dungen auf die Beine zu stellen, indem sie die Last auf mehrere Schultern verteilen.“ Doch wie weit kann die Zusam­men­arbeit gehen? „Das, was besser allein gelöst werden kann, soll auch von den Vereinen selbst gemacht werden. Da, wo die Zusam­men­arbeit sinnvoll ist, arbeiten wir zusammen“, erklärt Prof. Landsittel. Das gilt für den diesjährigen Anwaltstag und auch für die Zukunft der Anwalts­vereine in der Metro­pol­region Rhein-Neckar.


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