Logo Anwaltsblatt

Zahlen zur Anwalt­schaft

Große BRAK-Statistik: Weniger Anwalts­notare, aber immer mehr Fachanwälte

Es gibt weitere Zahlen zur Anwaltschaft. Diese zeigen nicht nur, wie begehrt nach wie vor die Syndikusrechtsanwaltszulassung ist – vor allem bei den Frauen – während es gleichzeitig weniger niedergelassene Anwältinnen und Anwälte gibt. Spannend ist auch ein Blick zu den Anwaltsnotaren, die auch immer weniger werden. Dieser Trend gilt aber nicht bei den Frauen. Für sie wird das Anwaltsnotariat scheinbar immer attraktiver. Und: Die Gesamtzahl der erworbenen Fachanwaltschaften hat weiter zugenommen. Mittlerweile haben 27,16 Prozent der zugelassenen Anwältinnen und Anwälte mindestens einen Fachanwaltstitel. Spitzenreiter auf der Beliebtheitsskala sind nach wie vor ungebrochen die Fachanwaltschaften für Arbeitsrecht und Familienrecht.

Die Bundes­rechts­an­walts­kammer (BRAK) hat weitere Zahlen zur deutschen Anwalt­schaft vorgelegt. Veröffent­licht sind sie in der „Großen Mitglie­der­sta­tistik“ für 2019. Erst vor kurzem hatte die BRAK ihre „Kleine Mitgliederstatistik“ für 2019 vorgestellt. Sie zeigte einen weiterhin deutlichen Zuwachs bei den Syndi­kus­rechtsanwältinnen und - anwälten aber auch einen Rückgang bei den nieder­ge­las­senen Anwälten. Das Anwaltsblatt hatte. Die große BRAK-Statistik enthält nicht nur aktualisierte Zahlen, sondern diese auch aufgeschlüsselt nach Geschlechtern. Enthalten sind auch Daten zu den Anwaltsnotaren und Partnerschaftsgesellschaften.

Zahl der nieder­ge­las­senen Anwältinnen und Anwälte sinkt

Zum Stichtag 1. Januar 2019 wurden 166.375 zugelassene Mitglieder gezählt. Das sind 520 Kammermitglieder mehr als noch im Vorjahr. In der Gesamtmitgliederzahl enthalten sind die Syndi­kus­rechtsanwälte und unter anderem auch die zugelassenen Kanzleien in Form der Anwalts-GmbH (947, Vorjahr: 884), der Anwalts-AG (23, Vorjahr: 24) und der Anwalts-UG (9, Vorjahr: 9).

Die Zahl der nieder­ge­las­senen Anwälte mit Einzelzulassung ist gesunken: von 150.548 auf nunmehr 148.227. Das bedeutet einen Rückgang um 2.321.

Zahl der Syndi­kus­rechtsanwälte wächst weiter

Der Syndikusrechtsanwalt erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Zum Stichtag waren  bereits 16.877 Syndi­kus­rechtsanwältinnen und -anwälte zugelassen (Vorjahr: 14.108). Darunter befinden sich 14.013 Berufsträger, die zugleich eine Zulassung als nieder­ge­lassene Anwältin oder Anwalt haben. Insbesondere die Zahl derjenigen, die sich für eine Zulassung als reiner „Syndi­kus­rechts­anwalt“ entschieden haben (ohne nieder­ge­lassene Kanzlei) steigt. Gab es im Vorjahr noch 1.982 Syndikusrechtsanwälte ohne Doppelzulassung, stieg deren Anzahl binnen einen Jahres auf 2.864.

Mehr Anwältinnen

Der Trend zu einer immer weiblicher werdenden Anwalt­schaft hält an (siehe hierzu auch die Anwaltsblatt-Meldungen „Zukunft der Anwaltschaft ist weiblich – dennoch Benachteiligung von Frauen“ sowie  „The future is female! Empirische Forschung zum Anwalts­markt“ von Uta Katharina Schmidt).

Auch den Anstieg der Anwältinnen sowie die Beliebtheit der Frauen für ein Anwaltsnotariat zeigt die große BRAK-Statistik 2019.

Der Anteil der Frauen in der Gesamt­an­walt­schaft ist von 34,77 Prozent (Anfang 2018) auf jetzt 35,13 Prozent zum 1. Januar 2019 leicht gestiegen. Bei den ausschließlich als „Syndi­kus­rechts­anwalt“ zugelas­senen Anwältinnen und Anwälten sind sogar mehr als die Hälfte Frauen (55,06 Prozent). Während in der Gruppe der Anwältinnen und Anwälten mit Doppel­zu­lassung als „Syndi­kus­rechts­anwalt“ und „Rechts­anwalt“ der Frauen­anteil immerhin bei 43,73 Prozent. Ganz anders bei den reinen Rechtsanwälten: hier liegt der Frauen­anteil nur bei 33,93 Prozent. Aber immerhin – auch hier ein klein wenig mehr als noch im Vorjahr (33,82 Prozent).

