Deutscher Anwaltstag 2018

Fehler­kultur bei Anwältinnen und Anwälten: Anwaltstag wurde damit zum Erfolg

Über die eigenen Fehler und den Umgang mit ihnen sprechen. Das zog beim Deutschen Anwaltstag des Deutschen Anwalt­vereins mehr als 1.700 Teilnehmer nach Mannheim.

Der Jahreskongress der deutschen Anwaltschaft wurde zum Erfolg, auch wenn beim diesjährigen Motto des Deutschen Anwaltstags „Fehlerkultur in der Rechtspflege“ zunächst einige skeptisch gewesen waren. Doch schnell zeigte sich in den Veranstaltungen und auf der Fachmesse: Anwältinnen und Anwälte sind längst so professionell, dass sie auch über Fehler sprechen wollen. Sie wissen, dass die Anwaltschaft mit ihrer Fehlerkultur noch nicht so weit ist wie Piloten oder Ärzte. Die Schwerpunktveranstaltung am 8. Juni 2018 machte deutlich, dass Risikomanagement und Kommunikation mit dem Mandanten der Schlüssel zu einer gelebten Fehlerkultur sind. Und in vielen Veranstaltungen sprachen Anwältinnen und Anwälte über ihre persönlichen Fehler, was sie daraus gelernt haben und was andere daraus lernen könnten. Deutlich wurde, dass die Anwaltschaft mit ihrer Fehlerkultur auf alle Fälle weiter als die Justiz ist, die sich noch immer auf ihren Instanzenzug verlässt.

Nicht nur Anwältinnen und Anwälte: Auch Richterprominenz

Mehr als 1.700 Teilneh­me­rinnen und Teilnehmer kamen vom 6. bis 8. Juni 2018 in Mannheim zusammen. 200 Referen­tinnen und Referenten hielten mehr als 50 Fachvorträge zu unter­schied­lichsten Bereichen des anwalt­lichen Handwerks. Unter den Referenten waren auch der Richter des Bundes­ver­fas­sungs­ge­richts Dr. Ulrich Maidowski (gab Tipps für die erfolg­reiche Verfas­sungs­be­schwerde), die Präsidentin des BGH Bettina Limperg (sprach über Fehler­kultur in der Justiz) und der Präsident des Bundes­ver­wal­tungs­ge­richts Prof. Dr. Klaus Rennert (sprach über Gerichte als Repara­tur­helfer der Verwaltung).

Den Rechtsstaat vor Angriffen schützen

Doch ein Deutscher Anwaltstag bietet mehr als Fortbildung: Die Eröffnungsveranstaltung am 7. Juni 2018 stand im Zeichen des Rechtsstaats und der Sorge darum, dass unberechtigte Angriffe ihn gefährden könnten. Die Eröffnungsreden von DAV-Präsident Ulrich Schellenberg und der neuen Bundesjustizministerin Dr. Katarina Barley betonten, dass der Rechtsstaat keine Selbstverständlichkeit sei und verteidigt werden müsste. Die DAV-Mitgliederversammlung hatte in einer Resolution bereits einen Tag zuvor die Politiker aufgefordert, „sich zum selbstbewussten und liberalen Rechtsstaat“ zu bekennen und diesen nicht zu diffamieren.

Neue Trends bei IT- und Kanzlei-Software: „AdvoTec“

Herzstück des Anwaltstags ist die Fachmesse „AdvoTec“. In diesem Jahr boten 70 Aussteller einen Überblick über aktuelle Trends vor allem im IT- und Software-Bereich. Von Online-Netzwerken, über Verschlüsselungs­tech­niken bis hin zu vollin­te­grierten Kanzlei-Workflows stellten die Aussteller neue Entwick­lungen vor. War es im vergan­genen Jahr in Essen beim Thema „Legal Tech“ vor allem um die Zukunft der Rechts­dienst­leistung gegangen, standen diesmal die Fragen der prakti­schen Umsetzung im Vorder­grund. Das galt auch für den Start-up-Corner, in der kreative neue Produkte um Kunden und Inves­toren warben.

Festvortrag: Kenneth Feinberg aus den USA

Den Blick über den Tellerrand bot Kenneth Feinberg, der wohl berühmteste Schadenser­satz­anwalt der USA. Der Protagonist des Films „Playing God“ hielt den Festvortrag zur Eröffnung. Eindrücklich schil­derte er, wie Kompen­sa­ti­ons­fonds in den USA zum Beispiel den Opfern der Terror­anschläge vom 9. September 2011 geholfen hätten. Damals sei bewusst das viel zu kompli­zierte ameri­ka­nische Rechts­system umgangen worden.


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