Einstel­lungs­report: In guten wie in schlechten Zeiten

Auf den ersten Blick scheinen die Bereiche des Medizinrechts, Familienrechts und das Insolvenzrecht wenige Gemeinsamkeiten zu haben. Und doch teilen die scheinbar grundverschiedenen Rechtsgebiete eine ganz besondere Eigenschaft: Hier wird nah am und mit dem Menschen gearbeitet - und zwar vor allem dann, wenn es mal nicht so gut läuft.

Für die unterschiedlichsten Lebensbereiche können sich in der anwaltlichen Arbeit existenzielle und entscheidende Fragen stellen: Wer muss für gesundheitliche Schäden in Folge einer medizinischen Behandlung haften? Wie kann ich die Existenz eines Unternehmens und seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter retten? Und wer sollte bei der Scheidung einer Ehe das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder bekommen? Die Antworten auf solch elementare und hochkomplexe Fragen können nur Spezialistinnen und Spezialisten geben, die Arbeitsweisen, Besonderheiten und Entwicklungen ihrer Rechtsgebiete bestens kennen.

Insol­venz­recht – gute Wirtschaftslage heißt schlechte Auftragslage

Wenn die Wirtschaftslage in einem Land gut ist, hat jeder etwas zu lachen. Sollte man meinen – doch im Insol­venz­recht sieht man das anders. Denn ohne strau­chelnde oder schei­ternde Unter­nehmen gibt es für Insol­venz­rechtler nun einmal keine Mandate. Was also tun, wenn es den Unter­nehmen zu gut geht? Noch dazu, wenn sich die Geset­zeslage so verändert, dass sich insol­vente Betriebe während ihrer Sanierung leichter selbst verwalten dürfen? Schnell wird klar: Wer Insol­venz­recht betreibt, bewegt sich nah an den Entwick­lungen von Wirtschaft und Politik. Die Devise ist daher: Kreativ werden, neue Wege gehen und sich spezia­li­sieren, um auf einem aktuell schrump­fenden Markt erfolg­reich zu bleiben.

Wie das geht, weiß zum Beispiel Rechtsanwältin Dr. Ruth Rigol von der überre­gional agierenden Kanzlei Pluta Rechts­an­walts GmbH. Auch wenn Unter­neh­mens­krisen seltener sind, hat das Insol­venz­recht für sie immer eine besondere wirtschaft­liche Relevanz: „Es ist richtig und wichtig, dass Unter­nehmen über die Insolvenz aussor­tiert werden, wenn sie schlecht geführt werden oder ihre Angebote oder Arbeits­weisen überholt sind.“ Da sich gerade im Zuge der Digita­li­sierung und Automa­ti­sierung die Arbeits­weise in der Wirtschaft samt Produkten und Dienst­leis­tungen ändern, wird das Insol­venz­recht weiterhin ein elemen­tares Gebiet im Wirtschafts­recht bleiben. Doch dazu muss sich auch die Anwalt­schaft weiter entwi­ckeln, sagt Rigol. Kleine Insol­venz­rechts­kanz­leien sterben aus, Insol­venz­ver­wal­tungen bekommt nur noch, wer hochpro­fes­sionell und breit aufge­stellt ist. Damit einher geht die Präsenz an zahlreichen Stand­orten, eine Zerti­fi­zierung der Kanzlei und selbst­verständlich die Arbeit mit komplexen und immer öfter inter­na­tio­nalen Sachver­halten. „Der verhand­lungs­si­chere Umgang mit der engli­schen Sprache muss in der Insol­venz­kanzlei zunehmend selbst­verständlich werden“, sagt Marcello Di Stefano, Rechts­anwalt und Insol­venz­rechtler in der Erfurter Nieder­lassung der Kanzlei Reinhardt & Kollegen.


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