Anwalts­no­tariat bei Frauen beliebter

Spannend ist auch ein Blick zu den Anwalts­no­taren. Zum Stichtag 1. Januar 2019 gab es 5.349 Anwalts­no­ta­rinnen und Anwalts­notare. Die Zahl ist gegenüber dem Vorjahr weiter gesunken (5.485). Auffällig: Zum 1. Januar 2019 waren es nur noch 4.389 Anwaltsnotare – immerhin 192 weniger als zum Stichtag 1. Januar 2018. Dass die Gesamtzahl der Anwaltsnotarinnen und Anwaltsnotare in dem Zeitraum nur um 136 zurückgegangen ist, liegt an den Anwaltsnotarinnen: Hier gibt es wie auch in den letzten Jahren steigende Zahlen zu vermelden. Nämlich von 904 im Jahr 2018 auf 960 im Jahr 2019. Allerdings machen Anwaltsnotarinnen immer noch lediglich 17,95 Prozent des Anwaltsnotariats aus.

PartG und Anwalts-GmbH sehr beliebt

Der Trend zur Beschränkung der Haftung bei den Anwaltsgesellschaften hält an. Die Beliebtheit der Partner­schafts­ge­sell­schaft (PartG) ist nach wie vor ungebrochen. 2019 gab es insgesamt 4.945 PartG (im Vorjahr: 4.797). Von ihnen hatten 2.216 von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, ihre Berufs­haftung weiter­gehend als PartGmbB zu beschränken (2018: 1.983 PartGmbB). Die meisten Partner­schafts­ge­sell­schaften wurden in München (723) und Düsseldorf (555) gegründet.

Auch die Zahl der zugelas­senen Anwalts-GmbHs ist deutlich gestiegen: von 884 in 2018 auf 947 in 2019. Als LLP waren 134 Kanzleien zugelassen. 11 weniger als noch im Vorjahr. Es gab darüber hinaus 1.047 ausländische Rechtsanwälte (Vorjahr: 987).

Unterwegs als Steuer­be­rater, Wirtschaftsprüfer und verei­digter Buchprüfer

Von den Anwältinnen und Anwälten hatten 2.137 zugleich eine Zulassung als Steuerberater, 574 als Wirtschaftsprüfer und 370 als vereidigte Buchprüfer.

Mehr als ein Viertel der Anwalt­schaft hat Fachan­walts­titel

Mit der großen Mitgliederstatistik hat die BRAK auch neue Zahlen zu den Fachan­walt­schaften in der Fachan­walts­sta­tistik veröffentlicht. Mehr als ein Viertel der zugelas­senen Anwältinnen und Anwälte haben mindestens einen Fachan­walts­titel. Die BRAK hat mitge­teilt, dass die Gesamtzahl der erworbenen Fachanwaltschaften weiter zugenommen habe und nunmehr bei 56.305 gegenüber dem Vorjahr mit 55.274 liege (Presseerklärung Nr. 9 vom 3. Juni 2019). Nach ihren Angaben betrage der Anteil der Fachanwälte an der Gesamtzahl der zugelassenen Rechtsanwälte 27,16 Prozent. Dabei seien 24,62 Prozent aller zugelassenen Rechtsanwältinnen auch Fachanwältinnen.   

Spitzen­reiter bei den Fachan­walt­schaften bleibt das Arbeits­recht. Hier gibt es 10.760 Fachanwälte und Fachanwältinnen. Fast genauso beliebt: die Fachan­walt­schaft für Famili­en­recht mit 9.455 Fachanwälten und Fachanwältinnen. Auf den Plätzen drei und vier liegen die Fachan­walt­schaften für Steuer­recht (4.910) und für Verkehrs­recht (4.116). Dicht gefolgt von den Fachan­walt­schaften für Miet- und Wohnrecht (3.756) und für Straf­recht (3.643).

Mit Abstand verzeichnet nach wie vor die Fachan­walt­schaft für Famili­en­recht den größten Frauen­anteil (58,06 Prozent). Fachanwältinnen sind auch in den Fachan­walt­schaften für Migrationsrecht (46,30 Prozent), Sozial­recht (45,23 Prozent) und Medizin­recht (39,49 Prozent) prozentual stark vertreten. Die wenigsten Frauen gibt es bei den Fachanwälten für Bau- und Archi­tek­ten­recht (14,78 Prozent) und Agrar­recht (17,44).

Die Statistiken hat die BRAK unter www.brak.de veröffentlicht.


Zurück