Erbrecht

Markt für Rechts­dienst­leis­tungen wandelt sich - auch im Erbrecht

Erbrecht als Chance im Wandel?

Software mit Mustertexten für Testamente oder zur Berechnung von Nachlass-Ansprüchen gibt es zwar. Sie sind aber fast ausschließlich für das Pflichtteilsrecht relevant. „Gerade in komplizierten Fällen spielen persönliche Implikationen und mediative Elemente zur Beilegung von Streitigkeiten eine entscheidende Rolle“, sagt der 60-Jährige. Meist gingen langwierige Verhandlungen zwischen den Beteiligten voraus. „Es geht fast immer um  Persönlichkeiten mit sehr individuellen Testamenten und höchst unterschiedlich handelnde Personen.“ Technologie spiele angesichts des oft engen Mandantenkontakts kaum eine Rolle. Gefragt sei „klassische Handarbeit im Sinne eines individuellen Produktes, das hergestellt wird“. Der beste  Algorithmus kann nach Friesers Überzeugung immer nur so gut sein, wie der juristische Urheber seiner Programmierung. Als Beispiel nennt er die  Auseinandersetzung einer Erbengemeinschaft, „wo mindestens die Hälfte der Kunst in der Anwendung psychologischer Mechanismen besteht“. Stets gelte es, Familienverhältnisse zu klären, Beziehungen, Schicksale, mitunter Traditionen. Fälschungsvorwürfe, Fragen der Testier(un)fähigkeit oder die Haftung der Erben. Die vielen literarischen Bezüge zum Erbrecht seien kaum zufällig. Viele Berührungspunkte zu anderen Rechtsgebieten sorgten dafür,
„dass man immer wieder dazu lernt“.

Durch die europäische Erbrechts­ver­ordnung ist das kleine, für hohe Streit­werte bekannte Rechts­gebiet inter­na­tio­naler geworden. Frieser: „Das hat mit globalen Verflech­tungen, Ausland­sim­mo­bilien und Auslandsvermögen sowie daraus resul­tie­renden, grenzüberschrei­tenden Fällen zu tun“. Bis dato  endet die Automa­ti­sierung in den meisten Kanzleien regelmäßig dort, wo es an die zentralen Elemente juris­ti­scher Arbeit geht: das Prüfen und  Gewichten von Fakten und Argumenten, um daraus passgenaue Lösungen für die Mandanten zu entwi­ckeln. Doch wie lange noch? Ein Blick nach  Übersee zeigt: Die künstliche Intel­ligenz (KI) ist rasant auf dem Vormarsch. Maschi­nen­ler­nende Algorithmen, die die senso­rische und intel­lek­tuelle Erkennung des Menschen nachahmen, sind bereits in der Lage, auch aus großen Mengen unstruk­tu­rierter Daten neue Zusammenhänge zu bilden und Erkennt­nisse zu ziehen („Data-Mining“).


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