Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) nach wie vor beliebteste Kanzleiform

 

Die Studie des Soldan Instituts hat untersucht, wie sich die deutsche Anwaltschaft auf Kanzleien unterschiedlicher Größe und Rechtsformen verteilt. Sie zeigt: Im Anwaltsmarkt gibt es kein Strukturbeben. Einige Besonderheiten zeigen sich aber schon.


Kleinkanzlei dominiert den Anwaltsmarkt

Großkanzleien sind in aller Munde, doch dominierend auf dem Anwaltsmarkt ist nach wie vor die Kleinkanzlei. Drei Viertel der befragten Anwältinnen und Anwälte arbeitet in einer Kanzlei mit fünf oder weniger Anwälten. Ein Drittel sogar in einer Kanzlei mit nur einem einzigen Berufsträger. Dem gegenüber stehen lediglich 6 Prozent der Anwältinnen und Anwälte, die in Kanzleien mit mehr als 20 Anwälten arbeiten.

Niemand verwundert: Der Standort beeinflusst die Größe einer Kanzlei. In Städten beliebiger Größe überwiegen prozentual betrachtet Kanzleien, in denen zwei bis fünf Anwälte arbeiten.  Aber: im Übrigen hat die Ortsgröße geringeren Einfluss als man vielleicht erwartet hätte. Ein-Personen-Kanzleien sind auch in Millionenstädten nur geringfügig seltener anzutreffen als in Städten anderer Größe. Das Klischee des Einzelanwalts, der vorwiegend auf dem Land und in der Kleinstadt tätig ist, findet sich nicht bestätigt. Einzelanwaltliche Tätigkeit kann auch eine mitunter sehr spezialisierte Tätigkeit in einem großstädtischen Umfeld bedeuten, stellt Prof. Dr. Matthias Kilian vom Soldan Institut im Anwaltsblatt fest.

In den Kammerbezirken Brandenburg, Thüringen, Koblenz und Sachsen sind die durchschnittlich kleinsten Kanzleien anzutreffen. In den Kammerbezirken Bamberg, Tübingen, Köln, München und Stuttgart sind die Kanzleien überdurchschnittlich groß.


Rechtsgebietsspezifische Betrachtung

Tätigkeitsschwerpunkte von Einzelanwälten sind das Sozialrecht, Strafrecht, Familienrecht, allgemeines Zivilrecht und das Verkehrsrecht. Größere Kanzleien sind vorwiegend in den Bereichen Wirtschaftsverwaltungsrecht, Bank- und Kapitalmarktrecht, Gesellschaftsrecht sowie im Bau- und Architektenrecht und Handels- und Wirtschaftsrecht tätig.


Ungebrochen beliebt: Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) 

Auf der Beliebtheitsskala ganz oben steht nach wie vor die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). 88 Prozent der Anwältinnen und Anwälte, die in einer als BGB-Gesellschaft organisierten Sozietät arbeiten, sind in einer örtlichen Sozietät tätig, 12 Prozent in einer überörtlichen Sozietät.

Die Studie hat zudem einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Zahl der in einer Kanzlei tätigen Berufsträger und der gewählten Rechtsform herausgefunden: Anwälte aus Kanzleien (einschließlich Einzelunternehmen) einer Größe von bis zu fünf Anwältinnen und Anwälten sind nur in 12 Prozent der Fälle in einer Kanzlei tätig, die in einer haftungsoptimierten Rechtsform (als PartG, PartGmbB, GmbH oder Ein-Personen-GmbH) organisiert ist; Anwälte aus größeren Kanzleien (mehr als sechs Berufsträger) hingegen zu 59 Prozent.

Ein deutlicher Zusammenhang besteht zudem zwischen Kanzleiumsatz und Wahl der Rechtsform. Acht von zehn Anwältinnen und Anwälten aus einer PartGmbB berichten von einem jährlichen Umsatz von mehr als 1 Million Euro, hingegen nur 2,5 Prozent der Anwälte aus Einzelkanzleien, 24 Prozent der Anwälte aus einer GbR und 42 Prozent der Anwälte aus (einfachen) PartG.

Den Beitrag von Prof. Dr. Matthias Kilian veröffentlicht das Anwaltsblatt im Juli-Heft (AnwBl 2017, 724).

Rechtsassessorin Jessika Kallenbach, Anwaltsblatt-Redaktion, Berlin

 

 

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