Einstellungsreport

Die Vielfalt des Marktes nutzen

Junge Juristinnen und Juristen haben zumeist nur eine sehr grobe Vorstellung davon, was sich hinter den Bereichen Energierecht, Handels- und Gesellschaftsrecht sowie Transport- und Speditionsrecht verbirgt. Es gibt eine große juristische Vielfalt zu entdecken: Die Belange der Bundesnetzagentur sind nicht gleich denen eines Anlagebauern, die Prüfung eines Gesellschaftervertrags ist nicht gleich der Begleitung einer Unternehmensfusion und die Einhaltung der Lenkzeit wird anders geprüft als die der Strafvorschriften zum Gefahrguttransport. Lässt es sich also überhaupt als Energierechtlerin, als Gesellschafts- oder Transportrechtler in den Anwaltsmarkt einsteigen? Wie viel Spezialisierung ist notwendig? Die Anforderungen der Kanzleien an junge Anwälte variieren derzeit ebenso stark wie die Zukunftsperspektiven. Für Bewerberinnen und Bewerber gilt es,sich einen weiten Überblick zu verschaffen, um gezielt persönliche Schwerpunkte setzen zu können.

Der Markt ist in Bewegung. Veränderungen des natio­nalen und inter­na­tio­nalen Rechts beein­flussen die Entstehung neuer Märkte, der Wunsch der jungen Absol­ven­tinnen und Berufsanfänger nach indivi­du­eller Lebens­planung erhöht den Bedarf an flexiblen Karrie­re­mo­dellen und die außerjuris­ti­schen Fähigkeiten gewinnen immer mehr an Bedeutung. In vielen Kanzleien findet derzeit ein Umdenken statt: Bewer­be­rinnen und Bewerber müssen nicht in ein Schema passen – sondern in Branche und Kanzlei. Prädikatsexamen sind zwar nach wie vor ein sehr wichtiger Faktor für den Einstieg in die Großkanzlei und mittelständische Kanzleien begrüßen bei der Einstellung weiterhin einen Doktor­titel. Doch verhand­lungs­si­chere Fremd­spra­chen­kennt­nisse, Fortbil­dungs­be­reit­schaft und Kommu­ni­ka­ti­ons­kom­pe­tenzen sind inzwi­schen mindestens ebenso wichtig. Es stellt sich immer mehr die Frage nach einem stimmigen Gesamt­paket, nach dem „passenden“ Bewerber und umgekehrt nach der „passenden“ Kanzlei. Dabei gilt derzeit für beide Seiten: Es ist für jeden etwas dabei. Der Trend: Gern klassisch, aber nicht schlicht.

Das umfangreiche Angebot an universitären Veranstaltungen und außeruniversitären Qualifikationswegen bietet den Vorteil, dass jeder seine Stärken nutzen und sich auf dem Anwaltsmarkt hervorheben kann. Angesichts der Vielzahl von Möglichkeiten fragen sich einige Bewerber allerdings: Wie viele Zusatzqualifikationen sind nötig? Wie viel fachspezifische Erfahrung wird schon beim Kanzleieinstieg erwartet? Wir haben die Kanzleien gefragt, welche Qualifikationen für sie wirklich von Interesse sind – und warum.

Fremdsprachenkenntnisse sind heute branchenübergreifend nahezu in allen befragten Kanzleien Voraussetzung. Besonders wichtig ist verhandlungssicheres Englisch, im Handels- und Gesellschaftsrecht auch gern durch einen LL.M. belegt. Im Bereich des Transport- und Speditionsrechts sind auch Französisch- und Spanisch kenntnisse im Umgang mit Speditionsunternehmen nützlich. Bei rein im Inland tätigen Kanzleien im Energierecht wird gelegentlich einer besonders guten Deutschnote im Abitur der Vorzug gegeben. Auslandserfahrung wird besonders im Transport- und Speditionsrecht gewünscht. Ein Blick über den Tellerrand soll dabei nicht nur die Kommunikationsfähigkeit belegen, sondern eine gewisse Eigenständigkeit des Bewerbers sowie Offenheit für Neues zeigen. Die Bedeutung des Doktortitels hängt zumeist von der Kanzleiphilosophie ab.


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